Die Katerstimmung der Anleger hat der Derivate-Industrie den Start ins Jahr 2009 gründlich verdorben. Der Schock nach der Lehman-Pleite sass vielen Anlegern noch in den Knochen, und die Produkte wurden im 1. Quartal 2009 deutlich weniger nachgefragt. Auch die Realisierung des Projekts «pfandbesicherte Produkte», von dem sich die Branche eine Belebung des Geschäfts versprach, erwies sich als komplexer als erwartet. Doch seit Ende September können die Vehikel nun an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden.

Renditeoptimierung attraktiv

Trotz dem durchzogenen Jahr 2009 ist Georg von Wattenwyl, Leiter Financial Products bei der Bank Vontobel, recht zuversichtlich, was das Derivate-Jahr 2010 angeht: «Das Umfeld bleibt weiterhin schwierig, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir im 1. Quartal 2009 den Tiefpunkt erreicht hatten», so von Wattenwyl. Die Volumen hätten sich bereits deutlich erholt. «Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend 2010 fortsetzen wird», sagt von Wattenwyl weiter.

Im November 2009 wurden an der Schweizer Börse 3,5 Mrd Fr. Umsatz mit strukturierten Produkten erzielt. Der November war damit der einzige Monat, der leicht höhere Umsätze als der Vergleichsmonat des Vorjahres registrierte. Aufgerechnet aufs ganze Jahr heisst das: 2009 beliefen sich die Umsätze mit strukturierten Produkten auf rund 37 Mrd Fr. Zum Vergleich: 2008 lag der Umsatz mit den «Strukis» noch bei über 60 Mrd Fr. Einige Produktkategorien dürften 2010 dabei besonders gefragt sein. Sollte sich etwa der Anstieg der Aktienkurse fortsetzen und die Volatilität hoch bleiben, so bietet das ein gutes Umfeld für Renditeoptimierungsprodukte. «Daneben wird das tiefe Zinsumfeld nach Alternativen im Bereich festverzinsliche Anlagen verlangen», so von Wattenwyl. Auch die zu erwartenden Schwankungen an den Rohstoffmärkten dürften für Anlagebedarf sorgen, glaubt der Derivate-Experte. Bei den Basiswerten rechnet er damit, dass weitere Lösungen im Bereich Emerging Markets und Währungen angeboten werden könnten.

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Die Marktturbulenzen in der Derivate-Industrie haben einige Anbieter arg gebeutelt. Ein paar Emittenten haben sich darauf ganz aus dem Geschäft zurückgezogen, andere haben das Produkteangebot stark reduziert. «Die Konsolidierung ist voll im Gang und wird auch 2010 anhalten», prognostiziert von Wattenwyl. Dennoch haben auch einige neue Emittenten 2009 den Schritt in den Schweizer Derivatemarkt gewagt: So etwa die deutsche Commerzbank und die amerikanische Morgan Stanley. Klarer Führer am Schweizer Derivatemarkt ist mit einem Anteil von knapp 30% die Bank Vontobel. Die Zürcher Kan-tonalbank ZKB schneidet rund 20% des Kuchens für sich ab.

Ausländer im Nachteil

Das Angebot von pfandbesicherten Produkten, die das Emittentenausfallrisiko stark reduzieren, könnte unbekannten und kleineren Anbietern von strukturierten Produkten Chancen eröffnen. Momentan bieten jedoch erst EFG Financial Products, Vontobel und Clariden Leu Produkte dieser Kategorie an.

Ausländische Anbieter können die Dienstleistung derzeit erst unter erschwerten Bedingungen nutzen.