Was für die Finanzbranche die Notenbanken, sind die WASDE-(World Agricultural Supply and Demand Estimates)-Berichte für die Agraranleger: Diese vom US-Landwirtschaftsministerium publizierten Prognosen zur globalen Getreideproduktion und der Nachfrage gelten unter den Anlegern an den professionellen Getreidebörsen als die wichtigsten Informationsquellen, die über das kommende Auf und Ab bei den Preisen informieren.

Denn im Unterschied etwa zu Rohöl, wo ein relativ stabiles Angebot-Nachfrage-Verhältnis für die Preisfindung wichtig ist, spielt bei Agrarprodukten (den Soft Commodities) auch das Wetter für die Angebotsseite eine wichtige Rolle. Für Retailanleger sind diese Informationen ebenfalls wichtig geworden. Denn einige Emittenten haben in den letzten drei Jahren eine breite Palette von einschlägigen Preistrackern auf viele Agrarprodukte aufgelegt, und Ende Mai kündigte auch die Profi-Derivatebörse Eurex ihren Einstieg in das Thema an.

Hungriges China als Treiber

Beim jüngsten Bericht der WASDE wurden die Prognosen zur Getreideproduktion leicht zurückgenommen: Die globale Produktion soll um 2,1% auf 2,18 Mrd t fallen. Und auch die Nachfrage schrumpft minimal auf 2,17 Mrd t. Der Rückgang geht vor allem auf die Minderproduktion bei Futtergetreide zurück. Analysten hatten allerdings einen solchen Rückgang der Produktion erwartet. Die Angebotslücke liegt jetzt bei 3 Mio t - mindestens.

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Denn in den aufstrebenden Ländern, vor allem im China und Indien, wächst die Nachfrage weiter. Diese Entwicklung widerspiegelt sich in Verknappungstendenzen bei Weizen, Sojabohnen und Reis sowie in einem Engpass bei Mais.

Experten betrachten zudem auch immer die Preiskurven der Futures-Märkte. Bei Mais, Weizen und Reis befinden sich diese in einer Contango-Situation, bei der die weiter vorausliegenden Kontrakte teurer sind als die aktuellen. Bei Sojabohnen ist es hingegen umgekehrt (backwardation).

Für die Hebelprodukte auf diese vier Getreidesorten spielen Rollverluste eine untergeordnete Rolle. Anders ist das bei Preistrackern. Mais-Preistracker wie CORNO oder CORNQ verlieren bei den Rollvorgängen, wenn von einem auslaufenden Future in den nächsten «gerollt» wird, ständig etwas Geld bzw. geben dem Anleger nicht den vollen Preisanstieg weiter. Umgekehrt ist es bei einer Backwardation wie bei Sojabohnen. Hier fallen die Preistracker wie SOYAA oder SOYBA nicht ganz so stark wie die Futures-Preise, wenn gerollt wird.

Auch mit Kapitalschutz

Bei Trackern auf Rohöl haben einige Emittenten brauchbare Lösungen entwickelt, diese Rollproblematik zu mildern. Bei Derivaten auf einzelne Agrarprodukte sind sie wegen der kleineren Nachfrage noch nicht so weit. Ein Ausweg für Anleger sind Baskets und Indexscheine auf Agrarprodukte wie AGRIC, USAGR, VZAGR oder die auf den von Jim Rogers entwickelten Index basierenden Tracker RICAA, RIAEU, RICAC bzw. RIEHA, RIACH und RIAGE.

Neben den Schwankungen der Basiswerte kommt oft noch das Dollarrisiko hinzu. Weniger risikofreudige Anleger finden aber mit WSGPN auch ein Kapitalschutzprodukt auf Agrarprodukte.