SMALL UND MID CAPS. Endlich ist den Schweizer Large Caps der Anschlusstreffer gelungen. Seit die Kreditmarktkrise die Börsen in die Mangel genommen hat, liegen sie gegenüber den Unternehmen von kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung deutlich in Führung: 3,5% Performance für die Blue Chips am Swiss Market Index (SMI), ein Verlust von knapp 1% für die übrigen Aktien am Schweizer Markt, heisst die Bilanz seit Anfang August.

Grosse favorisiert

Und mit einem Mal mehren sich die Stimmen jener, die in den jüngsten Bewegungen einen neuen Trend sehen wollen – den Trend hin zu einer Outperformance der Schwergewichte. Nur: Seit dem Beginn der nun schon vierjährigen Hausse an den Börsen ist dieser Trend mit schöner Regelmässigkeit beschworen worden. Und immer ist es anders gekommen. Nämlich genau umgekehrt. Seit dem Beginn des zweiten Irak-Krieges im März 2003 haben die Small und Mid Caps auf den Kurstafeln der SWX Swiss Exchange durchwegs besser abgeschnitten (siehe Grafik). Auch übers ganze 2007 gesehen lässt sich ihre Performance sehen, liegt doch der SPIEX-Index – er umfasst alle Schweizer Titel ausgenommen die Blue Chips – mit einem Plus von 16% mehr als 9 Prozentpunkte vor dem SMI.

Krux der Bewertung

Warum sollte sich also gerade jetzt die grosse Wende einstellen? Eines der Argumente ist – einmal mehr – die Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in jenem Segment ist dank der guten Entwicklung deutlich höher als bei den Bluechips. Das ist problematisch, denn bei einer zu hohen Bewertung werden Aktien anfällig auf Kurskorrekturen. Plinio Zanetti, der bei der Privatbank Clariden Leu den Swiss Small Cap Equity Fund führt, sagt dagegen: «Solange die Firmen überdurchschnittlich hohe Gewinne einfahren, ist auch eine Bewertungsprämie gegenüber den Large Caps gerechtfertigt.» Derzeit handeln Schweizer Small Caps mit einem KGV von 18, grosskapitalisierte Titel bei einem Wert von 16.

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Exodus aus Small Caps?

Noch zwei weitere Kritikpunkte werden derzeit gegen die Kleinen an der SWX vorgebracht. Einerseits die wirtschaftliche Abschwächung, die sich auch in Europa abzuzeichnen beginnt. Ein Rückgang bei den Erträgen der Unternehmen wäre die Folge – und besonders hart würde dies die zahlreichen zyklischen Industrietitel im Nebenwerte-Sektor treffen. So rechnet die UBS vor, dass sich das Gewinnwachstum im SPI Small Index bis Ende 2008 um 20% abschwächen werde. Daniel Lenz, Fondsmanager des Schroder ISF Swiss Small & Mid Cap Fonds, sagt dazu: «Die Wirtschaftssensitivität von Small und Mid Caps ist stärker als jene von Blue Chips.» Das gilt jedoch auch im Guten, wenn die Konjunktur läuft. «Der Outlook auf das Wirtschaftsumfeld im Jahr 2008 ist immer noch positiv», so Lenz.Ob das auch die Investoren glauben, ist fraglich. Seit die Kreditmarktkrise eine hektische Flucht aus dem Risiko ausgelöst hat, bezweifeln Beobachter gerade dies. Denn Small und Mid Caps sind oft wenig liquide und zugleich volatil. Solange die Risikoindikatoren nicht auf ihre alten Stände zurückgingen, sollte der lang anhaltende Höhenflug überbewerteter Small Caps gestoppt werden, schätzen daher Analysten bei der Zürcher Kantonalbank. Zanetti ist anderer Meinung: «Die Grösse hilft bei Börsenkorrekturen. Aber Schweizer Small Caps haben eine sehr hohe Eigenkapitalquote und sind in ihren Nischen vielfach führend. Das verleiht ihnen Stabilität bei einem deutlich geringeren Leverage als bei Large Caps. Zanetti wie Lenz sind deshalb hinsichtlich der Small Caps zuversichtlich. Allerdings sei es schwieriger geworden, Aktien mit Potenzial zu finden, berichtet Zanetti.Der Fondsmanager lässt sich bei der Auswahl von Titeln daher vermehrt von grossen Markttrends leiten: So etwa dem Trend zum Aufbau und der Erneuerung von Infrastruktur. In diesem Bereich ist einer seiner Favoriten die Aktie des Stahlherstellers Schmolz + Bickenbach. «Gerade mit dem Wirtschaftswachstum in Osteuropa wird hochwertiger Stahl für den Aufbau von Produktionsanlagen benötigt», sagt Zanetti. Und verweist darauf, dass der Konzern schon im April die ganze Produktion von 2007 verkauft hatte.

Solar- und Stammzellen

Auch vom Trend hin zu erneuerbaren Energien und der effizienteren Nutzung von fossilen Brennstoffen profitiert eine ganze Reihe kleinkapitalisierter Werte. So etwa Burckhardt Compression, die sich auf die Verdichtung von Gasen spezialisiert hat. Seit dem Börsengang Mitte 2006 hat der Titel bereits um satte 247% zugelegt und ist mit einem KGV von 21 für 2008 nicht mehr ganz günstig. Dennoch überwiegen hier die guten Aussichten, wird doch Gas als Energieträger immer wichtiger. Schaffner profitiert hingegen mit ihrer Leitungstechnik von den Massnahmen zur bessern Ausnutzung von Energie, während Komax einen Teil der Umsätze im boomenden Solarzellengeschäft erwirtschaftet. Ebenfalls von Interesse für Anleger ist der Biotech-Cluster Schweiz. Dort sind fast ausnahmslos Small Caps tätig, ihre Kurse dürften langfristig von demografischen Trends und der Nachfrage seitens der Pharmagiganten getrieben werden.

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