Noch ist Griechenland nicht verloren. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia bekräftigte kürzlich: «Es gibt in der Euro-Zone keine Staatspleite.» Und Griechenlands Premier Giorgos Papandreou streute sich derweil Asche aufs Haupt, sprach von hausgemachten Problemen und versprach, er werde diese selber in den Griff bekommen. «Wir übernehmen die volle Verantwortung.»

Die Finanzmärkte vermochte dies jeodch nicht zu beruhigen. Nach dem alten Rezept «Buy the rumour, sell the facts» liessen die Anleger den Euro gegenüber dem Dollar auf unter 1.39 fallen, gegenüber dem Franken unter 1.47. Auch die Rendite griechischer Staatsanleihen erreichte mit einem Aufschlag von 4% gegenüber den deutschen Bund-Anleihen ein neues Rekordniveau.

Anleger nehmen Probleme ernst

Auf Währungsseite müssen Derivateanleger nun vor allem die 1.46-Fr.-Marke des Euro im Auge behalten. Bei dieser Schwelle hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) das letzte Mal interveniert, und hier könnten jetzt billiger gewordene Calls mit leicht darunterliegenden Ausübungspreisen entsprechende Kurssprünge machen, wenn es denn zu einem Eingriff der Schweizer Notenbank kommt.

Anzeige

Der Handel konzentriert sich auf Kreditderivate und insbesonders die neueren Varianten der iTraxx-Kreditindexreihe. Einige iTraxx-Indizes sind über ETF auch Privatanlegern leicht zugänglich. Der iTraxx Europe beispielsweise, der die Kreditrisiken der Staaten Europas widerspiegelt, ist im Januar von 64 auf 80 Punkte gestiegen. Und auch der iTraxx-Crossover-Index, der die Ausfallrisiken von Schuldnern mit schwacher Bonität abbildet, zog leicht von 400 auf 425 Basispunkte an. Analysten sehen diesen Anstieg eher als Hinweis, dass der Markt die Griechenland-Problematik ernst nimmt, aber keinesfalls ein Ende des Euro droht - dann wäre der iTraxx Europe noch viel stärker gestiegen.

Die ETF funktionieren wie einfache Tracker und zeichnen die Entwicklung solcher Indizes eins zu eins nach. Emittentenrisiken bestehen aufgrund der rechtlichen Konstruktion dieser fondsähnlichen Verhikel nicht. Die Schwankungen der Basiswerte sind indes beachtlich: So hat sich der Kurs des iTraxx Europe seit letztem Sommer bis Anfang Januar halbiert.

Mitte Januar waren neue Indizes auf den iTraxx SovX Ceemea für Zentral- und Osteuropa sowie Nahost und Afrika aufgelegt worden, und bereits in den ersten Handelstagen sah man ansprechende Volumen und eine sich öffnende Schere zwischen dem Westeuropa-Subindex und dem für Osteuropa. Diese Differenz drückt die Skepsis der Anleger über die widersprüchlichen Signale Griechenlands und die Folgen für den Euro aus.

Wette auf schlechtere Bonität

Das zeigt sich auch anhand einer gegenwärtig verbreitet angewandten Handelsstrategie von professionellen Investoren: Sie kaufen Kreditschutz auf den iTraxx SovX Western Europe und sichern sich damit gegen eine (auch) durch Griechenland bewirkte Bonitätsverschlechterung des EU-Raumes ab. Und sie verkaufen Kreditschutz auf den iTraxx SovX Ceemea für Zentral- und Osteuropa und erwarten damit, dass sich hier die Bonitäten in naher Zukunft nicht weiter verschlechtern. Wenn das Kalkül aufgeht, winken reichlich Zusatzgewinne.

Anzeige