FEINCHEMIE. Bei den Aktien der beiden Spezialchemieunternehmen Ciba und Clariant hat in der vergangenen Woche eine leichte Erholung eingesetzt. Während Letztere knapp 2% zulegen konnte, verbesserte sich der Kurs von Ciba innert Wochenfrist immerhin um fast 10%. Dies, nachdem die beiden Titel Ende November historische Tiefststände erreichten und 2007 mit Verlusten um 40% zu den am ärgsten gebeutelten Papieren am Schweizer Markt gehören. Bei Kursen um 45.30 Fr. für Ciba respektive 9.50 Fr. für Clariant haben die Titel einen Boden gefunden. Angesichts der leichten Besserung in den vergangenen Tagen stellt sich die Frage, ob der Aufwärtstrend von Dauer ist.

Ciba ist aussichtsreicher

Wenn überhaupt, dann scheinen die Aussichten bei der Basler Ciba SC verheissungsvoller als bei der Konkurrentin Clariant. Ciba kämpft mit steigenden Rohstoffpreisen und ringt in der Sparte Wasser- und Papierchemie mit Schwierigkeiten und einer Marge von nur knapp 3%. Trotzdem konnte das Unternehmen im aktuellen Geschäftsjahr leichte Verbesserungen erzielen, wenngleich der Betriebsgewinn vor Sonderbelastungen im 3. Quartal 2007 gegenüber Vorjahr um 2,6% auf 150 Mio Fr. gesunken ist. «Bei Ciba stellt sich die Frage, ob das Unternehmen weiterhin Kosten einsparen kann, um die Profitabilität zu erhöhen», sagt Rahul Sen Gupta, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim. Fundamental fehlen für ihn momentan die Anreize, um in die Papiere zu investieren. «Für spekulative Anleger könnte ein Investment in Ciba interessant werden», so Sen Gupta.Für Helvea-Analyst Martin Flückiger müsste bei Ciba erst ein tiefgreifender Einschnitt erfolgen und die Problemsparte mit Papierchemikalien abgestossen werden, damit das Unternehmen nochmals durchstarten könnte. «Dies hätte aber Abschreibungen in Milliardenhöhe zur Folge», ist er überzeugt.

Clariant muss Portfolio sichten

Sowohl bei Ciba als auch bei Clariant sieht Flückiger keine rosige Zukunft, was stark mit dem hohen Erdölpreis zusammenhängt. «Wenn der Rohölpreis auf dem heutigen Niveau bleibt, dürfte es auch im nächsten Jahr schwierig werden für die beiden Unternehmen», hat der Helvea-Analyst berechnet.Immerhin hat nun auch Clariant Preiserhöhungen angekündigt, die sich aber nur schrittweise am Markt durchsetzen lassen werden. Sal.-Oppenheim-Analyst Sen Gupta begrüsst den Schritt, wenngleich dadurch Umsatz wegfallen könnte. «Unprofitablen Umsatz zu verlieren, sollte sich positiv auf die Gewinne auswirken. 80% des Gewinns erzielt Clariant in gewissen Bereichen mit nur 20% der Umsätze», erklärt er. Wichtiger als die Preiserhöhungen scheint bei Clariant aber die Bereinigung des Portfolios, damit das Unternehmen aus der Sackgasse findet, in die es sich mit verfehlten Akquisitionen hineinmanövriert hat. «Die Firma ist in zu vielen Geschäftsbereichen tätig, die über unterschiedliche Zyklen verfügen», so Sen Gupta. Tatsächlich stehen bei Clariant einzelne Bereiche zur Diskussion.Spekulationen über ein Zusammengehen der beiden Konkurrenten hält Flückiger dagegen für wenig sinnvoll. «Zwischen den Firmen bestehen kaum Synergien, die einen solchen Schritt rechtfertigen würden», erklärt der Helvea-Analyst.Sowohl Ciba als auch Clariant werden von den Analysten mehrheitlich auf «neutral» eingestuft.

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