Futures: Sie wurden Jérôme Kerviel zum Verhängnis. Der Börsenhändler hatte mit den Instrumenten gigantische Wetten auf die Finanzmarktentwicklung laufen. Und verlor. Seinen Arbeit-geber, die französische Bank Société Générale (SG), kosteten seine Fehlspekulationen schwindelerregende 4,9 Mrd Euro.

Teure Nachschusspflicht

Denn das ist der Knackpunkt bei den Futures: Im Gegensatz zu Optionen, welche das Recht, aber nicht die Pflicht beeinhalten, ein bestimmtes Wertpapier an einem bestimmten Zeitpunkt und Preis zu kaufen, kommt bei Futures eine Zahlungsverpflichtung hinzu.

Anleger müssen Geld «nachschiessen», wenn sich die Wette nicht in die erwartete Richtung entwickelt. Deshalb ist dieses Geschäft auch nur institutionellen Kunden vorbehalten.

Kleinanlegern stehen mit den Contracts for Difference (CFD) und den Mini-Futures zwei ähnliche Anlageformen offen, wobei teilweise die Nachschusspflicht entfällt, weil die emittierenden Banken bestimmte Ausstiegsschwellen – zum Schutze der Anleger – eingebaut haben.

Im Fall der Dax-Futures, in die Kerviel investiert hatte, lässt sich die Funktionsweise eines an der Eurex gehandelten «richtigen» Index-Futures nachzeichnen. Wenn der Dax bei 7000 Punkten notiert, ist ein Future-Kontrakt auf der Basis von 25 Euro pro Indexpunkt 175000 Euro wert. Beim Kauf eines solchen Futures sind aber nur 5% als Sicherheit («initial margin») zu hinterlegen, bei diesem Beispiel 8750 Euro. Wenn der Dax um 500 Punkte auf 7500 klettert, steigt auch der Wert des Dax-Futures um 12500 Euro. Der als Sicherheit hinterlegte Geldbetrag würde mehr als verdoppelt.

Schlecht nur, wenn der Kurs fällt und die Sicherheit weg ist. Bereits ein Kursrutsch von 5% dezimiert die hinterlegte Sicherheit auf null. Anleger müssen dann nach einem Margin Call nachschiessen, sonst wird der Future zwangsverkauft. Dieser Nachschuss und der Kurszerfall beim Future erklären den Verlust bei SG – es wären mehr als 2 Mrd Euro fällig gewesen.

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Ähnlich funktionieren die in der Schweiz auch von der Online-Bank Synthesis angebotenen CFD, einfache Richtungswetten auf Basiswerte, bei denen die Differenz zwischen einem Eröffnungs- und einem Schlusskurs ausbezahlt wird. Wenn beispielsweise 100 CFD auf eine Aktie von Siemens mit einem Kurs von 85 Euro gekauft werden, müssen Anleger zu Beginn nur einen 5%-Einsatz zahlen (hier: 425 Euro). Steigt der Siemens-Aktienkurs um 5 auf 90 Euro, kommen zum Einsatz 500 Euro dazu. Der Einsatz wird mehr als verdoppelt. Allerdings besteht auch hier eine Nachschusspflicht, bei der Anleger nicht nur den Einsatz, sondern noch viel mehr verlieren können. Von diesen hoch riskanten Instrumenten raten deshalb viele ab. Sicherer – etwa mit den gleichen Risiken wie «normale» Call- oder Put-Warrants sind hingegen Mini-Futures. Diese eignen sich für Absicherungen und Richtungswetten. Eine Nachschusspflicht besteht trotz des verfänglichen Namens nicht: Wenn der Basiswert ein vorher bestimmtes Niveau unterschreitet, wird ein Stop-Loss ausgelöst und der Restwert ausbezahlt. Anders als bei den konventionellen Optionen spielen die Volatilität und der Zeitwertverlust keine Rolle.

Tägliche Überwachung nötig

Die Preisfindung ist einfach nachzuvollziehen (Preis des Basiswertes minus Finanzierungslevel). Auch dieses Instrument erfordert eine tägliche Überwachung und ist kein «buy and hold»-Produkt. Und auch hier sind Spekulationen auf steigende und fallende Kurse möglich.