Versicherungen hatten im Gegensatz zu Investmentbanken bisher kaum Probleme im operativen Geschäft. Die Zahlen des 2. Quartals widerspiegeln deshalb die übliche Kombination der Entwicklungen an den Kapitalmärkten sowie die gemischten operativen Ergebnisse.

Etliche Faktoren wie Reservenabbau, Wertberichtigungen auf Finanzanlagen, Absicherungsgewinne und -verluste bestimmen die Bilanzverhältnisse. Einzelne Vertreter der Schweizer Assekuranz wie Swiss Life beispielsweise umgehen Abschreibungsprobleme, indem sie Firmenbonds als Kredite umklassifiziert haben. Doch solche Kniffe sind nicht überall möglich: Im Sachversicherungsgeschäft werden weniger neue Abschlüsse getätigt, die Preise sind unter Druck, die Anlageerträge fallen und die Schadenansprüche ziehen an. Auch im Lebensversicherungsgeschäft zeigen sich europaweit Schwächen bei den Neuabschlüssen und den Margen.

Ärger mit den Töchtern

Deshalb sprechen laut Credit-Suisse-Analyst Richard Burden lediglich die hohe Dividendenrendite sowie eine mögliche Aufwertung der Aktiva und der eigenen Mittel für steigende Aktienkurse bei den an der SIX Exchange kotierten Versicherern. Die Branche ist insgesamt an der Börse nur zum Einfachen des Buchwertes bewertet. Der langfristige Durchschnitt liegt beim 1,7-Fachen.

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Weil die meisten Versicherungen prozyklisch ihre Aktienquoten auf praktisch null reduziert hatten, profitieren sie jetzt auch nicht von der rasanten Erholung an den Börsen. Burdens Favorit ist die Aktie von Zurich Financial Services ZFS. Helvetia und Swiss Life empfiehlt Burden zum «Halten», bei Bâloise rät er zum Verkauf.

Dieser Tage haben nun aber Swiss Life und Bâloise die Gelegenheit, mit ihren Quartalsergebnissen solche Einschätzungen zu korrigieren. Schwierig dürfte es Swiss Life haben. In Frankreich ging das Geschäft im 1. Quartal um 15% zurück, jenes mit vermögenden Privatkunden brach gleich um 31% ein. Swiss Life hat zudem eine Risikoverringerung bei ihren Anlagen versprochen. Eine Ausfallquote von 1% beim teilweise risikoreichen Obligationenportefeuille wurde bereits in das diesjährige Anlageziel von 3,7% einkalkuliert. Und beim Finanzvertriebsnetz AWD dürfen in diesem Jahr laut den Analysten der WestLB kaum Verbesserungen erwartet werden - die Konkurrenten MLP und OVB, die bereits Zahlen vorgelegt haben, zeigen eine schwierige Lage bei diesen Vertrieben. Aus dieser Akquisition sind zudem noch 900 Mio Fr. Goodwill in den Büchern. Beim Broker Helvea erwarten deshalb die Analysten 200 Mio Fr. an Abschreibern, die Analysten von Vontobel noch etwas mehr.

Entscheidend ist jetzt die Prognose für die 2. Jahreshälfte - denn nach den Zahlen richtet sich der Blick von Analysten und Anlegern nach vorne. Die aktuelle Bewertung zum 0,8-Fachen des Buchwertes spricht für die Aktie, die laut der Bank Vontobel auf 145% fallende Solvabilität dagegen. Einige Analysten empfehlen den Turnaround-Wert dennoch zum Kauf.

Schlechtere Combined Ratio?

Bâloise hält 50% am AWD-Konkurrenten OVB - und dieser Vertrieb hat kürzlich eine Gewinnwarnung publiziert. Hier richtet sich das Augenmerk der Analysten auf die Preisentwicklung in der Schweiz, nachdem ZFS bei ihrer Ergebnismeldung vor zwei Wochen von einem Druck auf die Prämien berichtet hatte.

Beim Broker Helvea rechnet man mit einem Rückgang des operativen Gewinns um 26% und des Reingewinns um 31%. Aufgrund des Margendrucks rechnen die Analysten der Deutschen Bank mit einem Anstieg der Combined Ratio (Kosten- und Schadensatz im Verhältnis zu Prämieneinnahmen) von 92 auf 95,3%. Bâloise gilt als unspektakuläre Versicherungsaktie mit wenig Überraschungspotenzial und solidem Profil. Analysten raten deshalb überwiegend, die Aktie zu halten.

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