Die Zeitungsbranche schlittert immer tiefer in Schwierigkeiten. Anfang vergangener Woche musste die amerikanische Tribune-Gruppe Insolvenz anmelden. Der Zeitungskonzern besitzt Vermögenswerte in Höhe von 7,6 Mrd Dollar und hat einen Schuldenberg von 12,9 Mrd Dollar aufgehäuft. Wie den Konkursdokumenten zu entnehmen ist, sind auch die Schwesterblätter «Los Angeles Times», «Baltimore Sun» und eine Reihe von Fernsehsendern von der Pleite betroffen.

Allenfalls Chapter 11

Während der vorausgegangenen Tage, als die in Chicago ansässige Tribune noch in Gesprächen mit potenziellen Geldgebern stand, suchte der Medienkonzern bereits die Dienste der Investmentbank Lazard als Finanzberater. Daneben beauftragte er die Anwaltskanzlei Sidley Austin, das Unternehmen durch ein mögliches Gläubigerschutzverfahren nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts zu lotsen, berichten Insider.

Die Tribune-Pleite unterstreicht die angespannte Situation, in der sich die Zeitungsverlage zurzeit befinden. Ihr Geschäft leidet stark unter den einbrechenden Anzeigenverkäufen, und viele haben eine Schuldenlast zu tragen, die unter aktuellen Marktbedingungen nicht zu managen ist. Brancheninsider erwarten, dass in den kommenden Monaten weitere Blätter eingehen oder Gläubigerschutz anmelden, um sich zu reorganisieren.

Anzeige

Auf wackeligen Füssen stand Tribune bereits seit Dezember 2007. Um die kompletten Aktien des Unternehmens zurückzukaufen, bürdete der Immobilienmogul Samuel Zell, der Tribune im August 2007 übernommen hatte, dem Konzern eine Schuldenlast von 8,2 Mrd Dollar auf. Es folgten Verkäufe von Vermögenswerten, um die hohen Verbindlichkeiten abzubauen. Doch die schrumpfenden Profite ziehen die Schlinge enger. So muss Tribune allein für das laufende Jahr Zinszahlungen von etwa 1 Mrd Dollar leisten, ausserdem steht noch die Rückzahlung eines Kredits über 512 Mio Dollar vom Juni 2008 aus.

Verkauf von Firmenteilen

Eine der grössten Sorgen von Tribune: Das Unternehmen verstösst wohl gegen Kreditbestimmungen, die den Verschuldungsgrad am Ende dieses Jahres auf das Neunfache seines bereinigten Gewinns limitieren. Am Ende des 2. Quartals war man bei einer Quote von 8,3 angelangt. Und im 3. Quartal musste das Unternehmen einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 83% verkraften.

Mit der Beauftragung von Lazard hat Tribune eine in Umschuldung versierte Firma gewonnen. Selbst wenn sich die finanzielle Lage weiter verschlechtern sollte, hat Tribune noch Chancen. Der Verkauf seines Baseballteams Chicago Cubs ist in Vorbereitung. Zudem besitzt der Konzern wertvolle Anteile an Unternehmen wie dem Kabel-TV-Sender Food Network. Tribune hat schon Vermögensteile versteigert, um die Liquidität zu erhöhen. Ob der Verkauf weiterer Zeitungen eine gute Lösung darstellt, ist indes fraglich. Denn zurzeit ist es schwierig, Käufer zu finden. Ausserdem dürfte es für Tribune besser sein, nicht auf die Profite aus dem Zeitungsgeschäft zu verzichten.