Die Rechnung ist ganz einfach: Bei konstantem Gewinn je Aktie steigt das Kurs/Gewinn-Verhältnis KGV bei steigendem Kurs. Verdoppelt sich die Notierung, dann verdoppelt sich auch das KGV. Das heisst wiederum: Aus einem beispielsweise noch moderaten 15er-KGV wird durch eine Kursverdopplung eine nicht mehr wirklich attraktive 30er-Gewinnbewertung.

Ähnlich verhält es sich mit Dividenden. Konstante Ausschüttung vorausgesetzt, halbiert sich die Dividendenrendite bei einer Kursverdoppelung. Und umgekehrt. Halbiert sich der Kurs und bleibt die Dividende konstant, dann verdoppelt sich die Ausschüttungsrendite.

Stagnation und hohe Kosten

Nachdem die Aktie zwischen 2013 und 2017 um insgesamt rund 150 Prozent gestiegen war, war Leifheit lange Zeit aus Dividendenaspekten nicht mehr interessant. Dabei ist der Anbieter von Haushaltsprodukten wie etwa Staubsauger, Waagen oder Artikel zur Wäschepflege als nachhaltiger Dividendenzahler bekannt und hatte seine Zahlungen im genannten Zeitraum um ein Drittel erhöht. Dennoch lag die Dividendenrendite bei einer Ausschüttung für 2016 und 2017 von jeweils 1,05 Euro je Aktie nur bei rund 3,0 Prozent.

Nun allerdings ist aus dem Dividendenlangweiler ein Top-Dividendentitel geworden. Denn die Aktie hat sich in diesem Jahr bereits halbiert. Grund ist die Umsatzstagnation infolge gedämpfter Nachfrage nach Staubsaugern und einer generellen Kaufzurückhaltung der Verbraucher in Frankreich. Da bei Leifheit aber die Kosten für Personal und den Materialeinsatz aber deutlich gestiegen sind ging der Gewinn zurück. Aus einem Ergebnis je Aktie von 1,53 Euro in 2016 wurden im vergangenen Jahr nur noch 1,35 Euro je Anteil.

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… das Management wird ausgetauscht

In diesem Jahr dürfte es noch weniger werden. Die Kosten der Umsatzerlöse stiegen im ersten Halbjahr von 52,9 auf 56 Prozent und nur die tieferen Verwaltungskosten und der Entfall von Fremdwährungsverlusten hielt das Ergebnis im Semester mit 0,46 Euro je Aktie auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Im Gesamtjahr allerdings ist ein Rückgang in den Bereich von 1,0 Euro je Anteil zu erwarten.

Da das bisherige Management die Umsatz- und Gewinnprobleme offensichtlich nicht in den Griff bekommen konnte, wird der Vorstand nun umgebaut. Ab November kommt ein neuer Manager für den Produktbereich und der CEO wurde vor wenigen Tagen abberufen. Möglicherweise bringen neue Chefs bald wieder frischen Wind in den Laden. Da könnte es in den nächsten Monaten zu positiven News kommen.

Hoher Cashbestand

Aber so oder so: Leifheit verfügt über starke Marken und eine starke Marktstellung. Mit einem erwarteten KGV um 15 ist die Aktie nicht teuer und die Dividende dürfte sogar überdurchschnittlich hoch ausfallen. Denn das Unternehmen sitzt auf einem Casbestand von knapp 3,50 Euro je Aktie und die Ausschüttung dürfte wahrscheinlich nicht zu stark gekappt werden. Mit einer Rendite um sechs Prozent ist die Aktie günstig und es gibt Chancen auf einen Turnaround im operativen Geschäft.

Leifheit AG

ISIN: DE0006464506

Gewinn je Aktie 2019e: 1,30 €

KGV 2019e: 11,5

Dividende/Rendite 2018e: 0,90 €/6,0%

EK je Aktie: 9,37 €

EK-Quote: 42,7 Prozent

KBV: 1,6

Kurs/Ziel/Stopp: 14,90/24,80/10,40 €

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +18,7 Prozent (DAX: +5,6 Prozent), 3 Jahre: +51,8 Prozent (DAX: +14,9 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +374,2 Prozent (Dax: +96,9 Prozent)