Während fast alle Anlageklassen in der Krise signifikante Mittelabflüsse hinnehmen mussten, geniessen Mikrofinanzfonds unvermindert hohe Beliebtheit bei den Anlegern. «Für den gesamten bisherigen Verlauf 2009 sehen wir konstante Mittelzuflüsse», sagt Cécile Koller, Head of Research bei Responsability. «Die Finanzkrise und die Ereignisse an den Finanzmärkten haben das wachsende Interesse der Anleger für verantwortungsbewusstes Investieren gestärkt», so Koller weiter. Auch Jean-Pierre Klumpp, der CEO von Blue Orchard, berichtet von konstanten Zuflüssen in den letzen Monaten. Ausserdem habe man im 2. Quartal einige bedeutende Zuflüsse von institutionellen Anlegern registriert.

Die solide Performance in der Krise und der Diversifikationsgedanke ? Mikrofinanzprodukte gelten als gering korreliert mit anderen Assetklassen ? sorgen derzeit für steigendes Interesse an Mikrofinanzanlagen von Seiten institutioneller Anleger. Diese waren bisher eher in der Minderheit im Mikrofinanzbereich.

Hohe Volumen sorgen für Boom

Die rasch steigenden Volumen und der «Mikrofinanzboom» schüren verschiedentlich bereits Ängste vor einer Blase. Um das viele vorhandene Kapital am Markt unterzubringen, würde bei der Kreditvergabe nicht mehr genügend sorgfältig auf die Auswahl der Kreditnehmer geachtet, so die Befürchtung. Damit verbunden wäre eine erhöhte Verschuldung der Kreditnehmer und eine Verschlechterung der Rückzahlungsquote.

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Während das Geschäft mit den Kleinstkrediten lange kaum betroffen war von der Finanzkrise, macht sich diese mit zeitlicher Verzögerung nun auch in der Realwirtschaft der Entwicklungs- und Schwellenländer bemerkbar. Dies hat Auswirklungen auf das Geschäftsumfeld der Mikrounternehmer: «Die Geschäftsaktivitäten der Kleinunternehmer sind teilweise rückläufig, deshalb ist auch die Kreditnachfrage sinkend», erklärt Koller von Responsability. Dadurch verzeichneten die Mikrofinanzinstitutionen insgesamt ein geringeres Wachstum. Auf der anderen Seite ist aber das Investoren-interesse konstant hoch. Diese Konstellation führt zu höheren Cash-Beständen in Mikrofinanzfonds. «Der weiterhin stetige Zufluss von Geldern und die stagnierende Refinanzierungsnachfrage führen im Fonds zurzeit zu einem höheren Liquiditätslevel», so Koller.

Erhöhte Liquidität im Markt

Jack Lowe, Präsident der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Investmentgesellschaft Avenir, beobachtet ebenfalls eine erhöhte Liquidität im Mikrofinanzmarkt. Der Mikrofinanzexperte mahnt so auch zur Vorsicht: «Die Mikrofinanzinstitutionen haben in den letzten Jahren ein beispielloses Wachstum gesehen, das nun nicht länger praktikabel ist.» Laut Lowe seien jedoch die Verantwortlichen in der Regel sehr gut qualifiziert: «Die meisten Mikrofinanzinstitutionen haben diese Phase langsameren Wachstums dafür genutzt, ihre interne Organisation zu restrukturieren und ihre Teams zu verstärken», sagt Lowe.

«Das Wachstumsmanagement ist tatsächlich eine Herausforderung für den Mikrofinanzsektor», bestätigt auch Klumpp. Man sei sich jedoch der Risiken dieses «Hyper-Wachstums» bewusst, so Klumpp weiter. In Fällen, wo eine mögliche Überschuldung der Klienten droht, werden von den Mikrofinanzinstituten Massnahmen getroffen, um diese zu unterstützen. In vielen Ländern sei die Infrastruktur der Kreditbüros verstärkt worden.

Die beiden grössten und bekanntesten Schweizer Mikrofinanzfonds sind der Responsability Global Microfinance Fund und der Dexia Micro-Credit Fund von Blue Orchard. Die Fonds refinanzieren die Mikrofinanzinstitutionen, welche Kredite direkt an Kleinstunternehmer vergeben. Durchschnittlich betragen die gewährten Darlehen 1000 bis 2000 Dollar. Das Responsability-Produkt performte seit Lancierung 2003 13,4% (in Franken), jenes von Dexia seit 2001 21,8% (in Franken).