Die Publikation der 1.-Halbjahres-Zahlen 2009 von Straumann am 11. August ist ein wichtiger Indikator für den Zustand der Medizinaltechnik im Bereich der Zahnimplantate. Der Basler Konzern ist auf diesem Gebiet die weltweite Nummer zwei. Weltmarktführer Nobel Biocare, dessen Unternehmenssitz sich ebenfalls in Basel befindet, wird das Bild am Mittwoch, 12. August, vervollständigen.

Lange galt die Branche der Zahnimplantate als konjunkturresistent, doch die 1.-Quartals-Zahlen 2009 der zwei grössten Hersteller zeichneten ein anderes Bild: Die Einnahmen von Nobel Biocare gingen im Vergleich zum Vorjahr um fast 6% zurück, jene von Straumann um 2%. Es handelt sich um einen Trend, der seit Anfang 2007 anhält und die Aktienkurse der beiden Unternehmen erheblich beeinträchtigt hat: Die Valoren von Nobel Biocare verloren 70%, jene von Straumann 36%.

Zahnärzten fehlen die Patienten

Erhebliche Schuld an der Branchenkrise tragen abnehmende Zahnarztbesuche in wirtschaftlich schwachen Zeiten. In den meisten Ländern müssen nämlich Zahnimplantate von den Patienten selber berappt werden. Ein weiteres, wenngleich kleineres Problem ist der Markteintritt von Billiganbietern, die mit Discount-Preisen die etablierten Hersteller konkurrieren. Zumindest dieser Trend dürfte sich abschwächen - ab 2010 etwa fordert die europäische Medizinprodukterichtlinie einen klinischen Nachweis für den Nutzen der Implantate. Sowohl die Produkte von Nobel Biocare wie auch jene von Straumann sind bereits durch klinische Studien dokumentiert und verifiziert.

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Laut Vontobel-Analyst Christoph Gubler werden sich die Marktbedingungen in absehbarer Zeit nicht verbessern. Straumann stehe besser da als Nobel Biocare, da sie über dynamischere Produkte wie «Bone Level» oder «Roxolid» verfüge und mit Etkon einen geschickten Zukauf getätigt habe. Trotzdem bewertet Gubler die Straumann-Aktie mit «Reduce».

Auch für Nobel Biocare gibt Gubler eine Verkaufsempfehlung ab, bei einem Kursziel von 18 Fr. (aktuell: 28 Fr.). Aufgrund interner Probleme und Veränderungen im Managementbereich habe Nobel Biocare Marktanteile an Straumann verloren, bleibe aber die Nummer eins, so Gubler. Generell zeige sich klar, dass der Markt für Zahnimplantate zyklischer geworden sei. Dies sei typisch für Märkte, die noch am Anfang ihres Lebenszyklus stünden.

In den eben veröffentlichten 1.-Halbjahres-Zahlen 2009 von Straumann zeichnet sich nun jedoch ab, dass der Markt für Dentalimplantate den Tiefpunkt erreicht haben könnte. Zwar resultierte nach wie vor ein Umsatz- und Ebit-Rückgang, Straumann konnte jedoch den Gewinn leicht steigern.

Günstigeres Umfeld für Synthes

Deutlich besser gestaltet sich derzeit das Umfeld für Synthes, die ebenfalls in der Medizinaltechnik zu Hause ist. Im Unterschied zu Nobel Biocare und Straumann ist Synthes im Orthopädiebereich tätig und hat sich auf die Herstellung von Instrumenten, Implantaten und Biomaterialen für die Traumatologie (orthopädische Unfallchirurgie) spezialisiert. Das 1.-Halbjahres-Ergebnis 2009 von Synthes glänzte mit einem Umsatzwachstum von 11,2% in Lokalwährungen. Der Aktienkurs reagierte auf die Meldung mit einer Avance von 9%. Ausser in Nordamerika zeichnete sich das Geschäft überall durch ein zweistelliges Wachstum aus.

Die ZKB-Analysten erwarten, dass Synthes auch im 2. Halbjahr 2009 im tiefen zweistelligen Bereich wächst. Sie bewerten Synthes als defensives und solides Unternehmen, das überzeugende Ergebnisse in allen Sparten abliefere. Die ZKB stuft die Synthes-Aktie mit «Übergewichten» ein und gibt ein Kursziel von 150 Fr. (aktuell: 121 Fr.) an.

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NACHGEFRAGT

«Wir liegen nur knapp hinter Nobel Biocare»
Beat Spalinger, CFO und designierter CEO von Straumann, bestätigt den Wachstumskurs des Dentalimplantateherstellers. Straumann mache sich daran, Erzkonkurrentin Nobel Biocare zu überholen.

Straumann hat anlässlich der Veröffentlichung ihrer 1.-Halbjahres-Zahlen 2009 angekündigt, in der 2. Jahreshälfte höhere Investitionen zu tätigen. Können Sie uns Beispiele für Wachstumsprojekte nennen?

Beat Spalinger: Der Fokus liegt nicht primär auf Wachstumsprojekten, sondern es geht darum, antizyklisch zu handeln. Wir planen beispielsweise den Ausbau der Salesforce in den USA sowie für das regenerative Geschäft in Europa. Zudem werden wir weitere Mittel in die Entwicklung investieren.

Auch von Akquisitionen war die Rede. Haben Sie bestimmte Unternehmen im Visier?

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Spalinger: Grundsätzlich ist

Straumann bisher durch organisches Wachstum gut gefahren. Was Akquisitionen betrifft, so kann ich nur sagen, dass wir eine hohe Cash-Position aufweisen und schuldenfrei sind. Unsere Eigenkapitalquote beträgt 80%. Damit befinden wir uns in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in einer sehr guten Ausgangslage.

Straumann hat weitere Marktanteile dazugewonnen sind Sie bald die Nr. 1 auf dem Markt für Zahnimplantate?

Spalinger: Mittlerweile liegt

Straumann nur noch knapp hinter Nobel Biocare zurück, möglicherweise haben wir sie sogar bereits eingeholt. Für eine detailliertere Standortbestimmung müssen wir aber die vollständigen Zahlen für 2009 abwarten.

Dürfen die Investoren aufgrund der leichten Gewinnerhöhung eine Erhöhung der Dividende erwarten?

Spalinger: Straumann verfolgt eine klare Dividendenpolitik: Ein Drittel des Gewinns wird in Form von Dividenden ausgeschüttet. Der Verwaltungsrat von Straumann wird Anfang 2010 die Lage neu beurteilen.

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