Bekanntlich sind Bonus-Zertifikate mit einem bedingten Kapitalschutz ausgestattet, der verloren geht, wenn der Basiswert eine im Voraus festgelegte Kursschwelle, die Barriere, berührt oder unterschreitet. Im Vergleich zu Bonus-Zertifikaten auf einzelne Werte bieten Multi-Bonus-Zertifikate mit gleicher Laufzeit höhere Bonusrenditen und/oder tiefere Absicherungsniveaus.

Mögliche Barrierekonzepte

Bei der Ausgestaltung der Barrieren spielt das Marktumfeld eine zentrale Rolle. In Haussen, wenn alle Welt euphorisch ist und meist nur geringe Schwankungen im Markt zu konstatieren sind, muss sich der Anleger oft mit dem Worst-of-Prinzip begnügen, da diese Optionalität günstiger ist.

Zu Beginn eines Aufschwungs sind die Konditionen zur Konstruktion eines Bonus-Zertifikates meist attraktiver. So können Multi-Bonus-Zertifikate offeriert werden, die auf den Gesamtwert aller Basketbestandteile abstellen. Naturgemäss ist bei diesem Basket-Prinzip das Risiko einer Barrierenverletzung erheblich geringer als in der Worst-of-Variante.

Anzeige

Noch risikoarmere Varianten lassen sich in Baissen bilden, in denen in der Regel auch die Verunsicherung gross ist. So können dann sogar Best-of-Produkte konstruiert werden, bei denen alle Basiswerte gleichzeitig die Barriere berühren müssen, damit diese als durchbrochen gilt. Logischerweise ist hier die Gefahr einer Verletzung am geringsten.

Daneben gibt es Zwischenlösungen wie Multi-Chance-Produkte. Mehrere Basiswerte, zum Beispiel drei von fünf, müssen die Barriere berühren oder unterschreiten, sodass das Barrierenereignis eintritt.

Nebst der Art und Weise der Ausgestaltung der Barriere haben auch die Rückzahlungsbedingungen Einfluss auf die Wertentwicklung eines Multi-Bonus-Zertifikates. In Haussen müssen meist Worst-of-Produkte offeriert werden, bei denen für den Rückzahlungsbetrag des Bonus-Zertifikates ausschliesslich der Basiswert mit der schlechtesten Performance (worst of) ausschlaggebend ist. Weniger risikoreich sind Varianten, die am Schluss der Laufzeit den Wert des Aktienbaskets, also den Durchschnittswert aller beinhalteten Aktien, ausbezahlen. Im schlechtesten Fall erhält der Anleger am Ende der Laufzeit nur den Basketwert.

Die höchste Sicherheit bieten erneut die Best-of-Zertifikate. Die Rückzahlung richtet sich bei ihnen nach dem Wert der besten Aktie.

Die Börsenlage ist entscheidend

Die angegebenen Möglichkeiten können beliebig kombiniert werden. So gibt es Produkte, bei denen sowohl für die Barriere als auch für die Rückzahlung der Basketwert massgebend ist. Dieser Optimalfall ist nur in Zeiten grosser Verunsicherung möglich. Hat sich das Geschehen beruhigt, ohne dass das Hoch der Erholung unmittelbar bevorsteht, kommt meist ein Mittelweg zum Zuge. So gibt es Produkte, bei denen für die Betrachtung der Barriere die schlechteste Aktie herbeigezogen wird, während sich die Rückzahlung nach dem Wert des Aktienbaskets richtet.

Natürlich sind sicherere Varianten zur Verminderung des Risikos nicht kostenlos. Der Anleger muss dafür entweder einen niedrigeren Bonuslevel oder eine höhere Barriere akzeptieren. Den Trade-off zwischen hohem Bonuslevel und demzufolge höherer Barriere oder tieferem Bonuslevel, dafür aber auch tieferer Barriere muss jeder Anleger selber abwägen.

Bald nur noch riskante Varianten

Generell ist der Emittent bemüht, die bestmögliche Konstruktion anzubieten. Ein Warten auf vorsichtigere Multi-Bonus-Konzepte kann für den Anleger unvorteilhaft sein, ein Zögern kann sich sogar kontraproduktiv auswirken.

Auf die heutige Situation bezogen, muss bald damit gerechnet werden, dass nur noch die riskanteste aller Varianten im Markt erhältlich sein wird. Bei dieser Ausgestaltung gilt nicht nur für die Barrierebetrachtung das Worst-of-Prinzip, auch bei der Rückzahlung ist der schlechteste Basiswert massgebend.