Das 1.-Quartals-Ergebnis des Medizinaltechnikers Synthes hat zu einem deutlichen Kursrutsch bei der Aktie geführt: Der Valor verlor unmittelbar nach Bekanntwerden der Zahlen rund 10% an Börsenwert und sank auf 116 Fr. ab. Die in den letzten Wochen verzeichneten Zugewinne verpufften somit innerhalb kürzester Zeit. Synthes konnte zwar im Vergleich zum Vorjahr den Umsatz von 781 auf 805 Mio Dollar leicht steigern, der Markt unterdessen hatte jedoch ein stärkeres Wachstum erwartet: Die Konsensschätzung lag bei 840 Mio Dollar.

Europa stark, USA unter Druck

Nur in den Regionen Europa und dem «Rest der Welt», vor allem in Lateinamerika, konnte ein zweistelliger Umsatzzuwachs erzielt werden. Negative Währungseffekte trüben aber auch hier die Bilanz ein. In Japan wirkte sich ein staatlich verordneter Preiserlass negativ auf die Marge aus. Indien und Korea konnten hingegen für ein gesundes Wachstum im asiatischen Raum sorgen.

Die USA sind mit einem Umsatzanteil von 60% der wichtigste Absatzmarkt von Synthes. Der Medizinaltechniker konnte die Einnahmen im umkämpften Markt zwar nur um 6% steigern, der Preisdruck in Nordamerika hat sich aufgrund des rezessiven Umfelds jedoch verschärft. Die Behandlungsvolumen gingen daher zurück. Zusätzlich droht ein negativer Effekt durch die Gesundheitsreform der neuen US-Regierung.

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Verhaltener Ausblick

Ein bedeutender Vorteil für Synthes besteht noch immer darin, dass der Absatz bei den Traumatologieprodukten nicht konjunkturabhängig ist. Die Nachfrage nach LCP-Plattformen und Fixationsnägeln ist ungebrochen. Diese Produkte werden bei der Behandlung von Oberschenkelfrakturen eingesetzt.

Die Wirbelsäulensparte konnte dank neuer Produkte ein Umsatzplus verzeichnen. Synthes bleibt daher für die zukünftige Marktentwicklung, trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten, vorsichtig optimistisch. Anlysten der Bank Vontobel zeigen sich vom Ausmass der negativen Währungseffekte überrascht. Diese könnten auch zukünftig auf die Margen drücken und damit das Resultat des 1. Halbjahres belasten, so die Voraussage. Es ist für die Vontobel-Analysten jedoch noch offen, ob es sich um Effekte wegen des fortschreitenden Lagerabbaus handelt oder ob strukturelle Trends die Ursache sind.

Das enttäuschende 1.-Quartals-Resultat führt dazu, dass Vontobel das aktuelle Kursziel (185 Fr.) überprüft. Die «Kaufen»-Empfehlung bleibt bestehen. Auch die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigen sich enttäuscht vom Synthes-Resultat. Sie bewerten die Aktie aufgrund der defensiven Qualitäten aber mit «Übergewichten». Die Experten der Bank Wegelin gewinnen den Kursdämpfern sogar etwas Positives ab. Die Aktie werde wieder günstiger, und der Kurs könnte auf ein verlockendes Einstiegsniveau sinken.