Nach den Boomjahren folgt in der Golfregion das böse Erwachen. Seit Anfang 2008 ist der Markt um 67,5% eingebrochen, gemessen am DFM General Index der Börse in Dubai. Damit bewegt sich die Region im Gleichschritt mit den Weltmärkten. «Unter normalen Umständen weist der Aktienmarkt des Mittleren Ostens eine tiefe Korrelation mit anderen Märkten und Rohstoffen auf, und in manchen Fällen ist diese sogar negativ», sagt Allan Conway, Head of Emerging Market Equities bei Schroders & Co. Durch den radikalen Ausverkauf der globalen Aktienmärkte der vergangenen Wochen funktioniere diese Beziehung allerdings nicht mehr so gut, wie man hätte erwarten können.

Attraktiv bewertet

Grund dafür ist, dass sich Märkte während Krisenzeiten von ihren fundamentalen Daten entkoppeln können. Denn sobald die Risikoaversion steigt, neigen Investoren dazu, Aktien zu verkaufen. «Gleichzeitig litten die arabischen Märkte auch noch durch das saisonal bedingte tiefe Volumen und durch Hedge-Fonds-Aktivitäten, die nun Zwangsverkäufe fordern», erklärt Middle-East-Spezialist Conway.

Sobald jedoch die Stabilität des globalen Finanzsystems wieder hergestellt ist, könnte sich die Stimmung der Investoren bezüglich des Mittleren Ostens und der Schwellenländer im Allgemeinen wieder verbessern. «Denn der Mittlere Osten ist kaum direkt von der Kreditkrise betroffen, die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind stark und die Bewertungen nach wie vor attraktiv», ist Conway überzeugt. Zudem werde der Mittlere Osten noch immer von immensen Überschüssen überflutet, die mehrheitlich durch den hohen Ölpreis der letzten Jahre entstanden sind.

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Ölgelder stützen die Wirtschaft

Diese finanzielle Stärke erlaubt es den Regierungen, ihren Finanzsektor zu unterstützen. Und es gibt bereits einige Hinweise dafür: So hat beispielsweise der staatliche Investitionsfonds von Katar bekannt gegeben, dass er durch den Erwerb von 20% der Aktienanteile zusätzliches Kapital in die lokalen Banken pumpen wolle. Die Regierung der UAE unterstützte die lokalen Banken mit einer Finanzspritze von 34 Mrd Dollar und garantierte zudem für das gesamte Guthaben im Land. Schliesslich werden die Regierungsausgaben für Infrastruktur weiterhin hoch bleiben und die Sektoren Dienstleistung und Konsum nach wie vor wachsen. «Die letzteren zwei sind ein Mitnahmeeffekt, erzeugt durch den hohen Ölpreis, und werden dazu genutzt, um die Wachstumsquellen zu diversifizieren», begründet der Schroders-Analyst. Auch wenn davon ausgegangen werden muss, dass noch weitere Projekte revidiert oder gar verschoben werden, dürften diese Haupttrends auch in den kommenden Jahren stark und stabil bleiben.

Finanzkrise weniger gravierend

Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf den Finanzsektor im Mittleren Osten dürften längerfristig weniger gravierend ausfallen als anderswo. «Im Gegensatz zu den westlichen Industriestaaten, die sich in einer Rezession befinden, wird sogar erwartet, dass in den nächsten Jahren ein vernünftig starkes Wachstum erzielt wird», so Conway.