Das Barometer für ihre Konjunkturerwartungen im kommenden halben Jahr fiel im Juli um 1,1 auf 17,5 Punkte und damit den zweiten Monat in Folge, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter 216 Analysten und Anlegern mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 18,0 Punkte gerechnet. «Nach wie vor ist der Ausblick für das Wirtschaftswachstum in den nächsten sechs Monaten recht positiv», sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Die Lage wurde ebenfalls etwas schlechter bewertet. «Zur leichten Stimmungseintrübung dürfte der zuletzt deutlich erstarkte Euro beigetragen haben», sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. «Wertet der Euro auf, verteuert dies Exportgüter auf den Weltmärkten.» Der Euro kostet derzeit mit 1,1537 Dollar so viel wie zuletzt im Mai 2016. Dagegen stützt der anhaltende Aufschwung in der Euro-Zone die deutsche Wirtschaft: Dort wird die Konjunkturlage derzeit so gut bewertet wie seit Januar 2008 nicht mehr. 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Währungsunion.

Bauboom und kauffreudige Konsumenten

Die deutsche Wirtschaft wuchs zu Jahresbeginn mit 0,6 Prozent recht kräftig. Von Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass dieses Tempo im zweiten Quartal gehalten wurde. Daten dazu werden aber erst Mitte August erwartet. Der Bauboom, kauffreudige Verbraucher und florierende Exporte schieben Europas grösste Volkswirtschaft derzeit an.

Auch der Aufschwung in der Euro-Zone gewann zuletzt an Kraft. Mit Spannung blicken die Finanzmärkte auf die Europäische Zentralbank, die am Donnerstag über ihren Zinskurs entscheidet. Experten erwarten angesichts der guten Konjunktur ein vorsichtiges Signal zur baldigen Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik. Sie gehen davon aus, dass die Notenbank ihre zuletzt stets bekräftigte Option streicht, die umstrittenen Anleihenkäufe bei Bedarf noch einmal aufzustocken.

(reuters/chb)