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Kein Platz mehr für die Langsamen

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Seit der Finanzkrise ist es mit Gemütlichkeit endgültig vorbei: Alle Institute wollen expandieren, und die Grossbanken holen mit Macht verlorenes Terrain zurück. Gleichzeitig wird Bern von den Vermög

Von Samuel Gerber
am 21.07.2010

Hier heissen sie Brunner, Tanner, Siegenthaler, Liniger. Und wenn man sich etwas herumhört: Kaum Hochdeutsch, und Englisch schon gar nicht, wie man sich das von anderen Bankenplätzen her gewohnt ist. Stattdessen breitestes Idiom, so wie bei Stephan Frieden, seines Zeichens Präsident des Verbands Bernischer Banken und Geschäftsleitungsmitglied» der Valiant. «Nume nid dryschiesse wie-n-e Muni i Chrishuufe», sagt Frieden zur Art und Weise, wie hier Geschäfte gemacht werden.

Und bestätigt damit all jene, die auch dem Bankenplatz schnell das gängige Klischee überstülpen möchten: Berner Behäbigkeit und Gemütlichkeit im kleinen Kreis, wo man sich auch unter Konkurrenten am «Fyrabe» noch zu einem «Ballönli» in der Altstadt trifft.

Zugegeben, diese Sichtweise hat etwas für sich. So zeichnet sich der Markt für Bankdienstleistungen in Stadt und Kanton Bern kaum durch hohes Tempo und Volatilität aus. «Das Wachstumspoenzial ist moderat», sagt Frieden. Selbst Martin Schenk, der in Bern für die in St. Gallen gegründete Privatbank Wegelin & Co. innert acht Jahren ein Team von 22 Mitarbeitern aufgebaut hat, sagt: «Es ensteht hier kein neues Kapital. Die Entwicklung ist sehr stabil.»

Die Neuen haben es schwer

Tatsächlich fehlt es an internationalen Verkehrshubs mit hochkarätigem Jetset wie in Zürich oder Genf. Die Konzerne Swatch und Meyer Burger sind die Ausnahmen, die in der kantonalen KMU-Landschaft die Regel bestätigen. Und selbst der Immobilienmarkt hat die schweizweite Preishausse der letzten Jahre dermassen verpasst, dass ihm jetzt wenigstens Aufholpotenzial zugesprochen wird.Entsprechend schwer haben es Banken, die hier neu dazustossen wollen. Um die Jahrtausendwende haben es einige versucht und mussten bald darauf aufgeben - so Julius Bär, die aber dank der Übernahme der Privatbank Ehinger & Armand von Ernst von der UBS dann doch noch in der Stadt Bern Fuss fassen konnte. «Wer hier in grossem Stil anfängt, hat aufgrund der Marktgegebenheiten schnell ein Kostenproblem», sagt Schenk von Wegelin & Co. Die Folge ist, dass am Platz die alteingesessenen Institute dominieren. Die Betonung könnte man dabei ruhig auf «alt» legen: Die Berner Kantonalbank BEKB nahm als erste Kantonalbank der Eidgenossenschaft 1834 den Betrieb auf, und die Deposito Cassa DC Bank ist mit Gründungsdatum 1825 noch älter. Als Garantin der DC Bank steht im Übrigen eine Organisation, deren Wurzeln gar ins Mittelalter zurückreichen - die Burgergemeinde Bern.

Dass die Berner Kundschaft keiner Bank unter 200 Jahren traut, das möchte Ueli Winzenried, Präsident der DC Bank, dann schon nicht so verstanden wissen. Er sagt aber auch: «Die lokale Verankerung ist neben einer hohen Verlässlichkeit und Professionalität im Kundenkontakt sehr wichtig.» Nicht von ungefähr geht deshalb bei Schweizer Bankern das Sprichwort um, dass Berner sein müsse, wer in Bern überhaupt Erfolg haben wolle.

