Den wirtschaftlichen Abschwung hat Alois Bischofberger in seiner über 20-jährigen Tätigkeit als Chefökonom der Credit Suisse ebenso erlebt wie die Hochkonjunktur. Nun lässt die Konjunkturdynamik seit Mitte des letzten Jahres wieder nach. «Die Weltwirtschaft schlägt in den nächsten Quartalen eine etwas langsamere Gangart ein», erklärt Alois Bischofberger. «Ich sehe aber keine Anzeichen für eine Stagnation oder gar eine Rezession».

Dennoch blicken viele sorgenvoll in die USA. Der Chefökonom der Credit Suisse schätzt das Risiko, dass es in den Vereinigten Staaten zu einer Rezession kommt, auf rund 40%. Der Einfluss der USA auf die Weltwirtschaft ist aber nicht mehr so gross, in den letzten zehn Jahren ist die Abhängigkeit gesunken. «Das globale Wachstum ist heute breit abgestützt, bereits rund die Hälfte tragen die Emerging Markets dazu bei», sagt Bischofberger.

Keine totale Entkoppelung

Ganz entkoppeln kann sich der Rest der Welt allerdings nicht von den ausgabenfreudigen Amerikanern. Klaus Wellershoff, Chefökonom bei der UBS: «Die Abkühlung in den USA wird zu einer Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums führen.» Die UBS rechnet damit, dass die Weltwirtschaft im aktuellen Jahr um 4,8% wächst nach 5,2% im Jahr 2007, die Credit Suisse schätzt das Wachstum für 2008 auf 4,5%.

Die Konjunktur ist derzeit in einer Übergangsphase, die auch Risiken mit sich bringt. Wellershoff ortet das grösste Konjunkturrisiko in den aktuell starken Verzerrungen bei den Wechselkursen. «Wenn diese Carry-Trade-Blase platzt, könnten sich Franken und Yen plötzlich stark aufwerten», befürchtet der UBS-Chefökonom.

Bischofberger schätzt das Währungsrisiko dagegen nicht als fundamental ein. Die grössten Gefahren für die Konjunktur wären in seinen Augen eine Verschärfung der Kreditkrise und steigende Inflationsraten. Davon geht die Credit Suisse derzeit allerdings nicht aus. Die Lage an den Kreditmärkten sollte sich laut Bischofberger in den ersten Monaten 2008 entspannen und die Inflation bezeichnet er als «vorübergehendes Problem».

Auch Wellershoff sieht die Inflation für 2008 unter Kontrolle und verweist auf die nachlassende Wachstumsdynamik. Denn damit dürften die Preise für gewisse Rohstoffe kurzfristig sinken. «Der Ölpreis wird auf rund 70 Dollar zurückgehen», so der UBS-Chefökonom. Erst Ende 2008 wird für ihn die Inflationsgefahr wieder ein Thema.

Robuste Schweizer Wirtschaft

Für die Schweiz rechnet die UBS 2008 mit einer Inflationsrate von 1,2%, 2009 dürfte die Teuerung 1,4% betragen. Insgesamt werden die Perspektiven der hiesigen Wirtschaft optimistisch eingeschätzt. «Die Schweizer Wirtschaft wird sich 2008 im Vergleich zu anderen Industrieländern, vor allem im EU-Raum, gut entwickeln», erwartet Bischofberger. Der erfahrene Ökonom tritt per Ende Juni 2008 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird der bisherige Leiter des Ressorts Schweizer Wirtschaft, der 47-jährige Martin Neff.

Für 2008 prognostizieren die Ökonomen der Credit Suisse ein Wirtschaftswachstum von 1,9%. Eine wichtige Stütze der Schweizer Konjunktur sieht Bischofberger im privaten Konsum. Die aktuellen Probleme in der Finanzindustrie, die rund 15% zum BIP beiträgt, würden dagegen nur eine «massvoll» bremsende Wirkung auf die Schweizer Wirtschaft haben.

Zuversicht für Aktienmärkte

Härter waren zuletzt die Folgen der Subprime-Krise für die Aktien. Dennoch sind die beiden Chefökonomen für das aktuelle Börsenjahr zuversichtlich. «Die Aktienmärkte dürften sich 2008 überdurchschnittlich entwickeln», erwartet Wellershoff von der UBS. «Das Gewinnwachstum wird sich zwar deutlich abschwächen, trotzdem bewegen sich die Unternehmensgewinne noch auf einem hohen Niveau.»

Neben den soliden Gewinnen führt er das nach wie vor gute konjunkturelle Umfeld und die attraktive Bewertung als Gründe an. «In den Schwellenländern scheinen jedoch verschiedene Aktienmärkte überhitzt. Die Börsen in den Industrieländern sollten also insgesamt besser abschneiden.» Auch Bischofberger rechnet mit einer positiven Grundtendenz an den Börsen, die Schwankungen dürften aber auch 2008 gross bleiben.

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