Kuoni hat Edelweiss an Swiss verkauft, obwohl der frühere CEO Armin Meier immer behauptet hat, dass die hauseigene Edelweiss für das Massengeschäft von Kuoni eminent wichtig sei. Was ist passiert?

Henning Boysen: Wir haben immer gesagt, dass die Edelweiss Air nicht einfach Selbstzweck ist, sondern die Eigenbedürfnisse von Kuoni Schweiz abdecken muss. Der Airlinebereich ist ein dynamisches Umfeld. Es ist auch unsere Aufgabe, sich immer wieder Gedanken zu machen, wie man den Einsatz der Edelweiss Air langfristig optimal gestaltet. Unsere Strategie ist weiterhin klar: Wir wollen nicht Eigentümerin von Anlagen wie Flugzeugen und Hotels sein.

Welche finanziellen Auswirkungen wird der Verkauf für das Geschäft von Kuoni haben?

Boysen: Durch den Verkauf der drei Airbus 320 steht ein Kapital von 75 Mio Fr. zur Verfügung. In Zukunft werden wir zu kostengünstigen Konditionen Sitzplatzkontingente bei der Swiss einkaufen können.

Finanzinvestorin Richelieu Finance hat ihre Beteiligung von 11,9 auf 8,4% reduziert. Verlieren Sie einen treuen Investor?

Boysen: Richelieu hatte Rücknahmen in ihren Fonds zu verzeichnen und wurde deshalb gezwungen, Aktien aus dem Portefeuille zu verkaufen.

Haben Sie Kontakt zu Richelieu?

Boysen: Ja, wir haben Kontakt zu all unseren Grossinvestoren.

Wenn das Richelieu-Paket den Besitzer wechseln würde, würde ein Verkauf von Kuoni wahrscheinlicher?

Boysen: Das glaube ich nicht.

Hatten Sie in den vergangenen vier Monaten Kontakt zu potenziellen Käufern von Kuoni?

Boysen: Nein.

Man redet wieder von der Möglichkeit einer Rezession in den USA. Was hiesse das für Kuoni und die Reisebranche 2008?

Boysen: Wenn eine Rezession kommt und diese auf Europa überschwappt, dann werden wir gefordert sein. Wir sind aber gut positioniert, um schnell zu reagieren. Wir sind vorbereitet für einen sehr volatilen Markt.

In der Tat gehts an der Börse rauf und runter. Was heisst das für Kuoni?

Boysen: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir schon das Schlimmste überstanden haben. Aber ich bin überzeugt, dass Kuoni gut aufgestellt ist, auch wenn 2008 volatil bleibt. Wir sind kaum vertikal integriert und können die Kapazitäten schnell anpassen. Wir haben kaum Hotelanlagen und sind nun mit Swiss eine neue strategische Partnerschaft für die Edelweiss Air eingegangen.

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Anders als es der Richelieu-Präsident sieht, passt also der Club Med nicht in das Geschäftsmodell von Kuoni rein?

Boysen: Mit den heutigen Strukturen, die der Club Med hat, ist das nicht sinnvoll. Der Club Med ist gebunden in Immobilienanlagen.

Kuoni möchte keine Immobilien besitzen und versucht seit einem Jahr, die Ferienanlage Las Playitas auf Fuerteventura zu verkaufen. Heute könnte für ein solches Verkaufsprojekt der Zeitpunkt nicht schlechter sein ?

Boysen: Der Markt für Immobiliengeschäfte ist heute nicht einfacher als vor einem halben Jahr. Wir haben gesagt, dass diese Ferienanlage nicht Teil unseres strategischen Geschäftsmodells ist. Das gilt auch heute noch. Wir werden es zum richtigen Zeitpunkt verkaufen.

215 Mio Fr. kostete die Anlage. Der Verkaufspreis dürfte wegen der Immobilienkrise weit darunter liegen. Schlägt sich das neu in den Büchern nieder?

Boysen: Wir haben im Jahresabschluss 2005 unser Investment abgeschrieben. Aus heutiger Sicht drängt sich keine weitere Bewertungskorrektur auf.

Kuoni sucht seit Ende Dezember einen neuen CEO. Behindern die Verkaufsspekulationen, die in regelmässigen Abständen kursieren, die Suche?

Boysen: Kuoni ist eine attraktive Firma mit einer hochklassigen Marke. Ich bin überzeugt, dass wir einen qualifizierten Top-CEO finden werden. Verkaufsspekulationen sind bei der Suche kein Thema.

Der Kandidat soll Erfahrung in der Konsumgüterindustrie und speziell im Luxussegment haben. Ist IT kein Kriterium mehr, wie das vor vier Jahren bei der Wahl von Armin Meier noch der Fall war?

