Die letzte Woche wird in die Geschichtsbücher der Börsianer eingehen. Der rabenschwarze Wochenbeginn mit dem Konkurs von Lehman Brothers und der Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America schickte die Kurse der Finanztitel weltweit auf Talfahrt. Ende Woche erfolgte dann das grosse Aufatmen: Am Freitag sorgten Gespräche über einen 700 Mrd Dollar schweren Auffangfonds der US-Regierung für ein wahres Kursfeuerwerk.

Auch die Schweizer Aktien blieben von den Erschütterungen in Übersee nicht unberührt und verzeichneten heftige Kursausschläge. Nachdem der Swiss Market Index (SMI) zu Wochenbeginn Verluste hinnehmen musste, schloss der Schweizer Leitindex am Freitag 6% höher. Auch am breiter gefassten Swiss Performance Index (SPI) tat sich einiges.

Überraschender Sieger unter den SPI-Valoren in der bedeutungsvollen Woche ist mit über 30% Plus der Bauriese Holcim. Grund für den tosenden Applaus der Aktionäre ist der Einstieg des russischen Marktleaders Eurocement. Patrick Laager, Analyst bei der Bank Vontobel, geht davon aus, dass die Eurocement-Gruppe ihren Anteil an Holcim weiterhin ausbaut. «Von einer Zusammenarbeit würden beide Unternehmen profitieren», so der Analyst weiter. Am Montag brach die Aktie nach dem rasanten Rally durch Gewinnmitnahmen dann aber um 18% ein.

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Von Aufholpotenzial geschöpft

Auf dem zweiten Podestplatz nimmt der Vermögensverwalter EFG International Platz. Der Banken-Titel schloss Ende Woche 15,8% höher. Vontobel-Analyst Tobias Brütsch erachtet die Aktie als eher zu tief bewertet. Daher biete sie gewisses Aufholpotenzial. «Der Einbruch zu Wochenbeginn im Zusammenhang mit dem Marktumfeld war sicherlich stärker als beispielsweise bei Julius Bär oder Sarasin und somit ungerechtfertigt hoch», sagt Brütsch ausserdem. Einen Wochenkursgewinn von 12,6% verzeichnet der Stahlkonzern Schmolz & Bickenbach. Für Schub sorgte die Präzision der Prognose für das Gesamtjahr des Unternehmens. Anlässlich der Swiss Equity Conference erklärte Geschäftsführer Axel Euchner, er sei relativ optimistisch, dass im 2. Halbjahr ein besseres Ergebnis erzielt werde als in der Vorjahresperiode.

Zu den Gewinnern darf sich auch Lindt & Sprüngli zählen. Die Aktie legte in der Woche rund 12,5% zu. «Auf diesem Niveau erschien der Titel wohl vielen Anlegern wieder interessant», erklärt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Verlierer der Woche ist Edipresse

Wochenverlierer hingegen sind die Valoren des Verlagshauses Edipresse. Nachdem am Freitag der Kurs um 24% absackte, avancierten die Aktien am Montag darauf um 34%. Helvea-Analyst Chris Burger führt das volatile Gebahren der Titel auf die Illiquidität zurück. Am Montag sind gerade mal 24 Aktien des Medienhauses gehandelt worden. Ebenfalls deutliche Abgaben verzeichnete das IT-Generalunternehmen redIT. Ende August musste redIT das erste Halbjahr mit einem Verlust von 2,5 Mio Fr. abschliessen. An der Swiss Equity Conference letzte Woche beteuerte CEO René Kissling, er sei überzeugt, dass der Turnaround geschafft werde.

Ebenfalls am unteren Tabellenrand befindet sich die auf alternative Anlagen spezialisierte Gottex Funds Management. Mit einem Rückgang von 18,9% belegen die Titel den drittschlechtesten Platz der 229 Titel im SPI. Gottex musste letzten Mittwoch einen um 28% tieferen Gewinn bekannt geben.