Klischee bestätigt, also? Mitnichten. Denn wer genau hinsieht, stösst auf einen Bankenplatz, an dem es mit der Gemütlichkeit schon länger vorbei ist. Begonnen hatte alles mit der hauseigenen Berner «Subprime-Krise», dem Immobiliencrash Mitte der 1990-er Jahre. Die im Kanton Bern so stark wie kaum sonst in der Schweiz ausgeprägte Regionalbankenlandschaft wurde damals umgepflügt. An die 50 in Schieflage geratene Institute übernahm allein die heutige UBS; die entstandene Lücke ebenso zu nutzen wussten die Raiffeisen-Banken, die praktisch aus dem Nichts zur starken Kraft auf dem Land heranwuchsen.

Das Resultat ist ein hart umkämpfter Markt ohne wirkliche Schwergewichte - selbst die ehrwürdige BEKB bringt es auf nicht mehr als 25% Anteil in ihrem eigenen Stammgebiet (siehe «Nachgefragt»).

«Kampf um Kunden findet statt»

Für noch mehr Spannung unter den Konkurrenten sorgte dann eine weitere Immobilienkrise, diesmal jene in den USA. Diese sorgte in der Schweiz und auch im Bernbiet dafür, dass die Grossbanken, besonders natürlich die UBS, an Boden verloren. So berichtet Reto Heiz, Regionaldirektor UBS Bern, von Kundenverlusten von 5 bis 10%. Seit Frühjahr 2010 seien jedoch die Abflüsse gestoppt und alle Geschäftssegmente wieder im grünen Bereich, sagt Heiz.

Doch in der Zwischenzeit profitierten BEKB, Valiant und Raiffeisen sowie kleinere Anbieter wie DC Bank stark von der Absetzbewegung. Der Trend hin zur Region ist seither auch nicht abgeflaut: Denn die Schweizer Banken «entdecken» nach den Problemen im Ausland den Heimmarkt neu. Letztes Beispiel ist die Zürcher Vontobel, die via Übernahme eines Teams der AAM Privatbank (heute BKB Private Banking) nun ebenfalls in Bern ihre Dienste anbietet. «Der Kampf um den Kunden findet statt», sagt Verbandspräsident Frieden.

Und der Kampf lohnt sich. Im Abschwung ist der Schweizer Binnenmarkt bemerkenswert stabil geblieben, und jetzt brauchen auch die vielen Berner KMU Kredite, um wieder zu investieren. Investieren wollen auch deren Firmenkader, nicht zuletzt ins eigene Heim: Sowohl bei den Wohnimmobilien wie auch bei der Infrastruktur besteht am Platz grosser Nachholbedarf.

Alle seine Kollegen werden darum Deposito-Cassa-Präsident Ueli Winzenried beipflichten, wenn dieser sagt: «Das ist ein sehr attraktiver Bankenplatz.»


NACHGEFRAGT

Jean-Claude nobili, Leiter der Geschäftsleitung BEKB

«Bern wird nie wie Zürich und Genf sein»

Bern werde die grossen Vermögensverwaltungsstandorte nicht einholen können, sagt Jean- Claude Nobili, Chef der Berner Kantonalbank BEKB. Trotzdem gebe es auch hier Bewegung: Der Wettbewerb habe klar zugenommen, sagt Nobili.

Bei Schweizer Bankern gilt der Berner Markt als schwer zu knacken: Wer in Bern Erfolg haben wolle, müsse Berner sein, heisst es. Ist da was dran?

Jean-Claude Nobili: Natürlich hilft es, wenn man hier aufgewachsen ist, die Ausbildung gemacht und auch seinen Lebensmittelpunkt hier gewählt hat. Denn dann bestehen die wichtigen Netzwerke schon. Aber es gilt hier wie überall: Erfolg hat, wer professionell arbeitet und nahe beim Kunden ist.

Trotzdem hat der Berner Bankenplatz seinen eigenen Charakter?

