Dass die Baubranche stets mit grösserer Zeitverzögerung auf gesamtwirtschaftliche Ausschläge reagiert, zeigt sich bei den jetzigen Wirtschaftsturbulenzen einmal mehr. Der Bausektor ist erstaunlich gut ins neue Jahr gestartet - wohl als Folge des bis ins letzte Quartal 2008 angehaltenen guten Auftrags- und Beschäftigungspotenzials. Das zeigt sich nach der Beurteilung durch bauenschweiz insbesondere im Immobilienbereich, der sich bemerkenswert krisenresistent erweist.

Im Wohnungsbau hält die Nachfrage weiter an und das Investitionsniveau zeigt sich ungebrochen. Im Wirtschaftsbau wird der Konjunkturabschwung eine Trendwende einläuten. Der grosse Nachholbedarf bei Renovationen und energetischen Sanierungen bringt Auftragspotenzial für das Baugewerbe - stimuliert durch die vom Bund eingeleiteten Konjunkturförderungsprogramme.

Ohne Turbulenzen

Während weltweit die Immobilien rund ein Drittel aller Vermögenswerte repräsentieren - und demzufolge massiv auf die Finanzturbulenzen reagieren -, entpuppt sich der Schweizer Wohnungsmarkt als resistent. Dem kommt entgegen, dass Wohneigentum hierzulande durch die von den Banken restriktiv gehandhabte Belehnungspraxis meist grundsolide finanziert und die Kreditversorgung weitgehend gewährleistet ist. Die auf absoluten Tiefstwerten liegenden Hypothekarzinsen tragen das Ihre zu einem anhaltenden Boom beim Wohneigentum bei. Das gilt nicht nur für private Investitionen in Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Auch professionelle Investoren konzentrieren sich mangels anderer sicherer Anlageformen vermehrt auf den Immobilienmarkt.

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Dieser Sog hin zu Sachwerten in Form von Renditeliegenschaften widerspiegelt sich auch in den Preisen. Bei den Mehrfamilienhäusern zeigt die transaktionsbasierte Preisentwicklung für das ganze Jahr 2008 ebenso nach oben wie für Einfamilienhäuser und Stockwerkeigentum. Allerdings dürfte im Segment Einfamilienhäuser der Zenit erreicht sein, wohingegen die Eigentumswohnungen von weiterer Preisdynamik geprägt sein werden.

Anhaltender Preisauftrieb

Diese Entwicklung schlägt sich noch nicht voll auf die Statistik der Baupreise nieder. Diese sind in der Jahresperiode Oktober 2007 bis Oktober 2008 um 3,7% und im Sommerhalbjahr 2008 allein um 1,8% gestiegen. Das zeigt nach Ansicht des Statistikamts, dass sich die abgeschwächte Konjunktur, die Preisreduktionen für gewisse Materialien wie Erdöl und Stahl sowie die Turbulenzen an der Börse noch nicht auf das allgemeine Preisniveau ausgewirkt haben.

Demgegenüber wird von Unternehmerseite festgehalten, dass die Margen am Bau weiterhin unter Druck sind. Trotz den von den Unternehmen in den vergangenen drei Jahren für Bauleistungen erzielten höheren Preisen konnten die gestiegenen Energie- und Materialkosten nur in beschränktem Masse überwälzt werden.