Die Zürcher Privatbank Julius Bär hat bereits einen Vorgeschmack geliefert. Im letzten Jahr sind die verwalteten Vermögen der Bank um rund einen Drittel gesunken. «Auch die anderen Privatbanken sind mit rund 25 bis 30% tieferen verwalteten Vermögen ins neue Jahr gestartet», sagt Mathias Büeler, Analyst von Kepler Capital Markets. Da der Grossteil der Kommissionseinnahmen von der Höhe der verwalteten Vermögen abhängt, muss in diesem Jahr allein schon deshalb mit weiteren Gewinneinbussen bei den Privatbanken gerechnet werden.

Welche Spuren die Finanzkrise beim Konkurrenten Vontobel hinterlassen hat, wird der Jahresabschluss am 19. Februar zeigen. Besonders gelitten haben die Erträge im Derivategeschäft, wo das Volumen im letzten Jahr rund 20% gesunken ist. Büeler geht davon aus, dass Vontobel 2008 einen Gewinnrückgang von rund 30% hinnehmen musste.

Vorsichtige Prognosen für 2009

Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), erwartet sogar, dass der Gewinn um 45% eingebrochen ist. Damit ist der Boden aber noch nicht erreicht. Für das aktuelle Geschäftsjahr sieht die ZKB einen weiteren Gewinnrückgang von 15%. Angesichts der schwachen Finanzmärkte und des starken Frankens werden derzeit für verschiedene Privatbanken die Gewinnschätzungen gesenkt.

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Die Privatbanken konnten von den Geldabflüssen gebeutelter Institute profitieren. So hat etwa die Bank Sarasin im 1. Halbjahr den Neugeldzufluss um 9% gesteigert und in der 2. Jahreshälfte dürften der Bank in ähnlichem Stil Neugelder zugeflossen sein. Wie stark damit die Einbussen auf den verwalteten Vermögen aufgefangen werden konnten, wird das Jahresergebnis am 26. Februar zeigen.

Jetzt könnte sich aber rächen, dass die Privatbanken in den letzten Jahren auf der Jagd nach Neugeldern ihre Expansionspläne rasch vorangetrieben haben, was die Kosten ansteigen liess. Die neuen Kostenblöcke fielen lange nicht ins Gewicht, weil die boomenden Finanzmärkte die verwalteten Vermögen anschwellen liessen und den Privatbanken viele Neugelder zuflossen.

Hinzu kommt, dass der Neugeldzufluss aufgebläht wurde, weil viele reiche Kunden Kredite aufgenommen haben, um weitere Wertpapiere zu kaufen. In den letzten Monaten ist diese Spekulation mit geborgtem Geld zu einem jähen Ende gekommen und viele Kunden mussten ihre Kredite zurückzahlen.

Sicherheit ist Trumpf

Entscheidend wird sein, wie sich die Finanzmärkte künftig entwickeln. Die Privatbanken rechnen grundsätzlich damit, dass sich die Märkte wieder so schnell erholen wie in früheren Krisen, und nehmen deshalb den vorübergehenden Druck auf die Erfolgsrechnung in Kauf. Hält diese Schwäche hingegen länger an, ist auch bei den Privatbanken mit deutlichen Einschnitten zu rechnen.

Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Bankinstituten können die Schweizer Privatbanken aber mit dem Sicherheitsgedanken punkten. Sie verfügen über ein starkes Kapitalpolster, eine hohe Anzahl an Kundengeldern und einen tiefen Verschuldungsgrad, kommentieren die Analysten von Goldman Sachs.

Dennoch haben sich die Aktien der Privatbanken im letzten Jahr nicht sehr viel besser gehalten als die Grossbankentitel. So haben die UBS-Aktien knapp 70% verloren, während Julius Bär gegen 60% an Wert eingebüsst haben. «Es sind schon eine Menge schlechter Nachrichten in den Aktienkursen der Privatbanken enthalten», sagt denn auch Büeler. Doch solange sich die Finanzmärkte nicht stabilisieren, drängt sich ein Kauf nicht auf. Und mit einer Erholung sei frühestens 2010 zu rechnen.

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