Wie sicher ist mein Geld bei der UBS?» «Soll ich meine Konten bei der UBS auflösen?» «Droht der UBS ein weiterer, undenkbarer Bankrott à la Swissair?» Kein Zweifel, viele Bürger sind verunsichert, was den Fortbestand ihrer grössten Bank angeht.

Entscheidend ist jetzt die Frage, ob das Wealth Management, das das Geld der vermögenden Kundschaft verwaltet, wirklich nichts von der Krise im Investment Banking abbekommen hat. Bedingt durch die schlechte Marktlage dürfte das von der UBS verwaltete Vermögen im 4. Quartal auf natürlichem Wege – wie bei anderen Vermögensverwaltern auch – geschrumpft sein. Sorge bereitet den Beobachtern aber die Summe der zu- oder abgeflossenen Kundenvermögen.

Bestätigt sich die pessimistische These einiger Analysten, dass die Krise im Investment Banking auch dem Ruf und dem Kundenstamm des Private Banking geschadet hat, wird die UBS noch tiefer unter die Räder geraten.

Die Konkurrenz zögert nicht, dabei aufs Gaspedal zu drücken. «Die Credit Suisse war der sichere Hafen in der unsicheren Marktlage», betont Brady Dougan, CEO der Credit Suisse anlässlich der Bekanntgabe eines Reingewinns von 8,549 Mrd Fr. Zwar hatte die zweitgrösste Schweizer Bank im 4. Quartal 2007 auch zu kämpfen. Aber unter dem Strich flossen der CS 2007 Nettoneugelder von 50,4 (Vorjahr: 95,4) Mrd Fr. zu. Die Höhe der verwalteten Vermögen (AuM) betrug per 31. Dezember 1554,7 Mrd Fr. (Vorjahr 1485,1 Mrd. Fr). Ob die CS auch für die verärgerten oder verunsicherten Kunden von der Konkurrentin UBS ein «sicherer Hafen» war, wollte das Management an der Bilanzmedienkonferenz jedoch nicht kommentieren.

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Kürzlich haben auch die Bank Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank anlässlich der Präsentation ihrer Jahresergebnisse 2007 betont, dass sie einen Zulauf seitens enttäuschter UBS-Kunden erhalten hätten. Die Summen, die diese verschreckten Grossbank-Kunden mitgenommen haben, will aber keine der beiden Institute quantifizieren. Von der Bank Julius Bär war nur zu hören, dass sie «von der Kreditkrise bei den Grossbanken» profitierte.

Die Privatbank hat einen Zugewinn des Jahresnettogewinns um 31% ausgewiesen und in der von Turbulenzen geschüttelten zweiten Hälfte des Jahres 2007 – in der viele andere europäische Banken über umfassende Abschreibungen und sogar Verluste berichten mussten – sogar ein Mehr von 19%. Das verwaltete Vermögen von Julius Bär stagnierte jedoch im Zeitraum Juni bis Dezember bei 405 Mrd Fr., da die Neugeldzuflüsse durch die schlechte Entwicklung an den Märkten aufgezehrt wurden. Die vergleichsweise solide Ertragslage hat es der Bär-Aktie aber nicht erspart, mit den anderen Finanzwerten in Sippenhaft genommen zu werden. Die Valoren sind seit Jahresbeginn um mehr als 15% gesunken. In der Folge wird die Aktie inzwischen zum rund Zwölffachen des für 2008 geschätzten Ergebnisses gehandelt. Auch bei der Konkurrenz mit Staatsgarantie zeigt man sich selbstbewusster als auch schon. «Wir konnten vermehrt Kunden der UBS gewinnen», sagt Daniel Previdoli, Leiter Privatkunden der Zürcher Kantonalbank (ZKB).Die Kundengelder stiegen um 3,6% auf 58,3 Mrd Fr., per Ende 2007 verwaltete die ZKB Kundenvermögen von 119,2 Mio Fr. und damit 3,7% mehr als vor Jahresfrist. Und die Bilanzsumme der grössten Kantonalbank überschritt mit 103,2 Mrd Fr. zum ersten Mal die 100-Milliarden-Grenze. Neu plant die ZKB, das Geschäft mit der betuchten Kundschaft auszubauen und auch auf Regionen ausserhalb der Schweiz auszudehnen.

Auch die Migros Bank zählte 2007 mit 29000 Köpfen 4% mehr Neukunden (2006: 11000). Aber vor allem im Januar 2008 sei die Zahl der Neukunden jüngst mit 5400 (+37%) spunghaft angestiegen. «Die Migros Bank registriert vermehrt Anfragen von verunsicherten Kunden anderer Banken», bestätigt der Präsident der Geschäftsleitung, Harald Nedwed. «Viele neue Kunden begründen ihren Wechsel mit dem konservativen Risikoprofil der Migros Bank und einem Vertrauensverlust gegenüber den von der Kreditkrise betroffenen Grossbanken», so Nedwed.

In der Ostschweiz tönt es ähnlich. «Seit Bekanntwerden der Kreditkrise stellen wir ein noch stärkeres Wachstum fest. Die Kunden kommen querbeet: Ältere und Jüngere, Kleinanleger und Vermögende, insbesondere auch Firmenkunden», versichert Franz Würth, Leiter der Medienstelle Raiffeisen Schweiz.

... aber keiner verliert

Die UBS will bisher nichts von Kunden- oder Mitarbeiterabgängen wissen. Dass die Entwicklung des Nettoneugeldes für die UBS aber evident wichtig ist, bestätigen die Analysten.

«Wir erwarten für das 4. Quartal einen Neugeldzufluss von 25 bis 30 Mrd Fr.», sagt Analyst Dirk Becker von Kepler Equities. «Sollten die Zahlen deutlich darunter liegen, haben wir ein grosses Problem», warnt Becker. Denn das sei der Beweis, dass die Probleme im Investment Banking auf das Wealth Management übergreifen. «Dann blickt die Aktie einer sehr unsicheren Zukunft entgegen», warnt der Kepler-Analyst Becker.