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Krise zwingt Fonds zum Aderlass

Sie gelten als sicherer Hafen, um Geld kurzfristig und sicher zu parken. Die Kreditkrise hat aber gezeigt, dass man mit Geldmarktfonds auch verlieren kann. Denn viele Fonds nehmen für eine bessere Ren

Von Patrick herger
am 10.10.2007

GELDMARKTFONDS. Anleger glauben vielfach, in einen Geldmarktfonds investierte Ersparnisse seien genauso sicher wie das Geld auf einem Bankkonto. Die Turbulenzen auf den Kreditmärkten haben aber gezeigt, dass dem nicht so ist. Auf Dollar spezialisierte Geldmarktfonds mussten in den letzten drei Monaten beispielsweise im Durchschnitt einen Verlust von über 3,8% hinnehmen. Auf Schweizer Franken spezialisierte Geldmarktfonds erreichten im Durchschnitt zwar ein Plus von 0,2% in den letzten drei Monaten. Aber der schlechteste Fonds, Julius Bär ABS -B-, verlor in diesem Zeitraum über 4,5%.

Unterschiedliche Profile

Wer sich die Entwicklung einiger Geldmarktfonds in der letzten Zeit anschaut, kann feststellen, dass die Krise an einigen Fonds praktisch spurlos vorüberzugehen scheint. Andere verspüren dagegen offensichtlich einen kräftigen Gegenwind. Einer der wichtigsten Gründe für die unterschiedliche Entwicklung von Geldmarktfonds ist, dass jeder Fonds ein unterschiedliches Risikoprofil hat. Es gibt sehr konservative Fonds, welche praktisch nur in herkömmliche Geldmarktinstrumente investieren wie Bankguthaben oder kurzfristige Termingelder. Es gibt allerdings auch Geldmarktfonds, welche eine höhere Rendite erreichen wollen. Und «damit das möglich ist, müssen diese Fonds aber auch ein höheres Risiko in Kauf nehmen», weiss Christian Michel von Feri Rating & Research, dem grössten bankenunabhängigen Vermögensberater Deutschlands. «Diese Fonds bezeichnet man aufgrund der Beimischung von risikoreicheren Produkten als geldmarktnahe Fonds.»Solche geldmarktnahen Fonds investieren zum Beispiel auch in sogenannte Asset Backed Securities (ABS): Wertpapiere, die durch Vermögenswerte abgesichert werden, wobei diese Vermögenswerte vielfach das Recht auf zukünftige Zahlungsströme verbriefen. Das können beispielsweise die gebündelten Kreditkartenschulden von vielen einzelnen Konsumenten sein oder die Zahlungsströme von Hausbesitzern, welche eine Hypothek aufgenommen haben. Einige dieser mit US-Hypotheken besicherten ABS haben im Verlauf der Kreditkrise gewaltig an Wert eingebüsst. ABS sind deshalb vielen Investoren suspekt geworden, auch wenn es innerhalb der Anlageklasse ABS sehr grosse Unterschiede gibt. Bei weitem nicht alle ABS haben mit Hypotheken zu tun, es gibt extrem solide, sichere ABS. Im Verlaufe der Kreditkrise sind die ABS aber fast zu einem Synonym für problematische Anlagen geworden, und viele Investoren machen keine Unterschiede mehr; ABS gelten seither gemeinhin als gefährlich. Dieser Generalverdacht drückt natürlich den Wert von Geldmarktfonds, welche ABS in ihrem Portfolio haben. Aber «bei auf Schweizer Franken lautende Geldmarktfonds gibt es bisher keine Probleme», so Christian Michel. «Nur einige auf Euro lautende Geldmarktfonds haben im letzten Monat aber nicht so gut abgeschnitten.»

Höhere Prämie drückt Rendite

Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden von Geldmarktfonds in jüngster Zeit sind die Unsicherheiten über die Grösse der Risiken im gesamten Kreditmarkt. Diese Unsicherheit bewirkt, dass der sogenannte Liquiditätsspread steigt, der Abstand zwischen der Verzinsung von Staatsanleihen und der Verzinsung von Pfandbriefen. Während die Staatsanleihen wegen der Turbulenzen an den Kreditmärkten zu den Gewinnern gehören, steigt für alle anderen Papiere der Risikozuschlag. Die Investoren wollen für das Risiko, dass sie ihr Geld zur Verfügung stellen, besser entschädigt werden. Das bedeutet, dass die Kurse aller zinssensitiven Papiere sinken müssen, weil eine höhere Verzinsung einen tieferen Kurs bedeutet. Damit sorgt dieser Umstand dafür, dass auch die Papiere im Wert sinken, welche die Geldmarktfonds in ihrem Portfolio haben. Denn kein Geldmarktfonds hält nur die als absolut sicher geltenden AAA-Bundesanleihen.Ein zusätzliches Problem für Geldmarktfonds entsteht durch die Haltung der Banken. Diese wollen sich für alle Eventualitäten wappnen und horten grosse Liquiditätsreserven. Weil sie eigentlich gar keine Wertpapiere halten, sondern grosse Bargeldreserven aufbauen wollen, stellen sie nur sehr tiefe Kurse selbst für die besten und solidesten Titel. Wenn ein Marktteilnehmer seine Papiere zu diesem unattraktiven Preis doch verkaufen will oder muss, werden die Kurse weiter nach unten angepasst. Bei den meisten Geldmarktpapieren hat deshalb in der letzten Zeit die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs enorm zugelegt.

Worauf Anleger achten müssen

«Anleger müssen sich darüber klar werden, dass eine höhere Rendite auch ein höheres Risiko mit sich bringt», erklärt Christian Michel. «Jeder Investor sollte sich so gut wie möglich über die in Frage kommenden Fonds informieren und sich dann entscheiden, welches Risiko er grundsätzlich zu tragen bereit ist.» Wer einen Geldmarktfonds kauft, kann oft schon am Namen des Produkts erkennen, wenn ein Geldmarktfonds ein höheres Risiko eingeht. Hinweise geben etwa Begriffe wie «Rendite plus» oder «Enhanced Yield». Die Rendite ist generell ein wichtiger Hinweis auf das Risiko. Der Käufer kann sich zudem aber auch fragen, wie es um die Kreditqualität des Fonds bestellt ist, und wie solide die finanzielle Basis des Emittenten ist. Zudem lohnt es sich, wenn sich potenzielle Investoren darüber informieren, welche Anlageklassen im Portfolio gehalten werden, und wie sich diese genau zusammensetzen.Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt sind die Gebühren. Oft bleibt vom Zinsgewinn langfristig nichts oder kaum noch etwas übrig, nachdem alle Auslagen abgezogen wurden. Es empfiehlt sich daher, nur Geldmarktfonds zu kaufen, die ohne Ausgabeaufschlag ausgegeben werden und jährliche Managementgebühren von weniger als 0,5 Prozent verlangen.

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