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Börseninterview
«Korrektur von letzter Woche liefert Basis für Börsenrallye»

ARCHIVBILD ZUM ABSTURZ DES SMI UM 1,5 PROZENT, AM DONNERSTAG, 11. OKOTBER 2018 - Aktuelle Kurse werden angezeigt an einer LED-Wand im Eingangsbereich der Neuen Boerse Zuerich-West des SIX-Hauptsitzes an der Pfingstweidstrasse, aufgenommen am Dienstag, 16. Mai 2017, in Zuerich. Mit dem Umzug des Hauptsitzes von der Selnaustrasse nach Zuerich-West werden die verschiedenen Unternehmensstandorte zusammengezogen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Vergangene Woche kam es weltweit zu einem Börsensturz. Der SMI fiel am 11. Oktober um 1,5 Prozent.Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Börsenexperte Philipp Grüebler glaubt, dass sich die Schweizer Börse kurzfristig positiv entwickelt. In Europa drohen aber Verwerfungen.

Von Bastian Heiniger
am 21.10.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler*: Die Märkte werden durch steigende Zinsen in den USA und durch den Handelskonflikt etwas belastet. Es gibt noch weitere Themen, die die Börse beeinflussen können. Etwa die Budgetplanung in Italien, die Entwicklung des Ölpreises und der Brexit. Wichtiger ist aber, dass das globale Wirtschaftswachstum positiv ist und die Märkte weiterhin stützt.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Schweizer Börse wird sich nach dem Einbruch kurzfristig positiv entwickeln, denn die Korrektur von letzter Woche liefert nun die Basis für eine Börsenrallye.

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Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Der SMI wird in den kommenden Monaten wegen des Wirtschaftswachstums durch solide Unternehmenszahlen gestützt. Die hohe Bewertung der Aktien führt aber zu erhöhter Volatilität und begrenzt die Aufwärtsbewegung. Der SMI dürfte sich bei 9400 Punkten einpendeln.

War der Absturz von letzter Woche nur eine kurze Zuckung oder ein Vorbote für eine grössere Korrektur?
Eine grössere Korrektur im Sinne eines Bärenmarktes ist kurzfristig nicht zu erwarten. Erst wenn das globale Wachstum sich merklich eintrübt, müssen wir mit einer grösseren Abwärtsbewegung rechnen. Davon sind wir aber noch etwas entfernt, obschon wir uns am Ende des Konjunkturzyklus befinden.

Grüebler
*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).
Quelle: ZVG

Sollten sich die EU und die britische Regierung nicht einigen, steuert Grossbritannien auf einen No-Deal-Brexit zu. Welche Folgen erwarten Sie an den Finanzmärkten?
Kurzfristig könnte dies in Europa zu erheblichen Verwerfungen führen. Vor allem britische Werte dürften dann auch längerfristig unter Druck kommen. Die langfristigen Auswirkungen auf europäische Werte sind zurzeit nicht absehbar und werden aufgrund der Unsicherheit zu hoher Volatilität führen. Die USA und Asien dürften dadurch wirtschaftlich nicht berührt werden.

Am 6. November werden in den USA ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt. Verlieren die Republikaner die Mehrheit würde Trump zur lame Duck. Was würde das für die Börse bedeuten?
Ich glaube nicht, dass der Machtwechsel im Parlament sich an der Börse bemerkbar machen würde. Die Republikaner nahmen seit der Wahl Trumps an, dass sie nur bis zu den Midterms Zeit hätten ihre politische Agenda voranzutreiben. Das für die Börse wichtige Steuerpaket ist in Kraft und weitere börsenrelevante Projekte waren von den Republikanern nicht geplant.

Droht dann der von Trump angezettelte Handelskrieg zum Dauerzustand zu werden?Leider ist die Verschlechterung der Handelsbeziehungen mit China kein kurzfristiges Phänomen und wird uns noch einige Jahre begleiten, denn die öffentliche Meinung ist in den USA von links bis rechts punkto China für Handelsbeschränkungen. In den USA und in China wird dies zu höheren Preisen führen. Ich erwarte aber keine Eskalation des Konfliktes zwischen den USA und den Verbündeten in Asien und in Europa.