Mit einen Plus von 70% zählt die MAN-Aktie zu den diesjährigen Star-Performern an der deutschen Börse: Sie hat nicht nur viele Blue Chips, sondern auch den deutschen DAX-Index weit überflügelt. Mittlerweile weist die Aktie eine fast schon optionsähnliche Kursentwicklung auf.

Das liegt an zwei Faktoren: Einerseits läuft das Geschäft operativ sehr gut. Die Zahlen zum 3. Quartal waren über den Erwartungen gelegen. Der Umsatz konnte dank hoher Nachfrage aus Osteuropa auf 3,5 Mrd Euro von 3,2 Mrd im Vorjahres-Vergleichszeitraum gesteigert werden. Der operative Gewinn stieg um 36% auf 378 Mio Euro.

Möglichkeit einer Dreier-Allianz

Einen noch wichtigeren Einfluss auf die Kursentwicklung haben indessen die hochgehenden Übernahmefantasien. Das wahrscheinlichste Szenario einer Fusion von Scania und VW Heavy Trucks würde laut Analysten hohe Synergiepotenziale freilegen und den Kurs von Aktie und Call-Optionen weiter antreiben. Eine mögliche Dreier-Allianz der LKW-Hersteller stand denn laut Marktbeobachtern hinter dem Kursanstieg der letzten Woche. Etliche Analysten halten es für sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten sechs bis zwölf Monaten etwas geschieht, viele erwarten ein Angebot von Scania an MAN. Die schwedische Tageszeitung Dagens Industri hatte gemeldet, dass sich VW (die 36% der Scania-Stimmen kontrolliert) und der Swedish Fund Investor hinsichtlich der nächsten Schritte verständigt hätten und ein Angebot vorbereiten.Allerdings: Nach so viel Aktivität ist die Aktie nicht mehr billig. Mit dem positiven Ausblick des MAN-Managements hoben dennoch viele Analysten die Schätzungen an. Bei Goldman Sachs beispielsweise kommt man – fundamental – auf einen angemessenen Preis von 130 Euro pro Aktie und packt noch 22 Euro «Firmen-Aktivitäts-Prämie» drauf. Der kumulierte Wert der einzelnen Unternehmensteile liegt mit 204 Euro noch höher als der aktuelle Kurs, wenn es gelingt, nach einem Kauf die weiteren, nicht zum Kerngeschäft zählenden Aktivitäten von MAN an einen strategischen Investor zu veräussern. Mit dem Kursanstieg zog auch die für die Optionspreisberechnung wichtige implizite Volatilität stark an. Die historische Volatilität liegt bei 40 (auf 90-Tages-Sicht), etliche Calls werden auf der Basis einer noch höheren impliziten Volatilität berechnet.

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Mehr als 250 Puts und Calls

Bei MAN hat ein Anleger die Qual der Wahl unter über 250 an der SWX gelisteten Calls und Puts. Um von den möglichen strategischen Veränderungen profitieren zu können, sollten indes nur Calls in der Nähe des aktuellen Kurses und mit einem Verfall in mindestens sechs Monaten gekauft werden. Die Deutsche Bank hat etliche Calls ausstehend, die diesen Kriterien entsprechen: So etwa die Kontrakte DB40D6, DB9Q11, DB9Q12, DB9Q13 (alle mit Verfall im Juni und Ausübungspreisen zwischen 120 und 135 Euro). Hinzu kommen DB9Q14, DB9Q15, DB9Q16, DB9Q17 und DB9Q18 (mit Verfall im September und Ausübungspreisen zwischen 125 und 145 Euro). Das grösste Risiko für eine positive Kursentwicklung liegt laut den Analysten von Goldman Sachs bei fehlenden strategischen Entscheidungen. Wenn die M&A-Fantasie aus der Aktie entweicht, ist mit einer deutlichen Korrektur zu rechnen. Der September-Put DB79F9 mit Ausübungspreis bei 110 Euro bietet aber für einen solchen Fall einen gewissen Schutz.