STRUKTURIERTE PRODUKTE. Sie haben ihren Weg in Schweizer Depots schnell gefunden. Die Börse für strukturierte Produkte, Scoach, zählte im September über 18500 Produkte. Rechnet man die nicht an der Börse kotierten Produkte (OTC) dazu, bildete die Schweiz den weltweit grössten Markt für strukturierte Produkte.

Die Laufzeit der meisten Produkte beträgt zwischen ein und zwei Jahren. Spannend wird es, wenn die Märkte in den nächsten 12 bis 24 Monaten längerfristig drehen sollten. Dann zeigt sich, wie viele der Knock-Outs oder Reverse Convertibles ein schmerzhaftes Ende unter den Barrieren finden.

Ersten Crash-Test bestanden

In der Vergangenheit hat sich oft genug gezeigt, dass Kursrückgänge von 20, 30 oder 50% am Aktienmarkt keine Seltenheit sind. Aber «der August-Einbruch an den Aktienmärkten hat bewiesen, dass strukturierte Produkte funktionieren», erklärt Walter Käser, Marketing Schweiz bei Sal. Oppenheim. Nur rund 200 kotierte Produkte haben laut Auskunft der Börse während der Aktienmarktturbulenzen die Barriere unterschritten. Einzig auf die Anzahl neu zugelassener Produkte scheint der Aktienmarkt einen, wenn auch zeitlich verzögerten, Einfluss zu haben, da der Umsatz mit strukturierten Produkten dann jeweils zurückgeht (siehe Grafik). Handkehrum profitieren die «Strukis» aber auch von der Angst der Anleger, die ihnen die Emittenten mit ihren kapitalgeschützten Produkten nehmen wollen. «Produkte mit noch mehr Kapitalschutz sind sicher ein Trend der kommenden Monate», bestätigt Walter Käser. Dem Sicherheitsbedürfnis steht indes der noch grössere Wunsch nach Rendite gegenüber. Es überrascht daher wenig, dass die meisten in der Schweiz zugelassenen Produkte zur Familie der Hebelprodukte (65% oder 26 Mrd Fr. Börsenumsatz von insgesamt 40 Mrd Fr.) zählen. Das einfachste Hebelprodukt ist der klassische Call oder Put Warrant, mit dem auf steigende oder fallende Basiswerte gewettet werden kann und schon geringe Änderungen des Basiswertes grosse Bewegungen des Warrants auslösen.

Neue Produktideen

Der Markt ist jung, die Produkte auch. Und ständig wird neuer Nachwuchs geboren. Ein neuer Trend weist in die Richtung des klassischen Anlagefonds. «Es werden ganz neue Konstrukte auf den Markt kommen», weiss Roger Studer, Head of Financial Markets der Bank Vontobel und Präsident des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte. Er denkt dabei an Structured Funds, also «Geldanlagen in der Rechtsform eines Fonds, welche aber die Vorteile strukturierter Produkte mit dem Status des Sondervermögens von Anlagefonds kombinieren», so Studer. Die Ähnlichkeit zum Fonds ist auch bei den aktiv gemanagten Zertifikaten gegeben, die sich auf ausgewählte Themen konzentrieren. «Damit werden immer öfter Trends aufgegriffen, die ‹heiss› sind», erklärt Käser von Sal. Oppenheim. «Die Performance solcher Akquisitions-, IPO- oder Nachhaltigkeitszertifikate ist sehr interessant», so Kaiser. «Basiswerte werden neben vielen anderen Kriterien immer stärker nach thematischen Gesichtspunkten zusammengestellt», meint auch Studer. Dabei würden die verschiedenen Themen aus dem Bereich der Nachhaltigkeit besondere Beachtung finden.

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