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Interview
Kryptowährungen: «Alle Anzeichen einer Übertreibung»

Skyline von Mumbai
Mumbai: Schwellenländer haben dieses Jahr ihr Potenzial lediglich angedeutet.Quelle: Getty Images/Frédéric Soltan/Kontributor

Folgt auf das gute Börsenjahr 2017 ein ebenso gutes 2018? Wo Aktienexperte Jacques Stauffer das grösste Potenzial und die grössten Risiken für das kommende Jahr verortet.

Von Julia Fritsche
am 15.12.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Es ist ein zähes Ringen zu beobachten. Einmal gewinnen die Skeptiker die Oberhand, ein anderes Mal bewegen die Zuversichtlichen die Aktienmärkte. Die Folge davon ist für viele Anleger ein Wechselbad der Gefühle und eine grosse Unschlüssigkeit, wie es weiter gehen wird. Unsere proprietären Risikoindikatoren weisen nach wie vor auf ausgezeichnete Marktverhältnisse und tiefe systemische Risiken hin. Aus Sicht des effektiven und prospektiven Risikomanagements sollten Anleger in ihren Portfolios das höchstmögliche Risiko eingehen. An den Sachwertmärkten herrschen seit 13 Monaten vorteilhafte Verhältnisse, und solange sich diese Basis nicht verschlechtert, erwarten wir weiterhin steigende Sachwertkurse.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Trotz der erfreulichen Avancen der letzten Monate erwarten wir in den kommenden Wochen eine anhaltend positive Entwicklung der Schweizer Börse. Eine Vielzahl von Aktien verzeichnen bereits erhöhte Bewertungen, doch die Gewinndynamik der Unternehmen wird sich vorteilhaft entwickeln. Dies dürfte vor allem für die zurückgebliebenen Finanzwerte und Aktien von Luxusgüterproduzenten zutreffen, aber weiterhin auch für Industrietitel. 

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Die Schweiz ist innovativ, und sie beweist sich in den unterschiedlichsten Branchen immer wieder als Pionierin. Wie sieht dies aber in den dominierenden Branchen unseres Indexes aus? In der Pharmaindustrie halten wir dem internationalen Druck stand. In der Finanzindustrie leider nicht. Der erwarteten Rotation scheinen die Flügel erheblich gestutzt zu sein. Deshalb erwarten wir für den SMI in einem Jahr nur moderat höhere Notierungen.

Das Jahresende naht, welche Lehre sollten Anleger aus diesem Jahr ziehen?
Manchmal ist kein Risiko einzugehen das grösste Risiko. Das Jahr 2017 wird sich in diesem Sinne nicht wiederholen oder aufholen lassen. Dennoch ist der beste Rat, mit allem zu rechnen, und das gilt auch für das Jahr 2018. Die Risikoverhältnisse verändern sich, und sie lassen Renditen entstehen – und nicht umgekehrt. Statt unsichere Renditeprognosen ist eine Konzentration auf die Analyse des künftig zu erwartenden Risikos zu empfehlen. Im Jahr 2017 hat sich dieser Ansatz ausserordentlich gut gelohnt, und wir können ihn nur weiterempfehlen.

Welcher Anlageklasse trauen Sie 2018 viel zu?
In den Aktienmärkten sehen wir weiterhin das grösste Potenzial. Besondere Aufmerksamkeit sollten Investoren den Emerging Markets schenken: Sie haben im Jahr 2017 mit ihrer ausserordentlich guten Performance ihr Potenzial lediglich angedeutet. Die Frage, ob mit Kryptowährungen eine neue Anlageklasse entsteht, schien uns nur durch ein praktisch durchgeführtes ICO (Initial Coin Offering) zu beantworten. Dabei sind unsere Erkenntnisse, wie die bereits gefassten Meinungen am Markt, sehr vielfältig ausgefallen.

Was sehen Sie als die grössten Risiken des nächsten Jahres an?
Aktuell boomt die Entwicklung von Kryptowährungen, und die damit verbundene Blockchain-Technologie geniesst grosses Interesse. Während Kryptowährungen alle Anzeichen einer Übertreibung aufweisen, werden auf der Blockchain basierende Applikationen und Geschäftsmodelle künftig einen Einfluss auf viele Bereiche unseres täglichen Lebens haben. Namhafte Institutionen und Pfeiler unserer Wirtschaft sind von dieser Entwicklung herausgefordert. Disruption kann grössere Blessuren nach sich ziehen. Zudem scheinen gewisse Entscheidungsträger die Auswirkungen ihrer Aktionen zu unterschätzen und die Schwelle zur Provokation zu überschreiten. Märkte zeichnen sich lange durch eine gewisse Gelassenheit aus, wird die Toleranzgrenze jedoch erreicht, reagieren sie.

Was ist nach den jüngsten Zinsentscheiden der Fed, EZB, BoE und SNB für das nächste Jahr zu erwarten?
Die jüngsten Zinsentscheide waren nicht überraschend. Die US-Notenbank Fed hat für das Jahr 2018 drei weitere Zinserhöhungen angekündigt. Viele Investoren sind deswegen äusserst vorsichtig und leiten daraus Rückschlagspotenzial ab. Die moderate Zinserhöhung hat jedoch auch einen normalisierenden Effekt, und sie erfolgte in der Überzeugung, dass sich die Konjunktur auf einem prosperierenden Pfad befindet. Vor dem Hintergrund des aktuellen Zinsniveaus ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen.

* Jacques E. Stauffer ist Gründungspartner und CEO beim Vermögensverwalter Parsumo Capital AG. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und in der Beratung institutioneller und privater Anleger, unter anderem bei der Credit Suisse.

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