Die Zahl ist beeindruckend: 71 Billionen Dollar sollen in den nächsten 20 Jahren weltweit in Infrastrukturprojekte investiert werden. Nur wenn diese Ausgaben getätigt würden, könne laut OECD in den nächsten Jahren mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt gehalten werden.

Begründet werden die Investitionen in einer Credit-Suisse-Studie mit der starken Bevölkerungszunahme, der steigenden Urbanisierung, dem Wirtschaftswachstum und der erhöhten Mobilität. «Insbesondere in den aufstrebenden Märkten dürften diese Faktoren in den nächsten Jahren für eine anhaltend hohe Nachfrage nach neuer Infrastruktur sorgen», schreibt CS-Analyst Roger Signer. Die Projekte betreffen dabei Verkehr, Kommunikationsnetze oder Wasser- und Stromversorgung.

Doch auch in den Industrieländern werden Investitionen nötig, weil die dortige Infrastruktur zunehmend veraltet. Noch gut in Erinnerung sind regelmässige Stromausfälle in Amerika, die auf eine Überlastung der veralteten Infrastruktur zurückzuführen sind. Und der Energiebedarf wird in den kommenden Jahren noch drastisch ansteigen. Wie die Internationale Energie Agentur IEA schätzt, soll sich dieser bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2006 mehr als verdreifachen.

Anzeige

ABB ist gut positioniert

Von den steigenden Infrastrukturausgaben, insbesondere im Bereich Energie, profitiert ABB. Der Industriekonzern ist in den Bereichen Automation sowie Stromübertragung und -verteilung tätig. Dabei liegt der Fokus von ABB bei der Energieeffizienz. Damit soll der Energieverlust von der Produktionsstätte bis zum Endkonsumenten gesenkt werden. Laut ABB können mit den heute bestehenden Lösungen zur Energieeffizienz-steigerung die Verluste um 20 bis 30% reduziert werden.

«Gerade in Bezug auf Energieeffizienz spielen die aufstrebenden Länder eine wichtige Rolle. Einerseits aus Klimagründen, anderseits wegen des wachsenden Eigenbedarfs», schreibt Richard Frei, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Dank ihrer starken Position in den Emerging Markets dürfte ABB überdurchschnittlich am Wachstum partizipieren. Bereits heute generiert der Industriekonzern mehr als die Hälfte der Aufträge in diesen Ländern.Für ABB sind die längerfristigen Aussichten somit durchaus positiv. Kurzfristig ist das Unternehmen als typischer Spätzykliker allerdings weiterhin mit den Auswirkungen der Krise beschäftigt. So hat der Auftragseingang im 1. Halbjahr 2009 keine Anzeichen einer Erholung gezeigt. Und auch der im Vorfeld der 3.-QuartalsZahlen vom 29. Oktober veröffentlichte Gewinn in der Höhe von 1 Mrd Dollar lässt keine Schlüsse auf eine Trendumkehr zu. «Der Grund für die Meldung dürfte allein der unerwartet hohe Gewinn gewesen sein, der allerdings nur durch die Auflösung von Rückstellungen zustande gekommen ist», erklärt ClaridenLeu-Analyst Jakob Schöchli. Eine fundamentale Erholung sieht er nicht. «Während das von den Investitionen der Industrie abhängige Geschäft stark gelitten hat, war das Infrastrukturgeschäft, wo ABB auch von den chinesischen Konjunkturpaketen profitiert, stabiler», sagt Schöchli. Positive Auswirkungen der amerikanischen Konjunkturprogramme erwartet der ClaridenLeu-Analyst erst im 4. Quartal.Nachdem der Kurs der ABB-Titel seit Anfang Jahr um fast 44% zulegen konnte, weisen die Aktien mittlerweile einen Bewertungsaufschlag gegenüber den Konkurrenten auf. Die Mehrheit der Analysten stuft ABB daher, trotz langfristig guter Aussichten, auf «Halten». «Kursrückschläge sollte man aber zum Einstieg nutzen», so Schöchli.

Zurückhaltung bei Siemens

Wie ABB profitieren auch Siemens, Alstom oder der französische Atomtechnik-Konzern Areva von den steigenden Infrastrukturausgaben.

Die Situation bei Alstom schätzt Schöchli allerdings etwas schwieriger ein, weil das französische Unternehmen verstärkt in der Stromproduktion tätig ist. «Bis es in diesem Bereich wieder aufwärts geht, dauert es branchenbedingt etwas länger», ist der Analyst überzeugt. Alstom legt am 29. Oktober die 1.-Semester-Zahlen vor.

Der deutsche Konzern Siemens folgt am 3. Dezember mit dem Jahresabschluss. Nach dem zurückhaltenden Ausblick für das 4. Quartal, der sich kaum im Kurs ausgewirkt hat, raten einzelne Analysten zum Verkauf der Siemens-Titel.