Das 1. Börsensemester 2008 war kein Zuckerschlecken für den Versicherer Zurich Financial Services (ZFS): Seit Jahresbeginn haben die ZFS-Valoren rund 14% an Wert verloren. Und nun, nach der Ergebnisberichterstattung vom 13. August, muss sich das Unternehmen erneut einem widrigen Umfeld stellen. «Operativ steht in der Nichtlebensversicherung für die 2. Jahreshälfte erfahrungsgemäss eine höhere Schadenbelastung an», sagt Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Also höhere Verluste und damit kaum Entlastung für die Kurse.

Doch ZFS ist nicht die einzige Versicherung, welche die Skepsis der Anleger zu spüren bekommt.

Wolken am Branchenhimmel

Die Finanzkrise hat neben den Banken den Kursen der meisten Versicherungen ebenfalls einen Dämpfer versetzt. «Die Versicherer sind branchenweit massgeblich in Aktienanlagen investiert und darum von einer schlechten allgemeinen Börsenentwicklung wie andere Finanzwerte ebenfalls betroffen», erklärt Marti die Kurstaucher. Zusätzlich verdüstert haben das Bild die reichlichen Negativschlagzeilen von einigen Playern im Assekuranzsektor. Darunter etwa der weltweit grösste Versicherer American International Group (AIG). Die Aktionäre reagierten schockiert auf den dritten hohen Verlust (diesmal 5,4 Mrd. Dollar) in Folge. Mit einem Kurssturz von satten 18% dem grössten Rückgang seit 1981 straften sie AIG ab. Nicht nur die Erwartungen der Anleger hatte der Versicherungsriese verfehlt. Auch die Analysten hatten eigentlich mit einem Gewinn gerechnet. Immerhin wurde dem Konzern noch im Mai 2008 eine Kapitalspritze von 20,3 Mrd Dollar verpasst.

Axa überrascht positiv

Die Valoren der deutschen Allianz waren nach Publikation der 2.-Quartals-Zahlen ebenfalls weniger gesucht. Zwar wurde die Entwicklung des Versicherungsgeschäfts in Marktkreisen als «solide» bezeichnet, aber das Bankensegment (Dresdner Bank) wird von Abschreibungen beeinträchtigt. Nichtsdestotrotz empfehlen über drei Viertel der Analysten die Aktien zum Kauf. «Positiv hervorzuheben ist die Ertragskraft im Versicherungsgeschäft», erklärt Vontobel-Analyst Uwe Otten sein «Buy»-Rating.

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Als eine Überraschung im positiven Sinne haben sich im Gegensatz zur Hiobsbotschaft bei AIG und dem Dämpfer bei Allianz die jüngsten Geschäftszahlen der französischen Axa erwiesen. Der operative Gewinn stieg um 3% auf 2,8 Mrd Euro. Der Nettogewinn sank zwar im 1. Halbjahr infolge Wertberichtigungen um 32% auf 2,2 Mrd Euro, doch Axa gibt sich zuversichtlich, im Gesamtjahr ein Betriebsergebnis auf dem Rekordniveau des Vorjahres erwirtschaften zu können. Sofern es zu keiner «substanziellen Verschlechterung» der Marktlage käme, ergänzt das Management. Der Aktienkurs stieg in der Folge um 6%. Die Schweizer Tochtergesellschaft Axa Winterthur ist nach ZFS und Swiss Life der weltweit drittgrösste Schweizer Privatversicherer.

Günstige Bewertungen im Sektor

Im Gegensatz zu den meisten Assekuranzen vermochte Swiss Life ihren Börsenwert seit Jahresbeginn aufrechtzuerhalten. Dessen ungeachtet reduzierte jüngst Vontobel-Analyst Viktor Dammann wegen Finanzmarktturbulenzen seine Schätzungen für den Gewinn pro Aktie und das Kursziel der Aktie. Am 28. August publiziert Swiss Life ihre 1.-Halbjahres-Zahlen. Dammann erwartet, dass der Gewinn in 1. Semester bedeutend grösser als im 2. ausfallen wird. Für die Swiss-Life-Aktie spricht, dass die Firma weiterhin als Übernahmekandidatin im Gespräch ist.

Generell machen die allgemein tiefen Bewertungen im Sektor Akquisitionen wieder zum Thema und sorgen für Fantasie. ZFS hat vor kurzem einen kleineren Zukauf in Brasilien getätigt. Weniger als Käufer denn als potenzielle Braut im Gespräch ist neben Swiss Life vor allem Bâloise. «Bei Bâloise würde kein Grossaktionär eine Übernahme blockieren», erklärt Marti. Dies sei auch der Grund, weshalb über Helvetia, National und Swiss Re weniger Gerüchte zu hören sind.