Die australische Schönheit Elle Macpherson kriegt ihr Geld zurück. Das Supermodel gewann kürzlich einen Prozess gegen die einst grösste isländische Bank, Kaupthing. Nun darf sie ihr Guthaben gegen eine Hypothek auf ihr Haus in London verrechnen. Nicht alle haben so viel Glück wie Macpherson. Tausende ausländischer Anleger, darunter 1475 Schweizer, konnten vor der Finanzkrise den hohen isländischen Zinsen nicht widerstehen (siehe Kasten). Jetzt werden sie für ihre Gier bestraft. Seit die Kaupthing Bank im Oktober 2008 zusammenbrach, warten sie auf die Auszahlung ihrer Guthaben. Denn Island bietet neben Geysiren noch eine andere Exklusivität: Hier gehen Grossbanken pleite.

Mitten in der grössten Krise des Euro gelten die einst belächelten Isländer plötzlich als Vorbild. Was ist der Unterschied zwischen Island und Irland? Ein Buchstabe und sechs Monate, lautete der Witz, der nach dem Untergang der isländischen Banken in der Finanzwelt kursierte. Aber jetzt zeigt sich: Die Unterschiede zwischen den beiden Inselstaaten könnten kaum grösser sein. Island bürdete den ausländischen Gläubigern einen Teil der Bankverluste auf. Die irische Regierung sprach hingegen eine umfassende Staatsgarantie für die Bankschulden aus.

Die Zahlungsverweigerung hilft

Die Radikalkur wirkt. Während Island im 3. Quartal zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder ein Wirtschaftswachstum ausweist, muss die irische Regierung auf Druck der Euro-Gruppe ein drastisches Sparpaket verkünden. Das Land versinkt in einer tiefen Rezession. Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman applaudiert: Island habe unkonventionell reagiert, Bankverbindlichkeiten umgeschuldet, Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die Währung abgewertet - und komme deshalb besser durch die Krise.

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Island verstaatlichte im Oktober 2008 die drei Grossbanken, nachdem diese mit ihren Wachstumsstrategien gescheitert waren. In diesem Jahr übernahmen die ausländischen Hauptgläubiger bei zwei Banken die Aktienmehrheit. Diese tragen damit einen Teil der Verluste - nicht wie in Irland allein die Steuerzahler.

Die Rückzahlung von britischen und niederländischen Krediten über 3,5 Milliarden Euro der Icesave-Bank ist dagegen noch ungelöst. Im März hatten sich die Isländer in einer Abstimmung mit einer 93-Prozent-Mehrheit geweigert, die Schulden der Tochter der in Staatsbesitz verbliebenen Landsbanki zu übernehmen. Der Widerstand zahlt sich aus: Die Steuerzahler müssen gemäss neuem Abkommen nur noch mit rund 330 Millionen Euro statt mit über 1 Milliarde Euro bluten. Der Zinssatz beträgt 3,2 statt 5,5 Prozent, die Rückzahlungsfrist wird bis 2046 verlängert.

Die Beteiligung der ausländischen Gläubiger an der Bankensanierung verschaffte Island Luft. Die Schuldenlast wurde reduziert. Das Haushaltsdefizit, das auf über 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) hochgeschnellt war, beläuft sich noch auf 6 Prozent und wird gemäss Prognosen 2012 verschwunden sein.

Urs Birchler, Bankenprofessor an der Universität Zürich, sieht sich bestätigt. «Island: Bitte nichts zahlen!» hatte er im Februar im Schweizer Wirtschaftsblog «Batz» empfohlen. Zwar schaffte es Island bislang noch nicht über den Berg, viele der 320 000 Einwohner kämpfen mit hohen Schulden und Arbeitslosigkeit. Aber wenigstens sind die Aussichten wieder besser.

Bei den Iren sieht es hingegen düster aus. Das 85-Milliarden-Euro-Rettungspaket der Eurogruppe hilft den Banken, aber nicht dem Land: Bei schrumpfendem Volkseinkommen und gleichbleibenden Schulden steigt die Belastung sogar. Das Haushaltsdefizit steigt 2010 auf über 30 Prozent. Die Arbeitslosigkeit beträgt 14 Prozent - Tendenz steigend. Anders als Island, dessen Exportwirtschaft und Tourismus von der Abwertung der Krone profitierte, bleibt Irland im Euro gefangen.

Das Problem der staatlichen Garantien

Pro Kopf seiner Bevölkerung steht die Grüne Insel gegenüber dem Ausland mit rund einer halben Million Dollar in der Kreide - anderthalb Mal so viel wie Island, haben Urs Birchler und Inke Nyborg von der Universität Zürich berechnet. «Irland bleibt in der finanziellen Todeszone, auch wenn man dem Land die halben Schulden schenkt», sagt Birchler.

Das irische Beispiel zeige, wohin Staatsgarantien führen. «Unlimitierte staatliche Garantien für Banken müssten verboten sein», folgert er - auch mit Blick auf die Schweiz. Denn wie die beiden Inselstaaten wäre unser Land von einem Kollaps einer Grossbank überfordert. Die Bilanzsummen von Credit Suisse und UBS sind etwa fünf Mal so gross wie das schweizerische Bruttoinlandprodukt. Nur Luxemburg hat ein vergleichbares Klumpenrisiko - und bis vor Kurzem Island und Irland.