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Kreditkarten-Anbieter auf Abzocker-Tour

SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder kämpft gegen Kreditkarten-Werbung. (Bilder: Bloomberg/Keystone)

Die Kreditkarten-Herausgeberin Viseca bietet in einer grossen Werbeaktion Kunden Teilzahlungs-Optionen - auch wenn diese das gar nie verlangt haben. Die Stiftung für Konsumentenschutz ist empört - Vis

Von Volker Strohm
am 17.10.2012

«Wenn's mal fast zu bunt wird...» - so beginnt der Werbebrief von Viseca, der in den vergangenen Tagen schweizweit in viele Briefkästen geflattert ist. Die Herausgeberin von Visa- und Mastercard-Kreditkarten will ihren Kunden «finanziellen Spielraum» schmackhaft machen.

Befremdend: Auch Kreditkarteninhaber, die ihre Rechnung per Lastschriftverfahren seit Jahren automatisch fristgerecht und vollfänglich begleichen, sind Empfänger des Briefes, dem gleich entsprechende Verträge und Vereinbarungen beiliegen.

Der Grund ist einfach: Wer mit Verzögerung zahlt, füllt die Kassen von Viseca durch eine zusätzliche Zinszahlung.

SKS sind die Hände gebunden

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), bezeichnet dieses Vorgehen im Gespräch mit «Handelszeitung Online» als «Katastrophe». «Eine solche Aktion geht extrem zu weit.»

Allerdings sind der SKS die Hände gebunden, um gegen die Absender vorgehen zu können. Stalder vergleicht stellvertretend mit der Werbung für ungesunde Nahrung, die sich an Kinder richtet: Auch hier seien ihrer Organisation die Hände gebunden - nicht zuletzt auf politischer Ebene.

Viseca kontert: «Das Ziel der Aktion ist es, unseren Kunden alle Möglichkeiten aufzuzeigen, die wir ihnen mit der Benützung der Kreditkarte anbieten», erklärt Sprecherin Christine Gebhard.

Kreditkarten-Institut vs. Bank

Der Teufel bei der Teilzahlungs-Option liegt wie so oft im Detail: «Dieser Komfort kostet Sie nur dann etwas, wenn Sie davon Gebrauch machen», verspricht Viseca - nur 100 Franken der Rechnung müssen mindestens beglichen werden. In der Werbesprache heisst das so: «Dann flexibel sein, wenn es sein muss.»

Beim im Werbebrief aufgeführten Beispiel - einem Anzug von 800 Franken - müsste der Kunde bei vier Teilzahlungen zu 200 Franken unter dem Strich zusätzlich einen effektiven Jahreszins von 14,93 Prozent zahlen. Das ist deutlich mehr als beispielsweise bei Privatkrediten.

Würde der Kunde, dessen Raiffeisen-Visa-Karte das Teilzahlungsangebot ausgelöst hat, bei seiner Hausbank zur Überbrückung einen Privatkredit von 5000 Franken (mit zugegebenermassen weniger flexibler Handhabung) in Anspruch nehmen, wird dafür aktuell ein Zins von 11,9 Prozent berechnet.

Von einer Kundenfalle will Gebhard nicht sprechen: «Der Zinssatz der Teilzahlungs-Option ist transparent und klar ausgewiesen.»

Gerade die für den Kunden auf den ersten Blick schwierige Trennung zwischen Bank und Kreditkarten-Institut sei laut Stalder eine weitere «bekannte Problematik» - die Intransparenz sei verwirrend.

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