Die Aktienkurse der Infrastrukturtitel sind dem generellen Trend zu mehr Vorsicht gefolgt: Projekte mit einem hohen Anteil an Fremdkapital wurden gestoppt. Remo Oswald von BZ Fund-Management sieht darin einen Grund für die jetzige, pessimistische Situation. Roger Signer, Analyst bei Credit Suisse, relativiert indessen: «Aufgrund der Breite der involvierten Sektoren ist das Bild sehr uneinheitlich.» Vor allem zyklische Titel, etwa Baustoff und Kapitalgüter, seien von der wirtschaftlichen Abschwächung und der schlechteren Nachfrage von privater Seite also tatsächlich massiv unter Druck geraten.

Hohe Wachstumserwartungen

Die Wachstumsverlangsamung hatte dieses Jahr fundamental negative Effekte auf Infrastrukturprojekte. Wie lange dieser Trend anhalten wird, darüber sind sich die Experten nur bedingt einig. Signer sagt, dass die Pläne zur Stimulation der Wirtschaft, wie etwa das chinesische Konjunkturprogramm im Gegenwert von 586 Mrd Dollar, auch über ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum hinaus positive Auswirkungen auf den Sektor haben sollten: «Viele Infrastrukturprojekte konnten mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren in Emerging Markets nicht mithalten.» Auch entwickelte Länder hätten noch massiv Nachholbedarf im Infrastrukturbereich, ist sich Signer sicher.

Aber auch Oswald ist optimistisch: «Die ganze Branche wird zusätzliche Nachfrage erfahren, weil der Staat in schlechten Wirtschaftszyklen Ausgaben in Infrastruktur erhöht.» Infrastrukturprojekte sind beim Staat, speziell in Ländern mit negativer Handelsbilanz, sehr beliebt, weil damit viele Arbeitsplätze geschaffen werden können. Dies hält die Volatilität des Bruttosozialprodukts auf einem tiefen Niveau, auch bei geringem Wachstum. Stephan Meier, Head of Asset Management der Clariden Leu, steht dem Ganzen jedoch kritisch gegenüber: «Aus meiner Sicht wird sich eine baldige Erholung noch nicht abzeichnen.»

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Signer empfiehlt Anlegern, wegen der zurzeit hohen Marktvolatilität noch etwa drei Monate mit Investments auf klare Signale aus dem Markt zu warten. «Grossprojekte wie etwa jene aus China oder Deutschland brauchen Zeit, bis sich ihre Wirkung am Markt entfalten kann.» Unterm Strich scheint der Infrastruktursektor eine attraktive Alternative zu den derzeit beliebten Staatsanleihen zu bieten. Aber auch bei Infrastrukturinvestitionen gilt die lange Frist: Mindestens drei Jahre, wenn möglich mehr. Die Auswahl an möglichen Märkten und Branchen ist gross, deshalb empfiehlt sich dem Privatinvestor der Kauf von Fondsanteilen. Verschiedene Anbieter setzen auf verschiedene Strategien.

Wachstum oder Einkommen

Clariden Leu investiert mit seinem Clariden Leu (LUX) Infrastructure Fund stark in Firmen wie E.On, die in Schwellenländern innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette aktiv sind, und setzt dabei auf ein langfristig überproportionales Wachstum. Der Vorteil: «Dieses Fondsvehikel erlaubt dem privaten Investor den Zugriff auf ein sonst schwer erschliessbares Segment», so Meier.

Der BZ Infra Fund hingegen verfolgt nicht den «klassischen», wachstumsorientierten Ansatz, sondern ein konstantes Einkommen durch schwer substituierbare Produkte. Dementsprechend sind hohe Anteile an Titeln aus der Strombranche, wie zum Beispiel am Zentralschweizer Versorger CKW, im Fonds enthalten. «Strom ist konjunkturresistent», meint Oswald und setzt auf ein baldiges Steigen der Preise im Zuge der Strommarktliberalisierung. Profiteure wären dann alle Stromlieferanten, die heute noch zu Preisen unter dem Marktdurchschnitt liegen

Wer lieber in Schweizer Einzeltitel investiert, dem empfehlen die Experten den Flughafen Zürich Unique. Dieser hat die in den letzten Jahren ausgebauten Kapazitäten bis heute nicht ausgeschöpft. Er ist deshalb auf Wachstum vorbereitet und das Einkommen ist relativ sicher. Das weiss, wer letztens einen Flug gebucht hat und mehr für Taxen als für den Flug bezahlt hat.