PERSONALVERMITTLER.

Die Schwäche im US-Markt konnten wir im 3. Quartal 2007 mit dem Wachstum in Asien und Europa ausgleichen», sagt Adecco-Chef Dieter Scheiff im Gespräch mit der Zeitung «Euro am Sonntag». Zudem seien in den USA bereits im 4. Quartal die Kosten der veränderten Situation angepasst worden. Mit einer globalen Rezession rechne er nicht.

Die Anleger sind skeptischer. «Eine Rezession scheint bereits im Aktienkurs enthalten zu sein», kommentiert Marco Strittmatter, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). In den letzten zwölf Monaten hat die Adecco-Aktie über 30% verloren und ist mittlerweile mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,2 für 2008 günstig bewertet.

Abkühlung am US-Arbeitsmarkt

Vor wenigen Tagen hat Strittmatter allerdings die Gewinnschätzungen gesenkt, die nun unter den Firmenzielen von Adecco liegen. Auch andere Analysten haben ihre Gewinnprognosen reduziert. Der Zeitarbeitsvermittler selbst rechnet mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 7 bis 9% und einer operativen Marge von über 5%. Diese Vorgaben bestätigt Scheiff im Zeitungsinterview, «unter der Voraussetzung, dass die konjunkturelle Stimmung freundlich bleibt». Die Weltwirtschaft läuft zwar noch rund, vor knapp zwei Wochen hat allerdings der US-Arbeitsmarktbericht negativ überrascht. Marco Strittmatter von der ZKB: «Falls sich der Arbeitsmarkt in den USA weiter abkühlt, ist sogar mit einem Umsatzschwund zu rechnen.» Und Helvea-Analyst Chris Burger meint: «Der US-Markt ist nach wie vor schwach, hat sich aber stabilisiert.» Im für Adecco wichtigsten Markt Frankreich sind die Arbeitsmarktdaten zuletzt gemischt ausgefallen. Für die Personalvermittler ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt sehr wichtig. Das grösste Risiko sieht Strittmatter von der ZKB in einem Einbruch der US-Wirtschaft mit den negativen Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Kurzfristig ist die Entwicklung der Aktienkurse denn auch vor allem vom Wachstum der globalen Wirtschaft abhängig. «Die Aktie wird von Makrodaten bestimmt», so Chris Burger von Helvea. Verbessern sich die Konjunkturdaten nicht, werden die zyklischen Aktien der Personalvermittler den Rezessionsängsten ausgeliefert bleiben.

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Vielversprechende Perspektiven

Mittel- bis langfristig sind die Aussichten für die Branche angesichts der Deregulierung der Arbeitsmärkte, der demografischen Entwicklung und des Trends zur Auslagerung dennoch günstig. Zum Tragen kommt auch die tiefe Bewertung, die auf längere Sicht für die Aktien von Adecco, Randstad oder Vedior spricht. Randstad hat im Dezember 2007 für den ebenfalls niederländischen Konkurrenten Vedior ein Kaufangebot unterbreitet. Nach Abschluss der Übernahme könnte Marktleader Adecco von allfälligen Integrationsschwierigkeiten profitieren, schätzt Vontobel-Analyst Scott Weldon. Mit der Übernahme entsteht jedoch auch die neue klare Nummer zwei im Markt. Der gewachsene Konkurrent könnte Adecco mit der Zeit gefährlich werden, sei es im Wettbewerb um gut qualifizierte Angestellte oder im Kampf um Kunden. Nicht von ungefähr haben die beiden Niederländer bereits ihre Ambition formuliert, innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre den weltgrössten Personalvermittler Adecco als Branchenführer zu verdrängen.