Einen echten Picasso an der Wand und eine Kiste 61er Bordeaux im Weinkeller haben sich wohlhabende Liebhaber der Künste schon seit langem gern einmal gegönnt. Doch mit der Nervosität auf den internationalen Kapitalmärkten mausern sich solche exquisiten Leidenschaften zu einer gefragten Alternative für Investitionen. «Immer mehr Leute sehen Wein als eine Anlagenklasse», sagt Andrew della Casa vom Wine Investment Fund. Und immer mehr Fonds wie der della Casas entstehen, um den Genuss mit hohen Renditen zu verbinden – und ihn so auch institutionellen Anlegern schmackhaft zu machen.

1982er Petrus für 42000 Euro

Der Markt für Kunst, Wein und Sammlerobjekte steht derzeit hoch im Kurs bei Investoren – und das gegen die allgemeine Weisheit, dass in Zeiten schwächelnder Konjunktur das Interesse an solchen Nebenanlagen normalerweise erlahmt. Fonds-Manager della Casa wundert dies nicht: Anleger hätten die Vorzüge des Weins über dessen Gourmet-Qualitäten hinaus längst erkannt, sagt er. Schliesslich könnten beim Handel mit edlen Tropfen die Gewinne durchaus überdurchschnittlich sprudeln.

So blieb das Plus des Londoner Börsenbarometers FTSE für Standardwerte im Jahr 2007 unter 4%. Der grösste Index an der Liv-ex, einer unabhängigen Handelsplattform für Spitzenweine, brachte es dagegen auf satte 40%. Aus della Casas Mund hört sich denn auch die Beschreibung der Kreditkrise an, als sei sie ein einziger Glücksfall. Schliesslich sei Wein ein Anlagenbereich, in den die Turbulenzen des Anleihen- und Aktienmarktes nicht überschwappten, sagt della Casa, dessen Wine Investment Fund umgerechnet gut 45 Mio Euro verwaltet. Und das habe für institutionelle Anleger vielleicht den letzten Anstoss bedeutet, dem Weinmarkt nach Jahren der Überlegung eine Chance zu geben. Frei nach dem Motto: «Ach, dann versuchen wir es eben mal.»

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Die meisten Kunden bei Weinauktionen sind natürlich immer noch Kenner, die regelmässig ihre eigenen Keller auffüllen. Doch eine wachsende Minderheit setzt auch darauf, Gewinne aus den besten Jahrgängen zu schlagen. Und die Preise sind durchaus erlesen: Bei Christies erhielt unlängst ein Käufer den Zuschlag für eine Kiste 1982er Chateau Petrus – für satte 42000 Euro.

Ansehnlich sind aber auch die 34 Mio Euro, für die bei Christies jüngst ein Triptychon von Francis Bacon den Besitzer wechselte. Es war der höchste Preis, der jemals in Europa für ein Kunstwerk der Nachkriegsepoche bezahlt wurde. Kunst ist also längst nicht mehr nur schmückendes Beiwerk oder Museumsinventar, sondern steht konstant auf dem Einkaufszettel der Anleger.

«Der Kunstmarkt hat keinen Einbruch erlitten, als die Internetblase platzte und es geht ihm heute extrem gut – sogar nach der Kreditkrise», sagte Robert Tomei, Chef des italienischen Fonds-Managers Advanced Capital, der gerade seinen dritten Kunstfonds eröffnet. Tomei hofft wie bei den Vorgängern wieder auf eine Rendite von jährlich 20%.

Autark, aber nicht völlig immun

Doch natürlich können der Kunst- und Weinmarkt nicht völlig immun sein gegen drastische Abschwünge. «Das Investment in Wein ist kein Wundermittel», kommentiert James Miles von der Weinbörse Liv-ex. «Man muss da schon sehenden Auges reingehen.» Doch selbst wenn es zu Preisrückgängen komme, blieben sie weit unter dem Werteverfall auf den Aktien-, Anleihen- und dem Immobilienmarkt.

Wie alle alternativen Anlagen bleiben aber auch Kunst und Wein risikoreichere Investitionen auf einem zumeist weniger liquiden Markt. Doch die Fondsmanager haben ihre Strategien, um die Risiken zu mindern: So investiert Kunstfonds-Manager Tomei nur in etablierte Maler, während sich der Weinfonds auf bereits in Flaschen abgefüllte Bordeaux-Top-Weine konzentriert – gegen die Tradition, die Tropfen bereits «en primeur» zu kaufen.