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Devisenmarkt
Leitzinswende der Fed erschwert Navigation

Devisen: Ungewisse Entwicklungen weltweit. Keystone

Die US-Notenbank Federal Reserve bereitet ein Ende der faktischen Nullzinspolitik vor. Der weltweite Devisenhandel wird damit nicht übersichtlicher.

Veröffentlicht am 07.12.2015

Die US-Notenbank Federal Reserve bereitet in diesem Monat ein Ende der seit nahezu sieben Jahren bestehenden, faktischen Nullzinspolitik vor. Der weltweite Devisenhandel wird damit nicht übersichtlicher werden, sondern ganz im Gegenteil. Marktteilnehmer bereiten sich auf Zeiten einer schwierigeren Navigation vor.

Händler rechnen derzeit stärker mit zunehmenden Schwankungen an den Devisenmärkten als in den gesamten zwei Jahren zuvor. Das geht aus Devisenvolatilitätsbarometern am Terminmarkt hervor. Weiteres Indiz: Die Nachfrage für den Dollar ist so hoch, dass die Konvertierung von Euro-, Yen- und Pfundzahlungen in Dollar über die Finanzierungsmärkte nahezu den höchsten Stand seit mindestens 2012 erreicht hat.

Alljährlicher Liquiditätsrückgang

Und das bevorstehende Treffen des geldpolitischen Gremiums fällt terminlich genau zwischen das Treffen des EZB Zentralbankrates am 3. Dezember und einem ohnehin kurz vor dem Jahresende üblicherweise einsetzenden Liquiditätsrückgang. Damit bleibt die Gefahr für Marktverwerfungen, wie sie in diesem Jahr bereits aufgetreten waren, zumindest erhöht.

Der australische Notenbankgouverneur Guy Debelle zählt derzeit zu den Warnern vor höherer Volatilität, sollte die US- Notenbank so spät im Jahr mit neuen geldpolitischen Instrumenten hantieren. Das käme zu einer Zeit, in der die Bilanzen der Händler normalerweise bald abgeschlossen würden.

Volatilität nimmt wohl zu

«Die Volatilität wird nun tendenziell zunehmen», stellt Mark Farrington von der Macro Currency Group in London fest, «Währungen werden dazu insbesondere beitragen, denn sie können auf die einsetzende Zinswende in den USA mit deutlichen Schwankungen reagieren», sagte er und begründete das mit dem offiziellen Beginn einer Phase mit auseinanderdriftender Zinspolitik in wesentlichen Wirtschaftsräumen.

Die implizierte Ein-Monats-Volatilität in den Währungen der G10-Staaten liegt derzeit im Mittel um 2,84 Prozentpunkte über den Kursausschlägen des letzten Monats. Am Montag dieser Woche wurde 2,86 Prozentpunkte erreicht und damit der grösste Ausschlag seit dem Juni 2012, wie Terminmarktdaten zeigten.

Januar ist noch nicht vergessen

Die weiterhin erhöhten Volatilitätserwartungen können als Zeichen gelten, dass der Devisenhandel die turbulente Phase übertriebener Schwankungen zu Beginn dieses Jahres noch nicht vergessen hat. Die Schweizerische Nationalbank hatte im Januar den Startschuss gegeben, als der bis dahin geltende Mindestkurs des Euro zum Franken aufgegeben wurde und die Schweizer Devise daraufhin in rekordhafter Weise aufwertete.

Auch die ebenso überraschende Yuan-Abwertung im August hatte die internationalen Devisenmärkte zeitweise in Aufruhr versetzt. Anschliessend trockneten Angebote zum Kauf von neuseeländischen Dollar aus, womit die im Händlerjargon auch «Kiwi»-Dollar genannte Devise prompt den grössten Kursrutsch innerhalb eines Tages seit 30 Jahren vollzog.

Gestiegene Nachfrage

Beim US-Dollar sind vergleichbar heftige Reaktionen auf die Leitzinswende natürlich nicht zu erwarten. «Die Entscheidung selbst wird sich als weniger bedeutsam erweisen als die Mechanik, wie das kurze Ende des Marktes kontrolliert werden wird», sagt Sean Keane von Triple T Consulting in Auckland in Neuseeland und vormaliger leitender Zinshändler im Raum Asien- Pazifik bei der Credit Suisse Group AG. «Gut möglich», sagt er, «dass es sich als schwieriger herausstellen wird als sie es sich gedacht haben».

Die gestiegene Nachfrage für den US-Dollar hat den Bloomberg Dollar Spot Index in diesem Jahr bereits um neun Prozent steigen lassen. Der Trend hat sich überdies auf die Geldmärkte ausgeweitet. Zugleich erwartet der Markt von der EZB nach ihrer unmittelbar bevorstehenden Ratssitzung zumindest irgendeine Form der Ausweitung geldpolitischer Stimuli - was den Eurokurs zum Dollar bereits auf das niedrigste Niveau seit April gedrückt hat.

Riesige Menge für Spekulationen

Stratege Chris Weston von IG in Melbourne sagt über die kaum vorhersagbare Marktreaktion nach der EZB-Ratssitzung: «Es gibt durchaus ein Risiko, dass ganz gezielt nach dem Muster ’Kaufen beim Gerücht, Verkaufen bei Fakten’ gehandelt wird.» Es gebe in diesem Zusammenhang eine riesige Menge für Spekulationen zur Verfügung stehendem Geld. Händler seien insgesamt wesentlich sprunghafter geworden, und zwar unabhängig, ob sie US-Dollar oder kleinere Währungen wie den Kiwi-Dollar oder den Australischen Dollar handeln.

«Mit der Zinswende im Dezember erwarten wir Volumenspitzen», sagt Susan Buckley von QIC  in Brisbane. Anschliessend sei mit einem Wandel der Debatte von der Frage über den Zeitpunkt zur Frage des Umfangs künftiger Leitzinsanhebungen zu rechnen - «und insbesondere darüber, wie sich das auswirken wird auf Kreditvergabe und Aktienmärkte. Besonders am Devisenmarkt rechnen wir mit einer zunehmenden Volatilität», sagt sie.

(Bloomberg/chb)

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