DERIVATE DER WOCHE. Dieses Börsenjahr bringt den Anlegern zwei Premieren: Erstens weiss niemand genau, ob, wann und in welcher Höhe von den europäischen Banken noch weitere Abschreiber auf die US-Immobilienanlagen von Schuldnern mit zweifelhafter Bonität gemeldet werden. Das schafft eine neue Art von Unsicherheit, die sich in einem Abschlag von Bankaktien gegenüber dem Gesamtmarkt manifestiert.

Wissen über die Bücher Bescheid

Zweitens schrecken Banken nicht mehr davor zurück, in ihren Research-Berichten direkt oder indirekt auf Probleme bei ihren Konkurrenten hinzuweisen. Gerade im Investment Banking spielt sich 95% des Geschäftes unter den Top-Ten-Banken ab – und die Institute wissen einigermassen Bescheid, was ihre Gegenparteien in den Büchern haben. Bis zum letzten Herbst haben Banken ihre Konkurrenten in ihren Analysen sanft angepackt. Denn der Gegner ist eben auch Geschäftspartner und möglicherweise – aus der Sicht einzelner Analysten – ein möglicher Arbeitgeber. Diese Zeiten sind nun vorbei: Goldman Sachs, ihres Zeichens eine der grössten US-Investmentbanken, empfiehlt direkt den Kauf von Puts auf die Aktien ihrer beiden europäischen Konkurrentinnen Credit Suisse und Deutsche Bank. Und gibt damit dem Pessimismus neue Nahrung: Put-Optionen steigen, wenn die Aktie fällt. Käufern könnten sie also als Absicherungsinstrument dienen, oder sie erlauben es, gezielt auf eine weitere Verschlechterung der Bedingungen für Bankaktien zu setzen. Die Analysten von Goldman Sachs weisen zwar darauf hin, dass die implizite Volatilität der Bankaktien seit November um 10 bis 15% zurückgegangen ist. Dennoch bestehe etliche Unsicherheit. So ist zunächst die Visibilität hinsichtlich des weiteren Abschreibungsbedarfes gering, dann haben sich speziell im kommerziellen Bereich die Kreditbedingungen verschärft, und schliesslich besteht nach wie vor die Gefahr, dass die Kreditkrise auf die Realwirtschaft übergreift und sich bei den Gewinnen der Banken negativ bemerkbar macht.

Zur Credit Suisse bemerken die Goldman-Sachs-Analysten, dass sich die Aktie seit dem Sommer zwar um 5% besser gehalten habe als die UBS-Papiere. Aber es bestehe kaum fundamental begründbares Kurspotenzial, die Private-Banking-Aktivitäten und der Vermögenszufluss könnten negativ beeinträchtigt werden. Zudem habe die Bank einen hohen «negativen Kredit-Risiko-Score» aufgrund der vielen Investment-Banking-Aktivitäten. So sei die Credit Suisse bei kommerziellen Liegenschaften stärker exponiert als die UBS. Ein empfehlenswerter Put auf die Credit-Suisse-Aktie hat BCV mit dem CSGXG emittiert. Die Laufzeit reicht bis Juni und damit über den Jahres- und Erstquartalsabschluss hinaus, die Liquidität ist gut und der Spread angemessen.

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Risikoreiche «Deutschbanker»

Die Analysten von Goldman Sachs halten die Deutsche Bank für besser aufgestellt als Credit Suisse, aber die Risiken seien auch hier hoch. Der Kredit-Risiko-Score sei einer der höchsten innerhalb der Bankbranche, und die implizite Volatilität weist darauf hin, dass der Markt die Risiken bei dieser Aktie unterschätzt. Von den über 50 Puts ragt keiner mit besonders guten Konditionen heraus. DB1S66 fällt mit einem relativ kleinen Spread positiv auf. Auch für die UBS, HBOS und Unicredito sehen die Derivat-Hersteller derzeit beschränktes Potenzial nach oben, dafür umso mehr Raum nach unten. Die beiden Puts UBSSN und ABNUG weisen zurzeit nicht die grösste Liquidität auf, die Konditionen sind jedoch besser als bei UBSPQ und UBSPC.