Der Übernahmekampf um Süsswaren-Hersteller Cadbury zeigt es die Fusionswelle rollt, selbst Milliardengebote sind wieder möglich.

Das lockt auch jene Investoren zurück aufs Parkett, deren eigentliches Kerngeschäft die Übernahmen sind: Die Private-Equity-Gesellschaften. Noch sind sie zwar nicht so mächtig wie vor der Krise. «Dort, wo Konzerne ein Unternehmen unbedingt kaufen wollen, haben Finanzinvestoren kaum Chancen», sagt Steffen Meister, CEO des Schweizer Vermögensverwalters Partners Group. Denn die Konkurrenten eines Unternehmens im Branchenjargon die strategischen Investoren können sich im Vergleich zu den Geboten der Finanz-investoren inzwischen deutlich höhere Gebote leisten.

Schwer verdauliche Beute

Für die Anleger, die Private Equity treu bleiben, kann das nur gut sein. «Vor allem jetzt in der Krise werden Werte geschaffen», sagt Oliver Gottschalg, Dozent für Unternehmensstrategie an der Pariser HEC Business School. Gottschalg: «Wem es jetzt gelingt, die Werte in seinem Unternehmen zu schützen, hat beim späteren Verkauf hohe Renditen in Aussicht.»

Ein lohnender Weg für Private-Equity-Investoren ist es deshalb, sich auf Übernahmen in einem Umfeld mit wenigen Bietern zu beschränken. Weshalb Partners Group auch jetzt, nachdem sich die Stimmung an den Kapitalmärk-ten verbessert hat, in diesem Markt halten. «Über unsere engen Kontakte zu mehr als 200 General-Partnern sehen wir mehr Deals als je zuvor», sagt Meister. Seit Sommer biete das Geschäft mit Direktbeteiligungen die bes-ten Chancen für Wachstum und gute Renditen, teils mehr als 25%. Dies trotz des im Vergleich zu den goldenen Zeiten der Branche deutlich geringeren Einsatzes von Krediten zur Finanzierung der Beteiligungen.

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Weil damals, vor allem in der Hochphase der Branche 2006 und 2007, Kredite billig waren und von Banken im Überfluss und mit geringen Sicherheitsforderungen zur Verfügung gestellt wurden, bezahlten Private-Equity-Gesellschaften oft weniger als 20% des Kaufpreises aus der eigenen Tasche. Die gekauften Firmen wurden auf Jahre hinaus mit hohen Schulden belas-tet, sodass Finanzinvestoren zumindest kurzfristig Rekordmargen auf ihr Eigenkapital verbuchten.

Die vermeintlich fette Beute von damals liegt vielen Heuschrecken allerdings heute schwer auf dem Magen. Der für letzten November geplante 800-Mio-Dollar-IPO von AEI, einem amerikanischen Betreiber von Kraftwerken und Erdgasleitungen in Schwellenländern, scheiterte an der normen Schuldenlast des Unternehmens: 2,9 Mrd Dollar netto.

455 Mrd Dollar Schulden, die Finanzinvestoren den Unternehmen nach Berechnungen der Ratingagentur S&P durch die kredit-finanzierten Übernahmen (Leve-raged Buyouts, LBO) aufgebürdet haben, werden die Private-EquityBranche dezimieren. «Der grosse Aderlass bei LBO steht noch bevor», warnte jüngst der bekannte Spekulant George Soros. «Die Finanzkrise wird in der Branche Ähnliches anrichten wie das Platzen der Spekulationsblase bei Techaktien in der Venture-Capital-Branche», sagt Partners-Group-Mitgründer und VR-Präsident Alfred Gantner.

Crash ist zwingend

Im konjunkturell schwierigen 1. Halbjahr hat sich Partners Group deshalb auf Notverkäufe von Beteiligungen und den Aufkauf von Krediten sowohl von fremden Firmen als auch von Unternehmen aus den eigenen Portfolios konzentriert. Nach der Erholung der Kapitalmärkte ist der Kauf von Krediten unattraktiv geworden. «Dieses Fenster ist geschlossen», sagt Partners-Group-CEO Meister. Im Markt für Beteiligungsportfolios gebe es jedoch weiter gute Gelegenheiten.

Jeder dritte Private-Equity-Verwalter werde vom Markt verschwinden, lautet das Fazit von Partners Group. Auch die Traumrenditen von 2005 bis 2007 sind passé. «Statt durchschnittlich 22% plus werden es nur -4 bis 7% sein», so Branchenkenner Gantner. Die Auslese überleben werden Finanz-investoren, die noch über ausreichend Cash verfügen und denen es vor allem gelingt, die Profitabilität der Portfoliofirmen zu verbessern. Riesen wie Blackstone mit 27 Mrd Dollar Cashreserve und KKR mit 14,2 Mrd Dollar Cash werden wohl zu den Gewinnern zählen. Die jüngsten Quartalszahlen waren besser als erwartet.