Die Schweizerische Nationalbank (SNB) machte vor kurzem deutlich, dass sie die expansive Geldpolitik mitsamt der unorthodoxen Massnahmen vorerst fortführen werde.

Um die von der Krise gebeutelte Schweizer Exportindustrie nicht noch stärker unter Druck zu setzen, hielt die SNB etwa den Euro-Franken-Kurs über der wichtigen Grenze von 1.50. Noch vor der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung durch die SNB war der Wechselkurs bis auf 1.52 geklettert, verlor danach jedoch leicht an Boden.

Die ZKB-Analysten erwarten, dass der Markt kurzfristig einen Euro-Franken-Kurs von 1.51 ins Visier nehmen könnte. So könnten Händler testen, wie ernst es die Währungshüter der SNB wirklich mit der Grenze von 1.50 meinen. Sollte sich die Wirtschaft weiterhin positiv entwickeln, könnte die 1.50-Grenze längerfristig ohnehin fallen.

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Swatch und Rieter unter Druck

«In den nächsten zwei Jahren könnte sich der Euro-Franken-Kurs in Richtung 1.45 oder sogar 1.40 bewegen», so David Kohl, Ökonom bei der Bank Julius Bär. Die Korrektur sei aber aufgrund der tieferen Inflationserwartungen vertretbar. Die Exportindustrie sollte sich deshalb darauf einstellen können. Erwartungsgemäss dürften stark auf den Euro-Raum fokussierte Unternehmen, wie Rieter, Geberit oder Schulthess, eher unter ungünstigeren Währungskursen leiden.

Ähnliches gilt für Unternehmen, welche besonders stark auf den Dollar-Raum fokussiert sind, wie etwa die Luxusgüterkonzerne Richemont und Swatch. Bei Julius Bär empfehlen die Anleger derzeit ohnehin, abzuwarten. Die Schweiz werde als defensiver Markt angesehen und sei daher im eher optimistischen Umfeld weniger gesucht - ganz unabhängig von der Wechselkursentwicklung. «Wir empfehlen momentan, auf eine Kurskorrektur zu warten und bei faireren Bewertungen wieder in die Aktienmärkte einzusteigen», sagt Kohl.

Anleger sollten zuwarten

In diesen Tagen entscheidet die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) über die zukünftige Ausrichtung ihrer Geldpolitik. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass sie die Währungszügel vorerst nicht straffen werden, auch wenn sich langsam eine Besserung der Wirtschaftslage abzeichnet. Das könnte auch dem Dollar etwas Schwung geben. Noch letzten März stand der Franken-Dollar-Kurs bei 1.20. Derzeit notiert er bei 1.03 und damit auf einem Jahrestiefst. Doch wurden zuletzt Stimmen laut, die den Dollar noch auf diesem Niveau für überbewertet halten.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Währung fehle die Zinsunterstützung durch die Fed, der US-Haushalt sei mit einem grossen Defizit belastet und die US-Leistungsbilanz sorge nach wie vor für einen grossen Finanzierungsbedarf. Zudem würden US-Anleger ihre Mittel immer differenzierter anlegen und die US-Märkte daher mit Kapitalabflüssen zurecht kommen müssen, weil Investoren ihr Vermögen in ausländische Aktien umschichten. Dieser Effekt könnte jedoch abflauen. «Wir gehen davon aus, dass das Kapital, das US-Investoren aus den USA abgezogen haben, wieder zurückkehren wird», so Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin.

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Auf schwachen Dollar setzen

Das dürfte dem Dollar Auftrieb geben. «Wir erwarten eine Erholung des Dollar gegenüber dem Euro», so Kubli. Die Konjunktur in den USA werde sich früher und stärker erholen als im Euro-Raum; dies werde auch dem Dollar zugute kommen. Es sei untypisch für die Währung gewesen, dass sie sich trotz verbesserten konjunkturellen Vorzeichen abgeschwächt habe. «Der Dollar wird weiterhin eine Leitwährung bleiben, weil es zu ihm keine Alternativen gibt», sagt Kubli. «Gegen Jahresende sehen wir den Euro-Dollar-Kurs bei 1.35 und den Franken-Dollar-Kurs bei 1,15.» Bei der Bank Sarasin erwartet man daher, dass es sich lohnen könnte, in Dollar-Anlagen zu investieren und wieder stärker in verschiedene Währungen zu diversifizieren. Auch die Experten der Credit Suisse empfehlen derzeit Aktien, die einen Grossteil ihrer Umsätze und Gewinne ausserhalb der USA erwirtschaften. Die Titel könnten von der Dollar-Schwäche und vom soliden Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Ihre Wahl fällt dabei auf Werte wie Coca-Cola, Dell und Honeywell.

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