Boysen: Das war, glaube ich, bei der Suche des CEO nie ein Hauptargument. Wir haben heute sehr fähige IT-Leute im Konzern. Das Internet ist ein wichtiger Verkaufs- und Distributionskanal und damit Teil unseres Geschäftsmodells.

Also schätzt Kuoni die Situation im IT-Bereich anders ein als noch vor vier Jahren?

Boysen: Unsere IT-Projekte sind auf gutem Weg. Wir haben im existierenden Geschäft nur mit Neuverhandlungen von Verträgen um mehrere Millionen Franken reduzieren können. Zusätzlich haben wir neue IT-Projekte gestartet. Wenn wir nun das normale Geschäft in der neuen IT-Struktur abwickeln, dann reduzieren wir die Kosten für den Gesamtkonzern noch einmal um einen zweistelligen Millionen-Franken-Betrag.

Das sind die 20%, die Kuoni-Schweiz-Chef Stefan Leser einsparen will.

Boysen: Das ist ein wichtiger Anteil.

Die 20%-Produktionskostenreduktion bei den Pauschalreisen ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Kuoni baut auch Stellen ab. Schaffen Sie das tatsächlich ohne Entlassungen?

Boysen: Eine Reduktion der Stellenzahl im Tour-Operating soll durch natürliche Abgänge erfolgen. Der Fluktuationsanteil in der Schweizer Reisebranche ist mit 25% sehr hoch. Dies kommt uns nun entgegen.

2006 erreichte Kuoni in der Schweiz eine operative Marge von 1,4%. Das ist mager.

Boysen: Ich glaube nicht, dass das unser Ziel sein kann. Darum haben wir in der Schweiz ein Restrukturierungsprogramm lanciert. Und auch die angekündigte strategische Partnerschaft mit Swiss wird zur Margenverbesserung beitragen.

Bei Konkurrent und Badeferienspezialist Thomas Cook spricht man von Margen zwischen 4 bis 6%. Soll das auch für das Pauschalreisegeschäft von Kuoni gelten?

Boysen: Wir sind überzeugt, dass man in diesem hoch kompetitiven Markt auch in der Schweiz akzeptabel Geld verdienen kann. Mit der neuen Spartenorganisation und unserem laufenden Restrukturierungsprojekt bekommen wir eine konkurrenzfähige Kostenstruktur. Mit der Neulancierung von Helvetic Tours haben wir nun auch wieder ein modernes und attraktives Produkt.

Thomas Cook hat ganz andere Verkaufsvolumen und damit auch Einkaufsmacht, die Kuoni nicht besitzt.

Boysen: Mit den heutigen Strukturen können auch wir gut Geld verdienen. Entscheidend ist die Effizienz.

Mit dem neuen Helvetic-Tours-Angebot ist Kuoni mit tiefen Preisen auf den Markt gekommen. Läuft dieses Geschäft?

Boysen: Es ist noch zu früh, um Konkretes zu sagen. Nur so viel: Nach den ersten fünf Wochen sind wir sehr zufrieden. Wir informieren Mitte März an der Bilanzmedienkonferenz.

Sie wollen Marktanteile im Schweizer Badeferiengeschäft zurückgewinnen. Was sind Ihre Ziele?

Boysen: Mit der Neulancierung der Marke Helvetic Tours haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis in fünf Jahren den Umsatz von Helvetic Tours zu verdoppeln.

Hotelplan hat in der Schweiz das gleiche Problem wie Kuoni. Warum tun Sie sich bei den Badeferien nicht zusammen?

Boysen: Das haben wir nicht diskutiert, und es ist auch 2008 kein Thema. Mit der richtigen Kombination der Produkte und der richtigen Preisstruktur sind wir nun attraktiver und werden zusätzliche Gäste anziehen können.

Allerdings zeigt sich in Europa eine andere Entwicklung. Die Konsolidierung ist 2007 in Europa vorangegangen mit Tui und First Choice, Thomas Cook und My Travel. Wann fusionieren Hotelplan und Kuoni?

Boysen: Das ist kein Thema.

Seit vier Jahren wächst Kuoni mit kleinen Zukäufen in Wachstumsmärkten wie Indien oder Russland. Südamerika ist hingegen noch ein weisser Fleck.

Boysen: Südamerika ist ein interessanter Markt, natürlich schauen wir uns auch dort nach interessanten Unternehmen um.

2007 hat Kuoni fünf kleinere Unternehmen übernommen. Geht das Wachstum 2008 in gleichem Tempo weiter?

Boysen: Ja, das ist klar unsere Absicht und entspricht auch der von uns kommunizierten Wachstumsstrategie.

Wie lief 2007 und was sind die Aussichten für 2008?

Boysen: Die Guidance anlässlich der Neun-Monats-Zahlen gilt immer noch.