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Börseninterview
«Kein einfaches Jahr für die Exportindustrie»

Employees work on a machine at the Mikron Machining production site of the Mikron Group in Agno, Canton of Ticino, Switzerland, on January 24, 2019. The engineering company Mikron Group develops, produces and markets automation solutions as Mikron Automation in Boudry, Canton of Neuchatel, as well as machining systems as Mikron Machining and cutting tools, as Mikron Tool, in Agno, besides various production sites abroad. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Produktion beim Schweizer Hersteller Mikron: Das Exportjahr 2019 dürfte sich für Schweizer Exporteure verhalten entwickeln.

Quelle: © KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Börsenexperte Thomas Eckert sagt, was Exporteure 2019 erwarten dürfte. Und erklärt, wieso die US-Bank JP Morgan eine Kryptowährung lanciert.

Von Marc Bürgi
am 22.02.2019

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Thomas Eckert*: Die Börsen haben einen fulminanten Start ins Jahr 2019 hingelegt. Der S&P500 beispielsweise ist über die 200-Tage-Linie gestiegen, was auf eine Hausse und positive Kaufbereitschaft in den USA hinweist. Bei einer Inflation, die sich nahe dem FED-Zielband von 2 Prozent bewegt, erwarten wir im laufenden Jahr höchstens einen Zinsschritt. Gepaart mit einer rekordtiefen Arbeitslosigkeit und moderatem Wachstum verspricht dies Positives für den amerikanischen Aktienmarkt.

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Im Gegensatz dazu ist das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone gemäss Ifo-Institut zum ersten Mal seit fünf Jahren unter die Null-Linie gesunken. Als Gründe werden das Brexit-Chaos, Proteste der Gelbwesten in Frankreich, der Handelsstreit mit den USA, die Verlangsamung des Wachstums in China sowie die teils sehr hohe Staatsverschuldung einiger europäischer Länder aufgeführt. Folglich ist für die nächsten sechs Monate eher von einem Abschwung der Wirtschaft im Euroraum auszugehen.

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*Thomas Eckert ist Business Development Director Schweiz bei der Fondsgesellschaft Legg Mason. In dieser Funktion pflegt und entwickelt er die Geschäftsbeziehungen zu Banken, Versicherungen und Family Offices. Eckert verfügt über langjährige Branchenerfahrung und war in unterschiedlichen Funktionen und Positionen für namhafte Banken im In- und Ausland tätig. An der Universität Bonn erwarb er einen Bachelor of Science und an der Fachhochschule Nordwestschweiz einen Master of Advanced Studies in Banking and Finance.

Quelle: ZVG

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Der SMI ist seit Jahresbeginn bereits um über 10 Prozent gestiegen. Das wäre an sich ein sehr positives Signal für die Wachstumsaussichten der Schweizer Unternehmen. Bei den derzeitigen Herausforderungen in der Eurozone gehen wir jedoch davon aus, dass sich dies auch auf die hiesige Wirtschaft niederschlägt. In diesem Kontext wären wir kurzfristig eher vorsichtiger.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Wir gehen davon aus, dass das Jahr 2019 aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten von Schwankungen geprägt sein wird. Da ist einerseits das positive Wachstum in den USA und andererseits das schwächelnde Europa, die beide grossen Einfluss auf die Kursentwicklung in der Schweiz haben. Wir gehen indes davon aus, dass der SMI in zwölf Monaten leicht höher notieren wird als heute.

J.P. Morgan Chase hat als erste US-Grossbank eine Cyberwährung lanciert. Ist dies ein Zeichen, dass Kryptowährungen vor dem Durchbruch stehen?
Der Einsatz der JPM Coin soll über die nächsten Monate bei internationalen Zahlungen zwischen eigenen institutionellen Kunden getestet werden und diesen Prozess stark vereinfachen und beschleunigen. Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen, wie Bitcoin oder Ethereum, wird die JPM Coin lediglich innerhalb von JPMorgan eingesetzt, ist also nicht für jedermann verfügbar. Aus unserer aktuellen Legg Mason Global Investment Survey geht indes hervor, dass die Mehrheit der Schweizer Anleger nicht in Kryptowährungen investiert ist (61 Prozent) und diejenigen, die es sind, im Durchschnitt nur mit 7,5 Prozent ihres Portfolios.

US-Präsident Donald Trump könnte Strafzölle auf europäische Autoimporte einführen. Für wie wahrscheinlich halten Sie solche Zölle, und was würden sie für die Schweizer Automobilzulieferer bedeuten?
Die Argumentation des US Handelsministeriums, dass importierte europäische Autos eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellten (in den USA gebaute europäische Autos scheinbar nicht), ist wirklich schwer nachzuvollziehen. Europäische Hersteller bauen zudem bereits einen grossen Teil der für die USA bestimmten Autos vor Ort. Das grösste Werk von BMW steht beispielsweise in South Carolina und nicht in Bayern. Sollten Strafzölle auch gegen den Widerstand aus den republikanischen Reihen eingeführt werden, würden sich in Europa gebaute Autos für amerikanische Kunden deutlich verteuern. Dies würde den Absatz senken, was sich wiederum negativ Folgen für die Schweizer Automobilzulieferer hätte.

Die Schweizer Exportindustrie ist mit Schwung in das Jahr gestartet. Steht trotz Brexit und Handelsstreit ein starkes Schweizer Exportjahr bevor?
Dies wird unserer Meinung nach kein einfaches Jahr für die Schweizer Exportindustrie. Der Schweizer Franken ist immer noch relativ teuer und in der EU, dem wichtigsten Handelspartner, trübt sich das Wirtschaftsklima ein. Die Schweizer Unternehmen haben jedoch bereits in der Vergangenheit regelmässig gezeigt, dass sie auf wachsende Herausforderungen mit neuen Innovationen reagieren. Sie sollten deshalb auch in Zukunft konkurrenzfähig sein.

Diese Woche brachte Tesla das Model 3 in der Schweiz auf den Markt. Wird es dem US-Elektroautohersteller mit dem Fahrzeug gelingen, seine hochgesteckten Ziele zu erreichen?
Wir gehen davon aus, dass das günstigere Modell 3 die Verkaufszahlen von Tesla weiter erhöht. Für das Jahr 2020 haben jedoch nahezu alle etablierten Hersteller voll-elektrifizierte Modelle in Aussicht gestellt und dann wird sich zeigen, ob Tesla seinen Marktanteil weiter ausbauen kann. Für Anleger könnte sich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Halbleiter-Hersteller lohnen. Der geschätzte Halbleiteranteil im Tesla-Modell 3 liegt bei über 1500 Dollar, verglichen mit den rund 400 Dollar in einem durchschnittlichen Verbrennungsmotor. Die wichtigsten Lieferanten von Antriebsstrang-Halbleitern in Europa sind STMicroelectronics und Infineon.

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