Nobili: Der hiesige Markt ist ein schönes Abbild des Bankenplatzes Schweiz: Alle wichtigen Mitspieler sind hier vertreten, und das Kräfteverhältnis ist sehr ausgewogen. Anderseits wird Bern nie ein grosser Vermögensverwaltungsplatz sein wie Genf oder Zürich. Und es ist ein reifer Markt, der eine solide Grundlage hat.

Das klingt langweilig. Bewegt sich in Bern denn gar nichts?

Nobili: Der Wettbewerb hat klar zugenommen. Das hilft auch dem Kunden: Wer Erfolg haben will, muss sich Zeit nehmen für die Kundschaft und nahe bei den vielen KMU sein. Das ist auch unser Anspruch für die Zukunft. Wir müssen in unserem eigenen Heimmarkt gut sein.

Für die BEKB gibt es also keine Expansion über die Kantonsgrenzen hinaus?

Nobili: Wir sind in Solothurn präsent, weil dort keine Kantonalbank mehr tätig war. Und übers E-Banking sind wir etwa mittrade-net.ch auch schweizweit unterwegs, ebenso durch unsere Kooperation mit der Mobiliar für Familien. Mit rund 25% haben wir weniger Marktanteil auf dem Kerngebiet als andere Kantonalbanken.

Den wollen Sie noch steigern?

Nobili: Wir zählen über 500 000 Kunden, damit ist jeder zweite Einwohner in diesem Kanton noch nicht Kunde der BEKB. Als Bank können wir damit noch zusätzliche Marktanteile gewinnen. Das Potenzial ist gross.

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Bei Schweizer Bankern gilt der Berner Markt gemeinhin als schwer zu knacken. Wer in Bern Erfolg haben wolle, müsse Berner sein, heisst es.

Jean-Claude Nobili: Natürlich hilft es, wenn man hier aufgewachsen ist, die Ausbildung gemacht und auch seinen Lebensmittelpunkt hier gewählt hat. Denn dann bestehen die wichtigen Netzwerke schon. Aber es gilt hier wie überall: Erfolg hat, wer professionell arbeitet und nahe beim Kunden ist.

Trotzdem hat der Berner Bankenplatz seinen eigenen Charakter?

Nobili: Der hiesige Markt ist ein schönes Abbild des Bankenplatzes Schweiz: Alle wichtigen Mitspieler sind hier vertreten, und das Kräfteverhältnis ist sehr ausgewogen. Anderseits wird Bern nie ein grosser Vermögensverwaltungsplatz sein wie Genf oder Zürich. Und es ist ein reifer Markt, der eine solide Grundlage hat.

Das klingt ein wenig langweilig. Bewegt sich in Bern denn gar nichts?

Nobili: Der Wettbewerb hat klar zugenommen. Das hilft auch dem Kunden: Wer Erfolg haben will, muss sich Zeit nehmen für die Kundschaft und nahe bei den vielen KMU sein. Das ist auch unser Anspruch für die Zukunft: Wir müssen in unserem eigenen Heimmarkt gut sein.

Für die BEKB gibt es also keine Expansion über die Kantonsgrenzen hinaus?

Nobili: Wir sind in Solothurn präsent, weil dort keine Kantonalbank mehr tätig war. Und übers E-Banking sind wir etwa mit trade-net.ch auch schweizweit unterwegs, ebenso durch unsere Kooperation mit der Mobiliar für Familien. Mit rund 25% haben wir weniger Marktanteil auf dem Kerngebiet als andere Kantonalbanken.

Den wollen Sie noch steigern?

Nobili: Wir zählen über 500 000 Kunden, damit ist jede zweite Einwohnerin und jeder zweite Einwohner in diesem grossen Kanton noch nicht Kundin oder Kunde der BEKB. Als Bank können wir damit noch zusätzliche Marktanteile gewinnen. Das Potenzial ist gross.

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