Die Vorteile einer Vermögensverwaltung liegen auf der Hand: Der Kunde überträgt die Anlageentscheide weitgehend einem Investmentspezialisten im Portfolio-Management, der sich um die Entwicklung an den Börsen kümmert und auf diese je nach Marktentwicklung reagiert. Für eine definierte Verwaltungsgebühr wird der Kunde entlastet, gewinnt Freizeit und erzielt am Ende des Jahres im Idealfall eine hohe Performance.

Die Kehrseite der Medaille einer Vermögensverwaltung ist jedoch, dass die Transparenz über die getätigten Anlagen während des Jahres eher gering ist. Vor allem in der aktuell schwierigen Lage in der Finanzwelt mit hohen Volatilitäten an den Märkten und täglich neuen Hiobsbotschaften dürfte dies manchem Investor schlaflose Nächte bereiten. Schliesslich gibt der Anleger bei einer Vermögensverwaltung die Entscheidungsverantwortung ab, was ein hohes Vertrauen gegenüber dem Finanzinstitut oder dem Verwalter voraussetzt.

Vertrauensdefizit festgestellt

Doch um dieses Vertrauen steht es in der Vermögensverwaltung nicht zum Besten und zwar nicht erst seit der Finanzkrise der vergangenen Monate. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte unter Vermögensverwaltungskunden mit einem Kapital von über 30 Mio Fr. (Ultra-High-Net-Worth-Clients), die sich auf Befragungen Anfang 2008 stützt, hat beim Vertrauen noch erhebliches Verbesserungspotenzial ausgemacht.

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So würden beispielsweise viele vermögende Privatpersonen heute verstärkt externe Berater damit beauftragen, ihre Vermögensverwalter zu überwachen. «Die Studie hat Vertrauensdefizite in den Bereichen Verlässlichkeit, Kundennähe und Glaubhaftigkeit festgestellt», erklärt Daniel Kobler, Mitverfasser der Erhebung und Leiter Strategy Consulting bei Deloitte. Noch immer werden die Vermögensverwalter, insbesondere wenn es sich um Angestellte einer Bank handelt, aus Kundensicht als «Produkte-Pusher» wahrgenommen, über deren Beratungsqualität und deren Fähigkeiten ebenfalls Zweifel bestehen.Ein Grund für diese Einschätzung ist laut der Studie die ungenügende Segmentierung anhand der Kundenbedürfnisse. «Wir haben die Kunden in fünf Typen, den Executive, den Erben mit Finanzbackground und ohne, den Real-Estate-Investor und den Entrepreneur, unterschieden», zeigt Kobler einen Segmentierungsansatz auf.

Bisher wenige Reklamationen

Eine genaue Kundenanalyse ist denn auch eine Voraussetzung, um die Richtlinien der Informations-, Sorgfalts- und der Treuepflicht zu erfüllen, welche die Vermögensverwalter zu erfüllen haben und die dem Kunden besonders auch im Hinblick auf turbulente Zeiten garantieren, dass sein Vermögen nach seinen Wünschen und Anforderungen angelegt ist. Insbesondere die exakte Erhebung des Risikoprofils der Kunden ist unverzichtbar, damit diese bei volatilen Finanzmärkten kein böses Erwachen erleben.

Und solche bösen Überraschungen sind bisher weitgehend ausgeblieben mit Ausnahme der Anleger, die in strukturierte Produkte von Lehman Brothers investiert haben und nun nach der Pleite der Investmentbank mit einem Totalverlust rechnen müssen. «Wir hatten bislang keine Reklamationen von Kunden unabhängiger Vermögensverwalter», erklärt diesbezüglich Sergio Ceresola, Leiter der Selbstregulierungsorganisation des Verbandes Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV).

Anlageklasse entscheidend

Während die Vermögensverwaltungskunden aufgrund der ausführlichen Medienberichterstattung über die mit der Finanzkrise verbundenen Probleme an den Börsen informiert sein sollten, ist dagegen fraglich, ob allen Mandanten bewusst war, dass in einer professionellen Vermögensverwaltung auch strukturierte Produkte eingesetzt werden und diese je nach Ausgestaltung zu einem Übergewicht an Aktien führen können.

Dieses Phänomen kann nämlich selbst ein gut geführter Anlageprozess nicht verhindern, wenn die derivativen Instrumente der falschen Anlageklasse zugeteilt wurden. So wiegt sich ein Kunde, der in seinem Depot ein strukturiertes Produkt unter der Rubrik Obligationen findet, möglicherweise in falscher Sicherheit. «Zum Einsatz von strukturierten Produkten im Verwaltungsmandat gibt es für die Mitglieder des VSV klare Vorschriften, die eine umfassende Risikoaufklärung beinhalten», entgegnet Ceresola.

Markt nicht ausgeschöpft

Über die Zu- und Abflüsse von Geldern aus der Vermögensverwaltung in den vergangenen Monaten sind noch keine statistischen Angaben erhältlich. Sicher ist, dass die verwalteten Vermögen aufgrund der Korrektur an den Finanzmärkten deutlich zurückgekommen sind.

Zumindest längerfristig sollte der kaum ausgeschöpfte Markt mit Hilfe einer optimierten Kundensegmentierung, eines angepassten Produkte- und Serviceangebots, von verbesserten Prozessen und einer professionellen IT-Infrastruktur weiter wachsen. Denn noch ist der Grossteil der Vermögen in illiquiden Anlagen gebunden, die erst in den kommenden Jahren angelegt werden sollen.