Die Wall Street ist bekannt dafür, aus ihren Fehlern nicht zu lernen. Vielleicht gelingt das Maschinen besser. Das ist die Hoffnung einer wachsenden Zahl von Investoren, die sich, wenn es um Investmententscheidungen geht, lieber auf künstliche Intelligenz verlässt. Dabei schreiben Computerexperten nicht einfach nur Programme, die anhand bestimmter Eingaben Entscheidungen treffen. Sie richten das System auch so ein, dass es aus Entscheidungen lernen kann. Ein Start-up im Rennen der künstlichen Intelligenz an der Wall Street ist der kleine New Yorker HedgeFonds Rebellion Research mit einem Kapital von etwa 7 Mio Dollar, der ein selbst entwickeltes Programm nutzt, um in Aktien zu investieren. Rebellion, der von einem kleinen Team aus Mathematikern und Computercracks geleitet wird, hat einen soliden Track-Record. Die Performance liegt seit Start 2007 nach Gebühren im Schnitt immer um 10% über der des S&P-500-Index. Wie für viele HedgeFonds ist auch das Ziel von Rebellion, den Markt zu schlagen.

Computer werden schneller

«Es ist ziemlich klar, dass sich Menschen nicht verbessern», sagt der 27-jährige Spencer Greenberg, der Kopf hinter dem Rebellion- System. «Computer und Algorithmen hingegen werden immer schneller und zuverlässiger.» Rebellion ist nur eine von vielen Firmen, die lernfähige Maschinen zum Handeln nutzen. Cerebellum Capital, ein Hedge-Fonds aus San Francisco mit einem verwalteten Vermögen von 10 Mio Dollar, begann damit 2009. Etliche Hochfrequenz-Handelshäuser wie RGM Advisors und Getco nutzen lernfähige Maschinen, um Programme zu entwickeln, die Aktien in Sekundenbruchteilen handeln.

Rebellion dagegen hält Aktien normalerweise für eine lange Periode - durchschnittlich vier Monate, manchmal mehr als zwei Jahre. Die Firma geht auch nicht short bei Aktien, hebelt nicht oder nutzt Fremdkapital. So bleiben die Risiken überschaubar. Das Rebellion-Programm überwacht etwa 30 Faktoren, die die Performance einer Aktie beeinflussen können, etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Zinsen. Das Portfolio ist aktuell grösstenteils defensiv aufgestellt. Eine der grössten Positionen sind Goldaktien. «Die defensive Ausrichtung hat mir zuerst Sorgen bereitet», so Greenberg-Kompagnon Alexander Fleiss. Doch bisher erwies sie sich als richtig. «Ich habe gelernt, künstliche Intelligenz nicht infrage zu stellen», so Fleiss.

Anzeige