Befürchtungen um eine weltweite konjunkturelle Abkühlung und insbesondere eine Rezession in den USA haben die Aktienkursentwicklung der europäischen Technologiekonzerne ABB, Siemens und Alstom seit Anfang 2008 unter Druck gesetzt. Am ärgsten gebeutelt wurden dabei die Titel der deutschen Siemens, nachdem das Unternehmen Mitte März eine Gewinnwarnung aussprechen musste. Die Siemens- Aktien haben fast 35% eingebüsst.

Entspannter sieht die Situation bei ABB aus, deren Entwicklung mit einem Minus von gut 13% im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt ausfiel, während sich die französische Alstom mit einem Rückgang um rund 5% gar besser als der Vergleichsindex Euronext 100 entwickelte.

Mit ABB präsentiert am 24. April 2008 das erste der drei Grossunternehmen seine aktuellsten Zahlen. Obwohl die Messlatte nach einem starken Umsatzwachstum im Vorjahr bereits hoch liegt, wird vom Technologiekonzern ein neuerliches Umsatzplus von rund 15% auf 7,5 Mrd Dollar erwartet. «Das Wachstum wird dabei von den zwei Strom-, aber auch von den Automationsdivisionen getragen», schreibt Mark Diethelm, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Seinen Schätzungen zufolge soll der Auftragseingang zudem um 16,6% zunehmen.

Noch deutlicher dürfte die Steigerung unter dem Strich ausfallen, nachdem ABB 2007 eine qualitative Verbesserungen des Preisgefüges im Auftragseingang angekündigt hat. ZKB-Analyst Diethelm geht entsprechend von einem Ebit-Wachstum um 28% auf 1,05 Mrd Dollar aus, was einer Marge von 14% entsprechen würde.

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ABB-Schiff ist auf Kurs

Auch Clariden-Leu-Analyst Jakob Schöchli ist optimistisch bezüglich ABB. «Das Automationsgeschäft scheint, auch in Amerika, gut zu laufen. Für eine positive Überraschung könnten aber vor allem die Energiedivisionen sorgen», so Schöchli. Angesichts der hohen Markterwartungen an das Quartalsergebnis der Schweizer hält er dieses Überraschungspotenzial aber für limitiert.

Für Fantasie sorgt bei ABB vor allem die volle Kasse, die das Unternehmen in schwachen Marktphasen für Akquisitionen einsetzen könnte. Insbesondere nach dem Rücktritt von Fred Kindle als CEO wird vom Technologiekonzern diesbezüglich ein aggressiveres Verhalten erwartet. Dass ABB noch keinen Nachfolger für Kindle bestimmt hat, bereitet Schöchli dagegen keine Sorgen. «Das ABB-Schiff ist auf einem guten Kurs. In dieser Situation fällt es weniger ins Gewicht, wenn noch kein neuer Chef bereit steht», sagt der Clariden-Leu-Analyst. Eine deutliche Mehrheit der Analysten empfiehlt die ABB-Titel denn auch zum Kauf.

Wenig zyklische Alstom

Im Gegensatz zu ABB ist der Supertanker Siemens noch lange nicht auf Kurs. Für das laufende Jahr musste der Konzern die Gewinnerwartung bereits um 900 Mio Euro nach unten korrigieren, wobei allein in der Kraftwerkssparte zusätzliche Belastungen in der Höhe von rund 600 Mio Euro nötig wurden. Begründet wurde dies mit einer eingehenden Überprüfung von Grossprojekten. «Dabei handelt es sich vor allem um jene Projekte, in denen Siemens als Generalunternehmer auftritt und damit auch für die Kosten garantiert», erklärt Schöchli. Angesichts dieser Probleme beim Technologiekonzern ist er zurückhaltend, was ein Investment in die Titel betrifft.

Viel eher empfiehlt Schöchli den Kauf von Alstom-Aktien. Die gute Performance der Firma ist auf attraktive Grossaufträge, insbesondere in der Stromproduktion, und eine tiefe Zyklizität zurückzuführen. «Neben den interessanten Infrastrukturprojekten darf man aber auch den Transportbereich nicht vergessen», ist der ClaridenLeu-Analyst überzeugt. Diese Einschätzung teilen 14 von 21 Analysten, welche die Titel auf «Buy» gesetzt haben.