Die Ölriesen werden wohl ohne grosse Freude an das Jahr 2009 zurückdenken. Niedrige Preise, konjunkturbedingt gedrosselte Nachfrage und hohe Explorationskosten setzten die Branche unter Druck.

Die Unternehmenszahlen, die Exxon Mobil, BP und Royal Dutch Shell vergangene Woche vorgestellt haben, spiegeln das wider. Exxon meldete einen Gewinnrückgang im 4. Quartal um 23% im Vergleich zum Vorjahr auf 6,05 Mrd oder 1,27 Dollar pro Aktie. Die Explorationsausgaben stiegen aufs gesamte Jahr gerechnet um 3,6% auf ein Rekordhoch von 27,09 Mrd Dollar.

Massive Abschreibungen

Auch bei BP sieht es kaum besser aus. Den Abschreibungen von 3 Mrd Dollar im 4. Quartal des Vorjahres konnten zwar 4,3 Mrd Dollar Gewinn entgegengesetzt werden, die Zahlen enttäuschten die Analysten aber, die Aktie sank nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen um 3,8%. Royal Dutch Shell berichtete sogar einen Gewinneinbruch um 75% auf 1,2 Mrd Dollar.

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Überkapazitäten drücken Preise

Die Margen beim sogenannten Downstreaming, also dem auf die Rohölförderung folgenden Transport, der Verarbeitung und dem Vertrieb, brachen völlig ein. Shell schrieb hier Verluste in Höhe von 1,8 Mrd Dollar, Exxon verlor fast 200 Mio, und Chevron musste rund 600 Mio Dollar Verlust hinnehmen. Hauptgrund für die fallenden Margen war der durch die Rezession ausgelöste Nachfragerückgang, der zu Überkapazitäten geführt und die Preise gedrückt hatte.

Die Aussichten für die Ölbranche in den USA und Europa sind düster. Auf der politischen Agenda stehen vor allem Massnahmen wie Energieeffizienzsteigerung und Senkung des Kohlendioxidausstosses. Öl konkurriert zunehmend mit alternativen Treibstoffen wie Ethanol und Biosprit. BP-Chef Tony Hayward sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die Ölnachfrage der Industriestaaten habe 2007 ihren Zenit überschritten, seine Hoffnung ruhe deshalb auf den dynamischen asiatischen Volkswirtschaften, insbesondere auf China.

Exploration strategisch zentral

Daher sind Exploration und Erschliessung neuer Felder bei den Ölkonzernen weiter von besonderer strategischer Bedeutung. Aktuell kämpfen zahlreiche Unternehmen um einen Zugang zu Ölfeldern in Uganda. Konzerne wie Eni aus Italien, Total aus Frankreich oder China National Offshore Oil werden von Mrd Barrel Rohöl angezogen, die um das Becken des Lake Albert entdeckt wurden. Tullow Oil, ein Partner von Heritage Oil, das momentan die Förderrechte für das Gebiet besitzt, schätzt, dass noch 1,5 Mrd Barrel in der Region warten. Für Nachschub ist also gesorgt.

Mit einem starken Anstieg des Ölpreises rechnen deshalb nur wenige. Zwar hat sich der Preis seit Frühjahr 2009 langsam erholt, von seinem Höhepunkt im Sommer 2008, der den Konzernen Rekordgewinne bescherte, ist er aber weit entfernt. Ein guter Indikator dafür, dass einige die Hoffnung auf steigende Ölpreise verabschiedet haben, ist die sinkende Menge an auf See gelagertem Öl. Noch im April waren 90 Mio Barrel Rohöl auf Tankern gelagert, heute sind es laut Schiffsmakler ICAP nur noch 43 Mio.

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Die schwimmenden Lager erlebten Anfang 2009 eine Hochkonjunktur. Rohöl wurde damals am Spotmarkt weitaus billiger gehandelt als Öl-Futures, die die künftige Preiserwartung abbilden. Diese Konstellation wird als Contango bezeichnet. Händler kauften billiges Rohöl und lagerten es auf Tankern, um es später teurer zu verkaufen. Die Gewinnmargen aus diesem Geschäft übertrafen die Lagerkosten deutlich. Mit sinkender Differenz zwischen dem künftigen und dem momentanen Ölpreis und zugleich steigenden Frachtgebühren schwand auch der Antrieb für diese Art von Termingeschäft.

Der Contango-Effekt verringerte sich auf 40 Cent pro Barrel. «Um die Frachtgebühren und andere Kosten zu decken, braucht man aber mindestens 90 Cent», sagt Torbjorn Kjus, Analyst bei DnB NOR Markets. JP Morgan schätzt sogar, dass die Händler bald mit Aufschlägen rechnen müssen. Keine guten Nachrichten für die Ölkonzerne.

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