Seinen Anlagestil beschreibt Investor Adriano Agosti wie folgt: «Ich sehe mich als konstruktiven, aktiven Aktionär mit einem fundamentalen Value Approach.» Zumindest die Tatsache, dass der Gründer der Beteiligungsgesellschaft Golden Peaks Capital seine Investments überaus aktiv begleitet, dürfte unbestritten sein. In den vergangenen zwölf Monaten haben dies die Verwaltungsräte und Manager der börsenkotierten Firmen Unilabs, Valora, Industrieholding Cham und kürzlich auch von Ciba zu spüren bekommen, als Agosti, im Alleingang oder gemeinsam mit anderen Grossaktionären, Druck auf die Führungsgremien aufgebaut hat. Der 53-jährige Zürcher kämpft dabei für seine Aktionärsrechte, aber auch für jene der Minderheiten, und scheut dazu auch die Konfrontation nicht.

Valora ans Herz gewachsen

Inwieweit die Aktivitäten des passionierten Polospielers jeweils konstruktiv waren, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander. Trotzdem gelingt es Agosti immer wieder, seine Forderungen erfolgreich durchzusetzen.

Beim Kiosk- und Handelskonzern Valora, jenem Engagement von Golden Peaks, das bisher die höchsten Wellen geworfen hat, konnte Agosti an der ausserordentlichen Generalversammlung im Januar 2008 jedenfalls eine Mehrheit der Anteilseigner hinter sich bringen und die Neubesetzung der Führungsriege erzwingen, wenngleich ihm selber der Eintritt in den Verwaltungsrat verwehrt blieb. Vorausgegangen war dem Coup eine über Monate mit harten Bandagen ausgefochtene öffentliche Auseinandersetzung.

Die Valora-Beteiligung ist beispielhaft für die Anlagestrategie von Golden Peaks Capital. Die Gesellschaft sucht unterbewertete Unternehmen, die über ein starkes Businessmodell verfügen und Verbesserungspotenzial aufweisen. «Ergibt die Analyse das für uns gesuchte Risiko- und Ertragsprofil, investieren wir längerfristig und begleiten den Wertsteigerungsprozess», so der Captain des Cartier-Teams des St. Moritzer Polo Clubs.

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Inzwischen ist Agosti das Engagement bei Valora so weit ans Herz gewachsen, dass er es gar als Lieblingsinvestment bezeichnet. «Unsere aktuellen Favoriten sind Gesellschaften, in welchen wir im positiven Einvernehmen mit dem Management die Veränderungen begleiten und der Erfolg durch den Kapitalmarkt erkannt wird. Dazu gehören Schaltbau in Deutschland und Valora in der Schweiz», sagt Agosti.

Nicht immer beharrt er allerdings auf der Neubesetzung der Führungsmannschaft, wenn er bei einem Investment Verbesserungsbedarf sieht. So haben sich in der Auseinandersetzung zwischen Golden Peaks und der Industrieholding Cham die beiden Parteien so weit angenähert, dass der öffentliche Schlagabtausch eingestellt werden konnte. Die Papier- und Immobiliengruppe um Philipp Buhofer und ihr Grossaktionär suchen nun gemeinsam nach zukunftsträchtigen Ergebnissen. Vor allem bezüglich der Trennung der Geschäftsbereiche Immobilien und Papier würden sich Lösungsansätze abzeichnen, die für alle am Unternehmen interessierten Parteien Wertschöpfung generieren sollten, liess Agosti verlauten.

Gute Nase für Investments

Entgegen des verbreiteten Bildes eines auf kurzfristige Gewinnmaximierung orientierten Finanzinvestors, legt Agosti grossen Wert auf einen langfristigen Investmentansatz. «Ein Investor darf nie kurzfristig denken», lautet denn auch seine Maxime. Aus diesem Grund befasst er sich auch intensiv mit mehrjährigen Länder- und Sektortrends. «Als längerfristiger Investor müssen wir uns diesbezüglich eine Meinung verschaffen», so der Golden-Peaks-Chef. Weiter lässt er sich allerdings nicht in die Karten blicken.

Einen guten Riecher für interessante Geschäfte bewies Agosti bereits an verschiedenen Stationen seiner Karriere. Als operativer Chef von Tito Tettamantis Sterling Investment Group erreichte er die Ausschüttung von Verkaufserlösen der Berner Ascom oder war massgeblich bei den Verkäufen von SIG und Sarna involviert. Für Aufsehen sorgte er zudem als Sanierer der angeschlagenen Jean-Frey-Gruppe. Als bestes Investment bezeichnet Agosti allerdings seine Investitionen in den englischen Immobilienmarkt nach der Krise 1993, was angesichts der Preisexplosion in den vergangenen Jahren kaum verwundern dürfte.

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Wenig optimistisch für 2008

Heute sieht es dagegen weniger nach goldigen Aussichten aus. Für das laufende Geschäftsjahr ist Agosti zumindest wenig optimistisch. Denn die Subprime-Krise habe nun nach den Banken auch weitere Teile der Wirtschaft erfasst. «Die Konsumentenstimmung in den USA, jedoch auch in weiteren Teilen Europas, speziell in England, ist rezessiv», hat der Profiinvestor festgestellt. Folglich erwartet er für das Gesamtjahr 2008 ein schwächeres Wachstum, welches gekoppelt mit weiteren Unsicherheiten, die Märkte noch einige Zeit belasten werde.