Schock für Börsianer. Das Ende der Geldschwemme in den USA könnte bald zu Ende sein. Kürzlich kündigte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke nämlich an, das hohe Tempo bei Anleihenkäufen durch die amerikanische Zentralbank Fed könne gegen Ende des Jahres verringert werden.

Um für ausreichend Liquidität am Markt zu sorgen, kauft die Zentralbank in USA derzeit noch Anleihen für 85 Milliarden Dollar im Monat. Ein Abbremsen der expansiven Geldpolitik könnte schlecht sein für Firmen, denn dann steigen tendenziell die Zinsen. Unternehmen müssen mehr Geld für Kredite bezahlen und können ihr Wachstum nicht mehr so einfach finanzieren. Das ist letztendlich auch eine Bremse für die Konjunktur.

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Ermutigender Blick zurück

Nach Bekanntgabe der Bernanke-Pläne rutschten daher die Aktienkurse weltweit in den Keller. Der SMI verlor an zwei Tagen 4,0 Prozent, im deutschen Dax gab es ein Minus von 5,0 Prozent, und in USA bescherte der Dow Jones 3,3 Prozent Verlust. 3 bis 5 Prozent Einbussen in nur zwei Tagen bei Blue Chips sind enorm viel. Aktionäre sind verunsichert und fragen sich: Wenn die Zinsen bald tatsächlich steigen werden – sollen wir unsere Aktien da nicht lieber schon jetzt verkaufen?

Wie war es in der Vergangenheit bei steigenden Leitzinsen? Folgte danach wirklich ein Crash an der Börse oder eine jahrelange Talfahrt? Ein Blick zurück in die letzten 50 Jahre bringt ein überraschendes Ergebnis: Zinserhöhungen der Notenbank waren meist gut für Aktien. Seit 1962 erhöhte die US-Zentralbank Fed in zehn Phasen über ein oder mehrere Jahre die Zinsen um mehr als 200 Basispunkte, also um mehr als 2 Prozent.

Und die Dividenden kommen noch hinzu

Die Bilanz dieser Zinsrunden ist eindeutig: In sieben der zehn Erhöhungsphasen brachte der Dow Jones während der Zinssteigerungen zum Teil deutliche Gewinne. 2004 bis 2006 etwa stieg der Leitzins von 1,0 auf 5,25 Prozent und blieb 2007 konstant – der Dow Jones schaffte in diesem Zeitraum ein Plus von 40 Prozent.

1994 und 1995 drehte die US-Notenbank ähnlich stark an der Zinsschraube und erhöhte den Leitzins von 3 auf 6 Prozent. Folge im Dow Jones: Der Index stieg in weniger als zwei Jahren um 20 Prozent. 1988 und 1989 brachte der Leitindex in der damaligen Zinserhöhungsrunde in nur 18 Monaten sogar ein Plus von 25 Prozent. Auch 1983/1984 waren 15 Prozent Gewinn in nicht einmal zwei Jahren drin. Und dabei kommen da noch jeweils Dividenden obendrauf.

Erholungschance bei Gold

Schwarze Zahlen resultierten auch in den Zinsphasen 1980/1981 und 1979/1980. Und im Zinsaufschwung von 1962 bis 1967 waren mit Aktien im 8 Prozent im Jahr – zu verdienen. Während der Dow Jones im Zinsanstieg 1972 bis 1974 und 1968/1979 inklusive Dividenden in etwa auf der Stelle trat, brachte nur die Leitzinsrunde 1977/78 nennenswerte Verluste an der Börse. Um 15 Prozent rutschte der Dow Jones damals in zwei Jahren ab. 

Nun hat aktuell nicht nur der Dow Jones als Folge von Bernankes Ausblick an Boden verloren – auch der Goldpreis rutschte weg. Wie war das aber in den Zinserhöhungsphasen seit 1962? Brachten sie Verlust bei Gold? Gleich vorweg: Mit Gold lagen zum Teil hohe Gewinne drin. In sechs der zehn Jahre kletterte der Goldpreis nämlich während der Zinserhöhungsphasen zum Teil um 100, ja auch 200 Prozent. Dreimal gab es Stagnation und nur ein einziges Mal Verlust.

Das Fazit lautet also: Aktien müssen nicht fallen, wenn die Zinsen steigen, und bei Gold sind sogar hohe Gewinne möglich. Anleger sollten sich also bei Beginn einer Zinsrunde auf die Lauer legen.

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