Nach einem Einbruch um 42% in der vergangenen Woche konnten sich die Swiss-Re-Aktionäre zum Wochenauftakt über eine Erholung freuen. Dennoch ist der Titel in der Erwartung der Analysten auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 4 für 2009 und auf knapp die Hälfte des Buchwerts abgesackt. Ohne die hartnäckigen Gerüchte neuer Abschreiber auf Anleihen und strukturierten Produkten könnte man die Aktien mittlerweile als Schnäppchen bezeichnen.

Anlagegeschäft bereitet Sorgen

Die Rüchversichererin Swiss Re lässt sich zurzeit in zwei Bereiche zerlegen, mit dem laufenden Rückversicherungsgeschäft als Kernbereich. «Dieses generiert Cash und sollte dem Konzern helfen, weitere Schlaglöcher abzufedern», ist Goldman-Sachs-Analyst Will Morgan überzeugt. Von der Januar-Erneuerungsrunde erwartet Bank-of-America-Analyst Brian Shea denn auch einen nominalen Preisanstieg um 6% und inflationsbereinigt um 2%.

Sorgen bereitet indes das Anlagegeschäft und die Gefahr einer dadurch nötigen Kapitalerhöhung. Weder bei Goldman Sachs noch bei der Bank of America rechnet man denn auch mit einer Dividendezahlung. Goldman-Sachs-Analyst Morgan rechnet bei Verbriefungen von Privathypotheken mit einem weiteren Abschreibungsbedarf von 2% des 15 Mrd Fr.-Portfolios. Bei weiteren strukturierten Kreditverbriefungen schätzt er einen Abschreibungsbedarf von 2,4 Mrd Fr., aus den Geschäften mit den schlingernden Kreditversicherungen 1,1 Mrd Fr. Inklusive weitere kleinerer Posten dürften Abschreiber von 4,58 Mrd Fr. vor und 3,15 Mrd Fr. nach Steuern auf den Rückversicherer zukommen. «Auch damit hätte Swiss Re noch ein Polster von 2 Mrd Fr. auf die Grenze, bei der das AA-Rating gefährdet wäre», so Morgan. Als letzte Ratingagentur hat A.M. Best kurz vor Weihnachten die «A+»-Bewertung mit einem negativen Ausblick versehen. Moody’s und S&P hatten ihre Einschätzungen auf Aa2 bzw. AA- belassen, Moody’s jedoch mit «negativem» Ausblick. «Wenn der Grossteil der Kreditverbriefungen von den Agenturen weiterhin als AAA geführt wird, wäre es schon sehr widersprüchlich, wenn diese Swiss Re jetzt für den kleinen Teil mit einer Rating-Abstufung bestrafen würden», kommentiert Broadfield. «Und selbst wenn die nicht-AAA-Anlagen teilweise auf Null abgeschrieben würden, bliebe noch ein 4 Mrd Fr.-Kissen auf die AA-Bewertung», so Will Morgan.

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Sektorfavorit Münchner Rück

«Die Münchner Rück macht gegenwärtig alles richtig», sagt Michael Haid, Analyst bei CA Chevreux. Sie konzentrieren sich disziplinierte auf die Vertragsabschlüsse, habe eine konservative Anlagepolitik, werde in den kommenden Jahren 8 Mrd Euro überschüssige Mittel auszahlen und fokussiere sich auf die hochmargigen Geschäftsbereiche. Haid schätzt den Gewinn für das laufende Jahr auf 13,34 Euro pro Aktie, entsprechend einem (KGV) von 8,4 für 2009. Damit ist die Münchner Rück klarer Sektorfavorit, was auch die Aktie widerspiegelt: Sie ist im letzten Jahr mit 12% nur halb so stark gefallen wie der Branchendurchschnitt.