Die Turbulenzen zum Jahresstart haben einen glänzenden Gewinner: Gold. Der Preis für eine Feinunze kletterte in den letzten Tagen bis auf einen Höchstwert von über 1240 Dollar, mittlerweile kosten 31,1 Gramm noch rund 1225 Dollar. Seit Jahresbeginn hat das Edelmetall damit zweistellig dazugewonnen – während die Aktienmärkte weltweit abgeschmiert sind.

Ende 2015 hätte kaum ein Marktbeobachter auf eine derartige Entwicklung gewettet – ganz im Gegenteil: ein weiterer Kursrutsch war im Gespräch. UBS-Chefökonom Daniel Kalt rechnete damit, dass der Preis Anfang Jahr unter die 1000-Dollar-Marke fallen könnte. Mittlerweile erwarten UBS-Vertreter dagegen einen Goldpreis von 1380 Dollar je Unze, wie das  deutsche «Handelsblatt» berichtet. Bis zum Sommer soll das Edelmetall nochmals 15 Prozent dazugewinnen.

Vontobel baut Goldanteil aus

Ein grosser Vermögensverwalter hat darauf reagiert: Vontobel fährt den Goldanteil in den Depots hoch. Seit Anfang des Jahres haben die Fondsmanager die Quote in zwei Schritten auf 7,5 Prozent verdreifacht, wie eine Vontobel-Sprecherin bestätigt. Die Bank begründet den Entscheid mit tiefen Inflationszahlen und dem Risiko einer Wachstumsabschwächung. In der Kombination würden die beiden Faktoren dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Lockerungen «erheblich» gestiegen sei. «So hat beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich signalisiert, dass sie darauf vorbereitet sei, schon im März zu handeln. Die US-Notenbank wiederum dürfte die Zinsen nur sehr behutsam anheben.

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Ausserdem dürfte die Volatilität an den Märkten die Nachfrage nach Gold wieder ankurbeln – ganz nach dem Motto des Schweiz-Chefs von Degussa: «Gold ist der sichere Hafen – seit 2001 vor Christus». Nicht zuletzt eignet sich das Edelmetall als Diversifikation, ergänzt Vontobel. Zuletzt floss viel Geld in die Aktienmärkte, Gold bietet einen gewissen Schutz gegen den Zerfall dieser Werte, entsprechend fliesst auch wieder Geld zurück.

Mineure zünden den Turbo

Das Wideraufleben des Goldpreises treibt auch die Kurse der Goldminenaktien. Der Sektor ist in den letzten Wochen explodiert und verzeichnet ein Kursplus von über 60 Prozent, wie der «Neuen Zürcher Zeitung» aufgefallen ist.

Damit ist die Erholungsrally bei den Mineuren noch stärker ausgefallen als beim Edelmetall selbst. Das liegt daran, dass die meisten Gesellschaften auf dem derzeitigen Niveau zwar keine grossen Margen erzielen, aber wenigstens nicht mehr defizitär wirtschaften. Vor wenigen Wochen hatte dies noch anders ausgesehen. Viele Firmen befanden sich in einem Überlebenskampf oder mussten damit rechnen, bald in einen solchen zu geraten, wie die «NZZ» schreibt.

Begrabene Expansionspläne

Innerhalb des Segments hätten vor allem jene Titel deutlich zugelegt, die sich besonders viel Fremdkapital aufgebürdet hätten, wird Peter Frech vom Fondsanbieter Quantex zitiert.

Vorab handele es sich dabei um grosse Produzenten wie Barrick Gold, Newmont Mining, Goldcorp oder Kinross Gold. Sie hatten vor wenigen Jahren angesichts eines Goldpreises von über 1900 Dollar milliardenschwere Expansionspläne verfolgt. Zahlreiche damals initiierte Projekte mussten angesichts der gesunkenen Goldnotierung inzwischen aber abgeschrieben werden.

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