Auf dem Hypothekenmarkt herrschen für die Kunden derzeit äusserst vorteilhafte Bedingungen. «Die Zinsen sind auf einem historischen Tiefststand. Gleichzeitig sind die Banken aggressiv auf Kundenfang», hat Werner Egli von der Hypothekenbörse in Uster festgestellt. Kein Wunder also, hat sich der Hypothekenmarkt in den vergangenen Monaten deutlich belebt, wie der Hypothekenfachmann festgestellt hat. Insbesondere wer mit dem Gedanken spielt, Wohneigentum zu erwerben, dürfte wegen der attraktiven Konditionen kaum widerstehen können.

Noch geringer Marktanteil

Mit Zinsen um 1% sind die Geldmarkt- oder Liborhypotheken derzeit besonders gefragt. Sie verfügen über einen veränderlichen Zinssatz und werden alle drei oder sechs Monate auf Basis des Liborsatzes zuzüglich einer individuellen Marge erhoben. So verzeichneten beispielsweise die Raiffeisenbanken bei den Liborhypotheken gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr eine Verdoppelung der Anzahl sowie des Volumens (siehe Tabelle). Zunehmende Tendenzen verzeichnen auch die übrigen Finanzinstitute, mit Ausnahme der UBS.

«Trotz des verstärkten Trends zu Liborhypotheken ist der Marktanteil mit 10 bis 12% nach wie vor sehr tief», erklärt Lorenz Heim, Leiter Hypotheken beim Vermögenszentrum VZ. Dies liege unter anderem an den Banken, die eigentlich wenig Interesse an der starken Verbreitung der Geldmarkthypotheken hätten. «Anders als bei den variablen Hypotheken können sie hier die Zinsen nicht mehr selber festlegen», so Heim.

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Kaum gefährdete Tragbarkeit

Angesichts der ausserordentlich tiefen Zinsbelastung beim Abschluss einer Liborhypothek mehren sich die Befürchtungen, dass die Tragbarkeit bei den Kunden bei einem Zinsanstieg, der durchaus schnell und sprunghaft erfolgen kann, nicht mehr gewährleistet sein könnte. «Die Gefahr, dass die Kunden die Hypothek nicht mehr tragen können, halte ich für gering», beschwichtigt Heim. Schliesslich würden die Finanzinstitute bei der Tragbarkeitsberechnung von einem deutlich höheren Zinssatz ausgehen. In der Regel liegt dieser kalkulatorische Zinssatz heute zwischen 4,5% bis 5%. «Wenn die Berechnung seriös durchgeführt wurde, dann sollte es keine Probleme geben, ausser natürlich, dass es der Kunde im Portemonnaie spürt», ist auch Egli überzeugt. Neben der Tragbarkeitsberechnung bieten die Banken ihren Kunden zusätzliche Absicherungsmöglichkeiten gegenüber steigenden Zinsen an.

Trotz der stark steigenden Nachfrage nach Liborhypotheken bedeutet dies noch keineswegs den Abgesang auf die traditionelle variable Hypothek. «Variable Hypotheken eignen sich aber eigentlich nur dann, wenn man sich in einer Warteposition befindet», erklärt Egli. Steht beispielsweise nach dem Ablauf einer Festhypothek in wenigen Monaten ein Hausverkauf bevor, dann sei dies eine valable Alternative. «Beim Libor braucht es meistens einen Rahmenvertrag mit einer Bank, sodass ein kurzfristiger Ausstieg kaum möglich ist.» Zwar ist dann ein Wechsel in ein anderes Hypothekenmodell gestattet, die Ablösung des Kredites oder der Wechsel zu einem anderen Anbieter bleibt jedoch verwehrt.

Günstige Festhypotheken

Statt auf Liborhypotheken zu setzen, empfiehlt Heim derzeit allerdings, langfristige Hypotheken aufzunehmen. «Derzeit befinden wir uns in einer Spezialsituation: Heute liegt der durchschnittliche Liborzins über die letzten zehn Jahre höher als jener einer Festhypothek mit einer Laufzeit von zehn Jahren», begründet er. Wer seinem Ratschlag folgt, sollte allerdings beachten, dass man damit über ein Jahrzehnt mit einer Bank verbunden ist. Dies könnte sich vor allem dann negativ auswirken, wenn um 2015 der Eigenmietwert abgeschaft werden könnte und dadurch die Amortisation der Schuld von Vorteil wäre. «Dennoch, wer heute eine Festhypothek abschliesst, liegt sicherlich nicht falsch», so Egli.

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