Der Schweizer Aktienmarkt hat mit leichten Gewinnen um den Vortageschlusskurs geschlossen. Dominierende Themen am Markt bleiben die Schuldenkrise in Europa und die eingetrübten Aussichten für die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung. Dabei steht insbesondere die USA im Fokus, die nach wie vor der globale Wachstumsmotor sind.

Nach Verlusten zu Beginn des Handelstages erholte sich der Markt bis am frühen Nachmittag und legte vorübergehend gar deutlich zu bevor es wieder ins Minus ging. Nach der Schlussauktion stand der Leitindex im Plus.

Für die kurzzeitig positive Stimmung sorgte der mit Spannung erwartet ISM-Einkaufsmanagerindex aus den USA. Dieser war im August mit 50,6 Punkte zwar gegenüber dem Vormonat leicht gesunken, lag aber deutlich über den Erwartungen der Experten. Zudem signalisiert der Index mit einem Stand von über 50 Punkten anhaltendes Wachstum.

Der ISM gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftlichen Aktivitäten der USA. Andere US-Konjunkturdaten wie die Zahlen zu den Bauausgaben oder zur Produktivität waren hingegen schwächer ausgefallen.

Am Schluss gewann der SMI 0,05 Prozent auf 5531,54 Punkte. Der 30 Titel umfassende, um die Gewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) sank um 0,30 Prozent auf 833,59 Zähler und der breite Gesamtmarkt (SPI) um 0,18 Prozent auf 5040,13 Punkte.

Franken wieder stärker

Vorbei ist es auch mit den Anzeichen für eine Entspannung auf dem Devisenmarkt. Der Schweizer Franken hat gegenüber dem wichtigsten Handelswährungen wieder deutlich zugelegt. Der Euro kostet aktuell 1,1370 Franken und liegt damit wieder deutlich unter der Marke von 1,14 Franken. Für den US-Dollar werden 0,7971 Franken bezahlt.

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Unter den wieder erstarkten Konjunktursorgen litten vor allem zyklische Titel, allen voran Logitech (-7,0 Prozent). Zuvor hatten die Papiere des Computerzubehörherstellers in den letzten drei Woche vom Tiefstwert um über 50 Prozent zugelegt. Zur Schlussgruppe gehörten im SMI/SLI auch Kühne+Nagel (-3,7 Prozent) sowie Adecco (-3,4 Prozent).

Bei beiden Titeln kam es zu Rückstufungen durch grosse Broker. Cheuvreux strich Adecco von ihrer «Selected List» und senkte das Rating auf Outperform, ING reduzierte für die Papiere des Logistikers ihr Kursziel drastisch und nahm die Einstufung auf Hold zurück.

Auch noch andere konjunktursensitive Valoren wie Lonza (-2,8 Prozent), Clariant (-2,2 Prozent), Richemont (-1,4 Prozent), oder ABB (-1,3 Prozent) büssten deutlich ein.

Meyer Burger mit Berg- und Talfahrt

Finanzwerte hielten sich eine Spur besser, hatten sich zuletzt aber etwas verhaltener als die Zykliker nach oben entwickelt. Bei den Banken verloren Julius Bär mit 1,7 Prozent am meisten, UBS (-0,1 Prozent) und Credit Suisse (unv.) schnitten deutlich besser ab. Die Abgaben bei den Versicherern ZFS (-0,9 Prozent) und Swiss Re (-0,3 Prozent) hielten sich ebenfalls in Grenzen.

Die defensiven Schwergewichte tendierten stärker als der Rest. Roche (+1,5 Prozent) hat für das Medikament Tarceva die Zulassung der EU für die Erstlinienbehandlung bei einem genetisch spezifischen Typ von Lungenkrebs erhalten. Aufschläge gab es zudem bei Swisscom (+0,3 Prozent), Synthes (+0,4 Prozent) oder Nestlé (+0,3 Prozent). Die Titel des Nahrungsmittelkonzerns hatten in den letzten Tagen deutlich eingebüsst.

Aus der zweiten Reihe legten die Aktien des Solarindustriezulieferers Meyer Burger eine veritable Berg- und Talfahrt hin. Erst reagierten sie mit einem Kurssprung von fast 10 Prozent auf sehr gute Halbjahreszahlen, büssten dann aber bis zum Schluss deutliche 5,4 Prozent ein.

Einerseits sei seit der Vorankündigung vor zwei Wochen ohnehin klar gewesen, dass Meyer Burger starke Zahlen liefern wird, sagten Beobachter. Nun würden die konjunkturellen Ängste eingepreist, zumal sich gemäss CEO Peter Pauli im Markt eine Schwächephase abzeichnet, wie er vor den Medien erklärte.

Bobst im Minus

Der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst hat hingegen Zahlen geliefert, die unter den Erwartungen lagen. Die Börse quittierte dies mit einem Abschlag von 7,0 Prozent.

Helvetia stiegen nach Halbjahreszahlen um 0,7 Prozent, Implenia verloren hingegen 4,8 Prozent.

(tno/awp)