Der Anteil der Kaufempfehlungen an allen Empfehlungen der Analysten der zehn weltgrössten Investmentbanken ist annähernd so hoch wie im Jahr 2002. Mit durchschnittlich 45% Kaufempfehlungen erreichen die Analysten den höchsten Wert seit dem Kreuzzug des mittlerweile zurückgetretenen New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer gegen die Verbindungen zwischen Research und Investment Banking im Jahr 2002. Das Ergebnis von Spitzers damaliger Untersuchung waren Strafzettel in Höhe von 1,4 Mrd Dollar für die Branche. In jenem Jahr waren 46% aller Empfehlungen Kaufempfehlungen.

Die Zunahme von Kaufempfehlungen spiegelt sich in einem Rückgang von Verkaufsempfehlungen wider, die Ende 2007 auf 11% aller Empfehlungen gesunken waren. Die UBS war die optimistischste Bank mit 55% Kaufempfehlungen, gefolgt von der Citigroup mit 50% und der Deutschen Bank mit 49%. Bei Goldman Sachs liegt die Rate nur bei 29%; im September 2002 waren es noch 57%.

Roger Hirst, Chef des europäischen Equity Research bei Bear Stearns, erklärt den Anstieg damit, «dass für Analysten die Hürden, eine Verkaufsempfehlung auszusprechen, höher sind und eine grössere Überzeugung voraussetzen als für eine Kaufempfehlung – vielleicht sollten die Anforderungen an Kaufempfehlungen angehoben werden». Die Neigung zu Kaufempfehlungen zeigt auch den Widerwillen der Analysten, Unternehmenschefs ohne guten Grund zu verärgern. «Analysten, die eine Verkaufsempfehlung für ein Unternehmen aussprechen, laufen Gefahr, ihren Zugang zum Management des Unternehmens zu verlieren. Man verfährt nach dem Motto: Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, sag lieber gar nichts», meint Gunnar Millar, Vizechef Research bei RCM. «Ich darf zwar keinen Druck auf Analysten ausüben, aber sie sollten sich dieses Drucks bewusst sein», sagt Hirst.

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